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Reiseführer Lausitz - Spreewald:Stichworte

Sorben und Umgebindehäuser - das kleinste slawische Volk und eine seltene Baukunst gehören zu den Besonderheiten der Lausitz

Biosphärenreservate

Der Spreewald wurde mit einer Fläche von 47,6 km2 zum Biosphärenreservat erklärt, um die Kulturlandschaft als Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Die schon heute intensive Belastung durch den Tourismus soll landschaftsschonend gesteuert werden. Das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, das einzige im Freistaat Sachsen, erstreckt sich mit einer Größe von 26,4 km2 südlich von Hoyerswerda in östlicher Richtung. In diesem Gebiet existiert die bedeutendste Fischotterkolonie Deutschlands. Weltweit gibt es etwa 500 solcher zum Forschungsprogramm der Unesco "Der Mensch und die Biosphäre" gehörenden Schutzgebiete. In ihnen wird eine von Menschen geprägte Kulturlandschaft geschützt und gepflegt, im Gegensatz zu den Nationalparks, in denen sich die Natur nach ihren Gesetzen entwickeln darf.

Braunkohle

Seit Mitte des 19. Jhs. wird in der Lausitz Braunkohle in großen Mengen abgebaut. Sie war der Motor der industriellen Entwicklung dieser Region. Braunkohle ist reich an bituminösen Bestandteilen und verbrennt deshalb mit stark rußender Flamme und unangenehmem Geruch. In der DDR diente die Braunkohle vor allem der Elektrizitäts- und Gaserzeugung; aus ihr wurden auch Benzin und Paraffine und zahlreiche Rohstoffe für die chemische Industrie gewonnen. Der Abbau erfolgt in Tagebauen; in der Lausitz wurde er seit den 1960er-Jahren intensiviert. Nicht im gleichen Maße entwickelte man die technischen Einrichtungen zur Reinhaltung der Luft, was zu starken Belastungen der Umwelt führte. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands haben sich im Bedarf und Einsatz von Braunkohle und ihren Veredelungsprodukten bedeutende Veränderungen ergeben; der Abbau ging stark zurück. Gegenwärtig sind nur noch fünf der einst 17 Lausitzer Tagebaue in Betrieb. Durch den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie dürfte die Braunkohle für die Energiegewinnung vorübergehend wieder an Bedeutung gewinnen. So will beispielsweise Vattenfall in dem wieder eröffneten Tagebau Reichwalde bei Boxberg bis zum Jahr 2015 rund 360 Mio. Tonnen Braunkohle fördern.

Euro-Speedway Lausitz

Das Fürstentum Monaco würde zweimal in das Areal des Lausitzrings passen, wie die Rennstrecke im Volksmund heißt. 120000 Zuschauerplätze sind vorhanden. Wenn Herbert Grönemeyer und andere Stars zu Openair-Konzerten anreisen, drängen sich die Besucher. Zu Rennveranstaltungen sieht es dagegen mager aus, denn das angestrebte Ziel, Formel-1-Rennen auszutragen, löste sich in Luft auf. Im August 2000 wurde die mit rund 125 Mio. Euro Fördergeldern subventionierte Anlage eröffnet, seitdem fährt sie nur Verluste ein.

Fauna

Hirsche, Rehe und Wildschweine kommen in der gesamten Lausitz vor, auch der Steinmarder und neuerdings der Wolf. Typischer Vogel der Niederlausitz ist der Weißstorch. Im Spreewald kann er nahezu in jedem Dorf beobachtet werden. Der scheue Schwarzstorch und der Kranich fühlen sich in dieser Region ebenso wohl wie Eisvogel und Fischotter. Im Bergland kann man das Klopfen des Schwarz- und des Buntspechts hören. Wanderfalke und Uhu zählen zu den seltenen Vögeln, dagegen kann man den Mäusebussard über den Felsen des Zittauer Gebirges noch oft beobachten.

Flora

Den einst für den Spreewald typischen Erlen-Eschen-Wald gibt es nur noch im Innern des Oberspreewalds und im Unterspreewald. Bei Lübbenau, Lübben und Schlepzig blüht die aus Südeuropa stammende Sommerknotenblume, von den Spreewäldern als großes Schneeglöckchen bezeichnet. Es ist das einzige Vorkommen dieser Art im Osten Deutschlands. Im Bergland der Oberlausitz herrschen Fichten- und Kiefernforste vor, ausgedehnte Bergmischwälder mit Buchen, Bergulmen, Eschen und Bergahorn haben sich auf der Lausche, dem Hochwald und dem Jonsberg erhalten. In der Kiefernheide im Norden der Oberlausitz können Heidel- und Preiselbeeren geerntet werden.

