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Reiseführer Österreich:Auftakt

Entdecken Sie Österreich!

Österreich ist eine riesige Kulturschatzkiste und ein grünes Naturjuwel gleichermaßen. Das macht den Urlaub hier extrem abwechslungsreich, denn große Kultur und berückende Natur liegen oft dicht beieinander - das barocke Stift im Alpen-Nationalpark, das prähistorische Salzbergwerk am idyllischen See, die mittelalterliche Burg im dichtesten Wald. Die Mentalität der Bewohner trägt dazu bei, dass man das alles in Ruhe genießen kann, denn der gemütliche Schlendrian der Österreicher, die sich nur äußerst ungern hetzen lassen, ist höchst ansteckend.

In diesem Sinne ein wertvoller Tipp für Ihren gelungenen Aufenthalt: Nehmen Sie es mit der Pünktlichkeit nicht allzu genau, auf eine Viertelstunde hin oder her kommt es den guten Leuten hier nicht an. Schonen Sie lieber Ihre Nerven, und genießen Sie die positiven Seiten dieser nahezu südlichen Lebenslust, anstatt sich über Verspätungen aufzuregen. Beschweren sollten Sie sich auch nicht über das manchmal wankelmütige Wetter, Sie erhalten zwangsläufig zur Antwort, dass es ohne Regen bei Weitem nicht so üppig grün wäre. Es ist ja gerade auch die wunderbare Natur, die Gäste so bezaubert. Das kleine Österreich, dessen Fläche mit 84000 km2 ein wenig größer als die Bayerns ist, liegt mit über 24 Mio. ausländischen Besuchern im Jahr an elfter Stelle im weltweiten Tourismusranking. Das Land, das mit 8,5 Mio. nur ca. ein Zehntel der Einwohner Deutschlands hat, ist ein Land der kleinen Strukturen. Außer Wien (1,8 Mio.) haben nur Graz, Linz, Innsbruck und Salzburg mehr als 100000 Einwohner - rund 30 Prozent der Österreicher wohnen in einer dieser Städte. Alles andere sind Dörfer, Märkte und Kleinstädte im klassischen Sinn.

Mit der Bundeshauptstadt Wien sind es neun Bundesländer, deren Bevölkerung mehr oder weniger von einem gewissen Lokalpatriotismus geprägt ist. Besonders stark ist das Selbstverständnis in Tirol, was in einem geflügelten Wort gipfelt: "Bisch a Tiroler, bisch a Mensch" (Bist du ein Tiroler, bist du ein Mensch). Auf der anderen Seite des Arlbergs, der hier eine Grenze durch den deutschen Sprachraum schneidet, richtet sich der Blick in Vorarlberg gen Westen. Kein Wunder: Außerhalb des Landes wird der hiesige Dialekt nur in der Schweiz verstanden. Bei einer Volksabstimmung 1919 hatte die überwältigende Mehrheit der Vorarlberger gar für einen Beitritt zur Eidgenossenschaft votiert, doch dazu kam es nicht. Andersrum war es mit dem im pannonischen Kulturraum stehenden Burgenland, das sich 1921 für einen Verbleib bei Österreich anstelle von Ungarn entschied. Es sind auch geographische Welten, die diese beiden kleinsten Bundesländer auf doch nur 800 km trennen.

Im südlichsten Bundesland Kärnten ist man davon überzeugt, dass es sich hier sonniger und fröhlicher lebt als im Rest von Österreich - der jedoch so manchen populistischen Kärntner Landespolitiker mit Besorgnis betrachtet. Salzburg wiederum hat eine starke klerikale Tradition, hatte es doch über viele Jahrhunderte (bis 1803) Regenten, die kirchliche und weltliche Macht in sich vereinten. Die städtischen Salzburger sind sowieso der Meinung, nichts in Österreich könne sich mit der feinen Salzburger Lebensart messen.

Die Wiener lässt das freilich kalt. Alles außerhalb der Stadtgrenze gilt als Provinz, wer sich mit seinem Dialekt in der Hauptstadt als vom Land kommend outet, wird despektierlich als "gschert" (grob, ungehobelt) bezeichnet. Umgekehrt darf man sich mit einem Wiener Autokennzeichen auf dem Land keinerlei Fauxpas leisten, wie etwa gestresste Fahrweise oder etwas zu lautes Rufen nach dem Kellner: Schnell ist man als "großkopferter Weana" (überheblicher Wiener) abgestempelt. Allerdings meint man das selten allzu ernst, im Normalfall kommt man bestens miteinander aus.

