bedeckt München 19°

Reiseführer Niederlande:Freizeit & Sport

Der Boom der Skates hält an, und eine Radtour ist Pflicht. Aber auch Segler, Surfer und Kanuten finden ideale Bedingungen

MARCO POLO Autorin Elsbeth Gugger

Eislaufen

Holländer sind begeisterte Eisschnellläufer. Sobald im Winter das Eis auf den Flüssen und Kanälen dick genug ist, ziehen sie in großen Scharen ihre Schlittschuhe an. Das absolut größte Spektakel ist die elfstedentocht, eine Tagestour über 200 km durch elf Städte der Provinz Friesland. Diese kann allerdings nur stattfinden, wenn das Eis die 16000 Eisläufer auch wirklich trägt. Im 20. Jh. war das gerade 15-mal der Fall, zuletzt im Januar 1997. Aber jedes Jahr werden die sogenannten klassiekers abgehalten, kürzere Touren auf zugefrorenen Seen und Kanälen wie etwa die Holland Venetië Tocht in Giethoorn oder die Ronde van Loosdrecht auf dem gleichnamigen Gewässer. Ist das Eis nicht dick genug, helfen die Mitglieder der Stiftung Natureis mit technischen Hilfsmitteln nach. Infos zu Eisdicke und Tourdaten finden Sie auf schaatsen.nl.

Inlineskaten

Skaten kann man in den Niederlanden fast ebenso gut wie Rad fahren. Radwege dürfen auch mit Rollerblades benutzt werden - sofern man die Bremstechnik voll und ganz beherrscht! In praktisch allen Landesteilen trifft man sich einmal in der Woche zu einer gemeinsamen Tour. Die wohl berühmteste ist der Friday Night Skate in Amsterdam (Treffpunkt beim Filmmuseum im Vondelpark um 20 Uhr | www.fridaynightskate. com), wo jeweils Tausende in einer langen, bunten Schleife durch die ganze Stadt fahren. Bei den meisten VVV-Büros bekommen Sie detaillierte Skateinfos mit Tourenvorschlägen. Fast überall gibt es inzwischen Sprungrampen und vielerorts - etwa in Eindhoven - Skateparks.

Eine tolle, rund 25 km lange Tour führt von der friesischen Provinzhauptstadt Leeuwarden an breiten Kanälen entlang bis nach Sneek, einer der elf Städte der berühmten elfstedentocht. Die Tour beginnt beim VVV-Büro vor dem Bahnhof von Leeuwarden. Sie folgen dem Stationsweg rechts und überqueren nach ein paar Hundert Metern den Bahnübergang. Dann fahren Sie weiter auf der Schrans, einer Einkaufsstraße, in Richtung Goutum. Der Bodenbelag ist auf diesem Anfangsstück keine reine Freude; erst bei der Verlengdeschrans wird das Klinkerpflaster etwas gleichmäßiger. Am Ende dieser Straße folgt eine leichte Steigung über den Van-Harinxma-Kanal bis zu den Verkehrsampeln. Hier biegen Sie links ab, sodass Sie zum Boxsymerdyk gelangen. Fahren Sie auf diesem Deich weiter in Richtung Wijtgaard. Hier rollen Sie schon bald über wunderbaren Asphalt, sodass Ihnen höchstens der Gegenwind zu schaffen machen könnte.

Über das etwa 10 km von Leeuwarden entfernte Wijtgaard geht es weiter in Richtung Reduzum. Bei der riesigen Windturbine biegen Sie rechts ab und folgen den Wegweisern nach Sneek. Gleich hinter der Kurve finden Sie an der rechten Böschung einen Picknickplatz mit Tisch und Bänken, wo Sie sich ein bisschen ausruhen können. Dann geht es ziemlich rasant bergab durch eine Unterführung, von wo Sie auf den Snitserdyk gelangen. Bei der Abzweigung in Raerd haben Sie die Möglichkeit, einen Bogen über das Dorf Easterwierrum entlang der Zwette Trekvaart zu fahren oder den Zielort direkt anzusteuern. Kurz vor Sneek folgen Sie dann dem ausgeschilderten Weg entlang dem Oosterdijk ins Zentrum. Ab diesem Punkt hört der glatte Asphaltbelag auf.

Klootschiessen

Boßeln oder klootschieten ist ein frühmittelalterliches Spiel bei dem es gilt, mit einem Ball (kloot) einen Parcours zu durchlaufen. Der erste Werfer nimmt Anlauf und wirft den kleinen Ball so weit er kann. Von dort, wo er landet, wirft ihn der nächste Werfer und so weiter bis zum Ende der Strecke. Die Partei, die am wenigsten Würfe braucht, hat gewonnen. Heute wird diese Sportart vor allem noch im Achterhoek nahe der deutschen Grenze gepflegt.

