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Reiseführer Rom:Essen & Trinken

Ob im Ristorante, in der Trattoria oder bei Mamma – die Nachfahren von Lucullus sind beim Essen wahre Genießer

Was kümmern sie Regierungskrisen, Streik oder der höllische Verkehr, solange nur die mamma die Spaghetti al dente kocht. Essen, zu Hause oder im ristorante, ist nun mal der Italiener Leidenschaft. Es gibt bei den Nachfahren des Lucius Lucullus, der natürlich Römer war, keinen nudelfreien Tag. Hat nicht schon Marcus Gaius Apicius, ältester Kochbuchautor der Welt, im 1. Jh. n. Chr. 100 verschiedene Spaghettisaucen aufgezählt? Pastaläden bieten oft mehr Auswahl und Vielfalt als Spielzeuggeschäfte. Das Angebot reicht von agnolotti, den fleischgefüllten Teigtaschen, bis zu den halbmondförmigen Nudeln, den strozzapreti (Priesterwürgern).

Beim Essen sind die Italiener wahre Genießer. Das Frühstück ist zwar eher dürftig, aber zwei warme Mahlzeiten, mittags und abends, sind üblich – bis vor Kurzem sogar mit mehreren Gängen. Im historischen Zentrum haben die Touristen die Sitten gelockert, sodass Sie nach einem üppigen primo mit einem Salat gut davonkommen. Die meisten Römer kürzen heute auch beim dolce, der süßen Nachspeise, ab und belassen es bei einem schwarzen caffè, zu Deutsch Espresso.

Gegessen wird mittags zwischen 13 und 15 Uhr, abends öffnen die Restaurants gegen 19.30 Uhr. Dann gibt es noch Platz. Möchten Sie später essen, empfiehlt es sich zu reservieren. Sind Sie jedoch im Januar oder August in Rom, nützt auch keine Reservierung, denn viele Restaurants sind geschlossen.

Beim Trinken lieben es die Italiener traditionell. Bei Tisch nehmen sie meist einen leichten, offenen Wein (vino sfuso/vino di casa), der gut und billig ist – und trocken, das versteht sich von selbst. Ein DOC- oder DOCG-Zeichen auf dem Flaschenetikett garantiert Region und Lage. Gern werden Weißweine aus den nahen Castelli Romani, z. B. Frascati, getrunken. Beliebt sind auch der frische Orvieto, Vernaccia di S. Gimignano und der trockene Verdicchio.

Es gibt übrigens in Italien kein Pendant zur deutschen Kneipe. Jeder Restaurantbesitzer wird Sie komisch angucken, wenn Sie nur ein kleines Bier bestellen, kein Essen. Auch in einer Pizzeria wird erwartet, dass Sie zumindest eine Kleinigkeit für den Gaumen bestellen. Falls Sie Weinliebhaber sind, gehen Sie als Alternative in eine vinoteca, Weinbar.

Zum Schluss wird bezahlt – für Italiener ein Ritual: Der Kellner bringt die Rechnung (il conto) – 15 Prozent Service meist inbegriffen – und gibt bis auf den Cent genau das Wechselgeld zurück. Wenn Sie zufrieden waren, lassen Sie bis zu fünf Prozent auf dem Zahlteller liegen. Leider haben Service und Freundlichkeit besonders in den Touristenzonen in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Verlangen Sie übrigens stets eine offizielle Rechnung (ricevuta fiscale), da Finanzbeamte manchmal kontrollieren.

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Bella Roma hat die Auslandsjournalistin schon als Kind fasziniert. Nach einigen Jahren als „Spiegel“-Redakteurin zog sie für sieben Jahre nach Rom. Als freie Autorin schreibt sie u .a. für „Die Zeit“, „Merian“ und den „Stern“ über Politik, Kultur und den römischen Alltag: die bar, wo der Espresso am besten zischt, die Marktfrau, bei der sie ihr Gemüse kauft, aber auch über neue Museen, Restaurants und Clubs.

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Quelle: www.marcopolo.de