Fürst Pückler

Der 1785 in Muskau geborene und 1871 in Branitz bei Cottbus verstorbene Gartenarchitekt Hermann Fürst von Pückler-Muskau dürfte die schillerndste Persönlichkeit der Region sein. So fuhr er in einer von vier weißen Hirschen gezogenen Kutsche in Berlin die Straße Unter den Linden entlang. Als er finanziell am Ende war, ließ sich seine Frau, genannt "Schnucke", pro forma von ihm scheiden und schickte ihn nach England mit dem Auftrag, sich dort eine Millionärin zu angeln. So genial wie als Lebemann war der umtriebige Fürst auch als Gartengestalter. Seine Parks, in der Lausitz, die von Branitz und Bad Muskau, gehören zu den großartigsten Landschaftsgestaltungen.

Kretscham

Viele Gaststätten tragen den Namen Kretscham, in der Oberlausitzer Mundart "Kratschn" ausgesprochen. Das Wort stammt aus dem Slawischen und bedeutet Dorfschenke oder Gasthaus. Der Kretschmar (Wirt) und der Pfarrer waren in früheren Jahrhunderten die wohlhabendsten Männer im Dorf. Sie erhielten vom Adel zwei Hufen Land (etwa 66 ha) und besaßen oft noch das Bierbraurecht. Gerichtskretscham heißen jene Gaststätten, in denen sich nach dem Urteil des Dorfrichters die Streitenden trafen: Der Gewinner begoss den Sieg, der Unterlegene spülte den Kummer hinunter.

Postmeilensäulen

1721 bestimmte August der Starke (1694-1733), Kurfürst von Sachsen und König von Polen, dass auf den "Land- und Poststraßen steinerne Säulen aufgerichtet" werden sollten. Er ließ die Landstraßen von Adam Friedrich Zürner vermessen und Postmeilensäulen als Richtungs- und Entfernungsweiser aufstellen. Eine Postmeile hatte in Kursachsen die heutige Länge von 9,062 km. 1873 wurden Kilometersteine eingeführt, und die Postmeilensäulen verloren ihre Bedeutung. Die meisten der ca. tausend Säulen wurden abgebaut oder vernichtet. Einige von ihnen wurden in jüngster Zeit restauriert oder rekonstruiert, so in Lübbenau, Lübben, Löbau und Hoyerswerda.

Sagengestalten

Gegenstand sorbischer Literatur und Malerei ist vielfach Krabat, der als Zauberer den Armen half und die Reichen narrte. So soll er als Küchenjunge Augusts des Starken den Hofleuten Nudeln in Regenwürmer und Brathähnchen zu Fröschen verwandelt haben. Krabat hat der Legende nach karge Böden fruchtbar gemacht und Sümpfe trockengelegt. Historisches Vorbild für die Figur soll ein kroatischer Reiterobrist im Dienst Augusts des Starken sein. Die Oberlausitz hat im Pumphut (auch Pumpot) eine ihrer Sagengestalten. Der Müllerbursche mit dem hohen, breitkrempigen Zauberhut gilt als Till Eulenspiegel dieser Landschaft.

Sorben/Wenden

Die Sorben, Nachfahren slawischer Stämme, die im 10. und 11. Jh. unter deutsche Herrschaft gelangten, gelten heute als das kleinste slawische Volk. Sorbe ist die wissenschaftlich exakte Bezeichnung, Wende eine von den Deutschen und ihren Behörden benutzte Bezeichnung für alle slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder. In seiner Sprache bezeichnet sich dieses Volk selbst als Serby (Niedersorbisch) oder Serbja (Obersorbisch). Die Bezeichnung Wende geht vermutlich auf die römischen Geschichtsschreiber Plinius und Tacitus zurück, die von Venedi und Venethi berichteten. Die sorbische Sprache gehört zur Familie der slawischen Sprachen. Das Niedersorbische (um Cottbus) steht dem Polnischen nahe, das Obersorbische (um Bautzen, Hoyerswerda) dem Tschechischen. Was im Niedersorbischen gora (Berg), carny (schwarz), zgto (Hemd) und swajźba (Hochzeit) heißt, lautet im Obersorbischen hora, čorny, košla, kwas. In sorbischer Sprache erscheinen Zeitungen, Zeitschriften und Bücher, auch sorbische Rundfunksendungen werden ausgestrahlt. In Bautzen gibt es ein Sorbisches Nationalensemble und ein Deutsch-Sorbisches Theater. Sorbisch ist Unterrichtssprache an Schulen oder fakultatives Unterrichtsfach. Weitere Infos: www.sorben-wenden.de

Spendermillion

Seit 1995 gehen jedes Jahr im Februar auf einem Konto bei der Niederschlesischen Sparkasse anonym 511500 Euro ein. Der Vermerk: "Altstadtstiftung Görlitz". Bis zur Euro-Einführung war es jeweils eine Mio. Mark, und deshalb spricht man in Görlitz weiterhin von der "Altstadtmillion". Am Anfang eines jeden Jahres wartet ganz Görlitz gespannt, ob der noble Spender, der unerkannt bleiben möchte, wieder überweisen wird. Lange bevor die Spende eingeht, liegen dem Stiftungskuratorium bereits die Anträge für die Altstadtmillion vor. Die Neugier auf den Wohltäter ist groß, man wollte ihn deshalb schon über den Bankweg ausspähen. Aus Angst, den Spender zu verärgern, hat man das dann unterlassen. Dem anonymen Gönner von Görlitz zu Ehren wurden an rund 100 sanierten Gebäuden Plaketten angebracht.