Pulsstockspringen

Fierljeppen nennt sich ein uralter, typisch friesischer Sport. Es ist eine Art Gelände-Stabweitsprung, bei dem die Teilnehmer mit Hilfe eines langen Stocks über einen Wassergraben springen - oder reinfallen. Im Gegensatz zur klassischen Version gilt es hier, so rasch und hoch wie möglich am Stab hinaufzuklettern, sobald dieser fest im Boden steckt. Wettbewerbe gibt es schon seit dem 17. Jh. Noch heute ziehen diese Veranstaltungen im Sommer Tausende von Schaulustigen an. Der aktuelle Rekord liegt übrigens bei 21,51 m.

Radfahren

Das Fahrrad ist das wichtigste Transportmittel in den Niederlanden. Besonders in den Städten, wo man vor lauter Autos nicht mehr durchkommt, ist das fiets nicht wegzudenken. Die Räderflut macht vielen Stadtbehörden aber auch Kopfzerbrechen, weil es an geeigneten Abstellplätzen mangelt und die Benutzer ihr Gefährt einfach irgendwo abstellen. In Amsterdam wurde das Problem rund um den Hauptbahnhof mit einem fietsflat, einem Fahrradparkhaus, und schwimmenden Pontons gelöst.

Die meisten Holländer besitzen meist einen alten Drahtesel und ein Rennvelo, denn Radfahren ist neben Fußball der wichtigste Sport in den Niederlanden. Viele Dörfer und Städte veranstalten vor den Sommerferien die sogenannte Fiets-4-daagse (www.fiets-4daagse.nl), eine abendliche Fahrradtour an vier aufeinanderfolgenden Tagen, an der man gratis teilnehmen kann.

Auch für Touristen ist ein Fahrradausflug in diesem topfebenen Land natürlich ein ganz besonderes Vergnügen. Möglich macht dies ein vorbildliches Netz von Radwegen (fietspaden), das über fast 20000 km kreuz und quer durchs Land führt. Leihräder finden Sie meist für weniger als 10 Euro pro Tag in fast jeder Ortschaft, in den Städten meist am Bahnhof.

Schwimmen

Dank der stark verbesserten Wasserqualität wird in den Niederlanden - abgesehen von der Nordsee - immer öfter in offenen Gewässern, in Seen und Flüssen geschwommen. An bestimmten Ufern an den großen Flüssen im Süden oder rund um die Provinz Flevoland gibt es inzwischen ansprechende Badestrände. Aber Achtung: Dort geschieht das Schwimmen auf eigenes Risiko, es gibt keine Aufsicht. Auf der Website www.zwemwater.nl werden geeignete Plätze aufgelistet.

Wandern

Der Wandersport hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Entsprechend wurden Hunderte neuer Wege durchs ganze Land neu und liebevoll ausgeschildert. Die altehrwürdigen Wegepilze, die Sockel mit dem weißen Hut, auf denen einzig Zielrichtung und Kilometeranzahl zu lesen waren, sind fast gänzlich verschwunden. An ihrer Stelle zieren nun großzügige Schilder mit vielen Infos zu Flora und Fauna in der Umgebung die Spazierwege. Routenkarten liegen meist gratis in den Touristenbüros aus. Noch größer ist die Auswahl im Internet (www.wandelpad.nl, www.wandel route.info). Aber auch der ANWB (www.anwb.nl/wandelroutes), die niederländische Version des ADAC, oder die Eisenbahngesellschaft (www.tweevoets.nl) bieten Spaziergänge in Hülle und Fülle an. Die extremste Form ist das Wattwandern auf die Inseln Schiermonnikoog und Ameland. Allerdings sind diese harten Touren nur für Geübte im Rahmen einer Führung möglich (www.wadgids.nl).

Wassersport

Natürlich ist das Land auch prädestiniert für den Wassersport. Rund ums IJsselmeer, in Friesland, entlang der Nordseeküste in Zeeland oder auf den zahlreichen meeren (Seen) können Sie Kanus, Ruderboote, Surfbretter, Segel- und Motorboote ausleihen. Die Preise variieren je nach Gegend. Eine Jolle auf den Loodsdrechterplassen bei Utrecht kostet keine 100 Euro pro Tag. www.watersport.nl, www.zeilgenieters.nl

Weiter zu Kapitel 15

Elsbeth Gugger ist in Bern geboren und lebt seit 1992 in Amsterdam. Als Niederlande-Korrespondentin für Schweizer Medien reist sie kreuz und quer durchs Land, besucht Ausstellungen oder berichtet über die Prozesse an den internationalen Gerichten in Den Haag. Sie wohnt im östlichen Hafengebiet, einem nautischen Hotspot mit alten Lagerschuppen, die in Wohnungen umfunktioniert wurden.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

Zur SZ-Startseite