Der deutsche Red-Bull-Pilot sichert sich mit einem Sieg beim Saison-Abschluss den zweiten Platz in der WM-Wertung - und verspricht fürs nächste Jahr eine Steigerung.
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Schöne Kulisse, schöner Erfolg: Sebastian Vettel beendete mit einem Sieg in Abu Dhabi die Saison. Foto: dpa
Tatsächlich, die Wüste bebt, wenn die Formel 1 in den Sand gesetzt wird. Auf die 50.000 Premierengäste beim Großen Preis von Abu Dhabi auf der modernsten Rennstrecke der Welt trifft das nicht zu. Viel Protz und ein wenig Trotz. Immerhin setzt sich der Heppenheimer Sebastian Vettel zum Saisonschluss noch einmal an die Spitze, sichert sich den zweiten Platz in der Weltmeisterschaft und unterstreicht mit seinem fünften Grand-Prix-Sieg vor dem Red-Bull-Kollegen Mark Webber und Champion Jenson Button im Brawn-Mercedes seine Ambitionen: "Es war ein Vergnügen", krähte er ins Bordmikrofon.
"Ich bin überglücklich, das war phantastisch", bilanzierte Vettel den Schlusspunkt der Saison, "mein Auto war ein Traum heute. Jede Runde bin ich besser in den Rhythmus gekommen. Besser kann man das Jahr nicht abschließen."Nick Heidfeld als zweitbester Deutscher des Rennens ist am Ende Fünfter, Nico Rosberg Neunter und Adrian Sutil trudelt als Schlusslicht auf Rang 18 ins Ziel. In der Gesamtwertung ist Rosberg als Neunter (34,5 Punkte), Heidfeld als Dreizehnter (19) und Sutil auf Platz 17 mit fünf Punkten notiert. Der verletzte Timo Glock belegt Rang zehn (24).
WM-Spitzenreiter Jenson Button bringt es auf 95 Punkte, Sebastian Vettel auf 84, der in Abu Dhabi viertplatzierte Rubens Barrichello als Dritter auf 77 Zähler. Red Bull-Teamchef Christian Horner verspricht schon mal: "Wir kommen 2010 noch stärker zurück. Sebastian ist mit Sicherheit ein kommender Weltmeister." Vettel hat seinem Chef schon versprochen: "Wir machen dort weiter, wo wir jetzt aufgehört haben."
Eine halbe Stunde lang darf sich die Welt ausgiebig satt sehen an den architektonischen Glanzstücken auf Yas Marina Island, denn die Kulisse ist allemal interessanter als das Finale einer entschiedenen Weltmeisterschaft. Der 17. WM-Lauf ist eine Art Schaulaufen im Sinne der Verkehrssicherheit. Aber ein Drittel optischer Inselrundfahrt reicht auch. Als die im Golf versunkene Sonne durch 400Flutlichtmasten ersetzt wird, fallen die Schatten deutlicher auf die 5554 Meter Rennasphalt samt aufgemalten Grünstreifen. Wie gut, dass sich Sebastian Vettel vor dem Finale überlegt hatte, dass sich der imaginäre Vize-Titel in der Vita doch ganz gut macht: "Ziel Nummer eins ist Zweiter in der WM zu werden."
Im ersten Rennabschnitt hält sich der Hesse tapfer hinter Lewis Hamilton, dessen Qualifikations-Überlegenheit eine Solo-Fahrt vermuten ließ. Vettel hat für zwei Runden mehr Benzin an Bord als Hamilton in seinem McLaren-Mercedes. Das ist die Siegchance. Begleitet wird Vettels erster Boxenstopp von einem Kuriosum: Der Spanier Jaime Alguersuari aus dem Red-Bull-Ableger ToroRosso verwechselt die Garagen und fährt auf Vettels Stellplatz vor.
Auch auf der Piste muckt der Nachwuchs auf. Timo-Glock-Ersatz Kamui Kobayashi bremst im Beschleunigungs-Duell des Tages Jenson Button aus, was den Briten - mit Champion-Bemalung auf dem Helm - an sein Meisterstück in São Paulo erinnert, als der Japaner ihn rundenlang düpierte. Der Toyota-Pilot wird am Ende seines zweiten Rennens mit drei Punkten für Rang sechs belohnt. Button fährt lieber auf Nummer sicher, was auch für seinen Vorgänger im Amt gilt: Lewis Hamilton wird nach 21. der 55 Runden an die Box gewunken, die rechte Hinterradbremse ist defekt, ein Weiterfahren zu gefährlich. Der erste technisch bedingte Ausfall in seiner Formel-1-Karriere.
Showrennen in Peking
Damit ist Vettel, der seinen Teamkollegen Mark Webber im Schlepptau hat, durch - er kann sich schon mal ans Vorausfahren gewöhnen und hat bis zu 17 Sekunden Vorsprung. McLaren-Mercedes bleibt trotzdem Dritter in der Konstrukteurs-WM, weil die beiden Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen (12.) und Giancarlo Fisichella (16.) vor den Augen der arabischen Firmenfinanziers und Michael Schumachers einmal mehr einen desolaten Grand Prix hinlegen.
Die beiden großen Überraschungs-Rennställe der Saison, Red Bull und Brawn, machen in umgekehrter Reihenfolge diese Grand-Prix-Premiere unter sich aus - und entkräften damit das Vorurteil, zufällige Gewinner zu sein. Die abwechslungsreichste Runde ist die letzte, als Jenson Button mehrmals mit Mark Webber gleichauf zieht, aber im Prestigeduell um Platz zwei dann doch nicht vorbeikommt.
Falls es dem Weltmeister je danach sein sollte, die Saison doch noch mit einem Sieg zu beenden (einem Gefühl, das ihm vor fünf Monaten abhanden gekommen ist), dann kann er in dieser Woche beim "Race of Champions" im Pekinger Olympiastadion versuchen, Revanche zu nehmen. Vielleicht sind die Show-Rennen interessanter als die Architektur des Vogelnests.
(SZ vom 02.11.2009)
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