Ebenso freundlich, wie man untereinander umgeht, heißt man auch die Gäste willkommen. Der Tourismus generiert der Alpenrepublik jährlich eine direkte Wertschöpfung von ca. 5 Prozent des Bruttoinslandsprodukts. Umgelegt auf seine Einwohnerzahl lebt kein Land auf dieser Erde besser von seinen Gästen. Abseits davon ist Österreich auch in anderen Bereichen Weltspitze, etwa bei der Quantencomputer-Forschung oder bei der Entwicklung neuer Energie-Technologien. In Summe steht das kleine Land wirtschaftlich jedenfalls auf guten Füßen, stets unter den EU-Top-Ten.

Obwohl die EU-Skepsis mittlerweile groß ist, hat das Land viel vom EU-Beitritt (1995) und der anschließenden Osterweiterung profitiert. Einerseits ist Österreich, und hier speziell die Ostregion mit Wien, wieder vom entfernten Rand in den Mittelpunkt Europas gerückt. Wien ist die Drehscheibe für die neuen Märkte in Zentral- und Südosteuropa inklusive Russland und ehemalige GUS und damit wieder zur Weltmetropole erstarkt. Andererseits flossen reichlich Fördergelder in die bis dato strukturschwachen Regionen, vornehmlich am einstigen Eisernen Vorhang, die zum Teil Erstaunliches hervorgebracht haben. Etwa die energieau-tarke Region Güssing im Südburgenland oder eine Neublüte der Moorheilbäder im oberösterreichischen Norden. Da gibt es abseits der spektakulär gebirgigen Landschaften einiges zu entdecken.

Erfreulicherweise hat die Infrastruktur in den letzten Jahren eine massive Aufwertung erfahren - sehr zur Freude der Gäste, die hier zu anständigen Preisen genau das bekommen, was sie sich wünschen: Rundum-Verwöhnung oder rustikale Hüttenwoche, Après-Ski-Party oder einsame Bergtour. Das hat natürlich auch seine Schattenseiten: Massentourismus ist an manchen Plätzen, vor allem im westlichen Teil des Landes, wo Tourismus traditionellerweise eine größere Rolle spielt, Realität. Die vielen Besucher belasten den Alpenraum auch ökologisch, daher wird von den Verantwortlichen viel getan, die Natur zu schützen, was Umweltschützern indes meistens zu wenig ist. Doch immerhin verweist das kleine Land auf sechs international anerkannte Nationalparks und sieben Biosphärenreservate nebst zahlreichen regionalen Naturparks und lokalen Naturschutzgebieten.

Wer an Österreich denkt, hat oft das Bild eines Gipfels vor dem inneren Auge. Doch es gibt auch abseits der Alpen herrliche Gegenden. Beispielsweise die pannonischen Weiten am Neusiedler See, die skandinavisch anmutenden Wälder im Waldviertel oder den wildromantischen Donaudurchbruch in der Wachau; ganz zu schweigen von der Kulturstadt Wien. Doch natürlich sind es die Gebirge, die das Land krönen. Für das zögerliche Anfreunden des Flachländers mit den Bergen sind die Angebote ebenso vorhanden wie für Millionen von begeisterten Wanderern, Bergsteigern, Wintersportlern und Extremalpinisten. Den fehlenden Meeresstrand macht Österreich durch seine schönen Seenlandschaften im Salzkammergut und in Kärnten wett. Wasser spielt auch in seiner heilkräftigen Form eine Rolle, etwa entlang der Thermenlinie ganz im Osten. Neben Bergen und Seen und überhaupt Tausenden Naturschönheiten ist es die Kultur, die begeistert. Gott sei Dank ist das in Österreich keine Frage der Wahl: Wer möchte, kann am Vormittag die hochkarätige Ausstellung im ultramodernen Kulturpalast bestaunen, am Nachmittag fest in die Pedale des Mountainbikes treten und am Abend auf mittelalterlichen Mauern seinen Cocktail einnehmen.

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Aufgewachsen in Wien und Niederösterreich, zog es die Autorin zunächst in die Fremde, die sie als langjährige Reisejournalistin ausgiebig erkundete. Dabei stellte sie jedoch nach und nach fest, wie schön doch ihre eigene Heimat ist, der sie sich nun seit einigen Jahren widmet. Sie kennt die versteckten Winkel des Landes und weiß auch bestens darüber Bescheid, was man als Reisender an Informationen braucht.

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Quelle: www.marcopolo.de

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