Spreewaldgurken

Im Frühjahr leuchten die gelb blühenden Gurkenpflanzen auf fast 700 Hektar, Ende Mai beginnt die Ernte. Bis zum September tragen rund 3500 saisonale Erntehelfer etwa 40000 Tonnen Gurken von den Feldern. Zum Pflücken der Einleggurken, das sind rund drei Viertel der Ernte, rücken die Helfer aller drei Tage auf jedes Feld, etwa 25 Mal in der Saison. Gurkeneinlegereien haben im Spreewald eine mehr als 100-jährige Tradition. In Lübbenau werden Gurken unterschiedlichster Geschmacksrichtung auf der Gurkenmeile am Großen Spreewaldhafen in Lübbenau angeboten, jährlich am 1. Juliwochenende wird zum Lübbenauer Gurkenmarkt geladen.

Umgebindehaus

Für die Oberlausitz typische Hausbauweise auf dem Land. Der im Blockbau errichteten Wohnstube aus Holz ist ein Balkengefüge wie eine Blendarkade vorgelegt, die das Obergeschoss trägt. "Umgebinde" nannten Wissenschaftler Ende des 19. Jhs. zum ersten Mal diese Hausbauweise. Das Umgebinde steht meistens auf einem 15-40 cm hohen Steinsockel, der Wirtschaftsteil des Hauses ist oft aus Lehmfachwerk konstruiert. Obergeschoss und Giebel sind häufig mit Schiefer verkleidet, der guten Wetterschutz bietet. Besonders viele Umgebindehäuser gibt es in Obercunnersdorf, Großschönau, Dittelsdorf. Weitere Informationen: www.leben-im-umgebinde.de

Via Sacra

Die Via Sacra, die "Heilige Straße, verbindet 16 sakrale Bauwerke und Kunstschätze in der Oberlausitz, in Niederschlesien (Polen) und Nordböhmen (Tschechien). Die mit EU-Geld entstandene Touristenroute lässt Legenden, Ereignisse und Persönlichkeiten lebendig werden, die für das jahrhundertelange Miteinander von Deutschen, Sorben, Polen und Tschechien in dieser Region beiderseits der Neiße stehen. Sie möchte, dass die Menschen an diesen kulturhistorisch bedeutenden Orten "zu Ruhe, Gelassenheit und innerer Einkehr finden". In der Lausitz gehören u. a. das Kloster Marienstern in Panschwitz-Kuckau, der Petridom in Bautzen, das Heilige Grab in Görlitz sowie die Dorfkirche in Cunewalde dazu.

Wölfe

Irgendwie hört es sich doch unheimlich an, wenn in der Erlichthofsiedlung in Rietschen unerwartet aus einem Erdloch unbekannte Laute kommen. Es ist das Heulen junger Wölfe. Doch keine Angst, es ertönt vom Band, denn in der Lausitz begegnet man nur selten einem Wolf. Möglich ist das aber durchaus! 1904 wurde bei Hoyerswerda der angeblich letzte in Deutschland in freier Wildbahn lebende Wolf geschossen, 96 Jahre später kamen in der Lausitz erstmals wieder Wolfswelpen auf die Welt. Die Wölfe waren vermutlich 1999 aus Polen zugewandert. Gegenwärtig leben in der Region sechs Wolfsrudel sowie zwei welpenlose Paare. Die scheuen Tiere, die sowohl in Polen als auch in Deutschland unter Naturschutz stehen, bemerken Menschen frühzeitig und suchen rasch das Weite. Landwirte sind jedoch nicht unbedingt Wolfsfreunde, da die Raubtiere logischerweise nicht zwischen Wild- und Nutztieren unterscheiden. Werden Schafe und Ziegen gerissen, wird den Landwirten der materielle Schaden ersetzt. Nähere Informationen zu den Lausitzer Wölfen vermittelt die Ausstellung in einem Schrotholzhaus in der Rietschener Erlichthofsiedlung (www.erlichthofsiedlung.de).

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Die Lausitz kennen die Reisejournalisten Kerstin Sucher und Bernd Wurlitzer (www.tourismus-journalisten.de) seit ihrer Kindheit. Immer wieder zieht es sie hierher. Beim Bummel durch die mittelalterlichen Städte und in der einzigartigen Spreewaldnatur vergessen sie mitunter, dass sie nicht zum Vergnügen, sondern zum Arbeiten hergekommen sind.

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Quelle: www.marcopolo.de