Botanik:Wie der Baobab Afrika erobert hat

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Urahnen in der Dämmerung: Baobabs in Madagaskar (Foto: Baz Ratner/REUTERS)

Endlich bewiesen: Alle Affenbrotbäume stammen aus Madagaskar, und ohne Lemuren und Fledermäuse wären sie nicht weit gekommen.

Von Christian Weber

Sie sehen aus, als hätte die Natur sie aus einem Bilderbuch kopiert. Relative dünne, weitverzweigte Äste bilden die Krone, die an ein Wurzelsystem erinnert. Dieses sitzt auf einem kurzen Stamm, der bis zu sieben Meter dick werden kann. Der Affenbrotbaum, auch Baobab genannt, ist wohl der bekannteste, emblematische Baum des tropischen Afrikas. Einer afrikanischen Legende zufolge hat der Teufel die Bäume aus dem Boden gerissen und dann wieder mit den Wurzeln nach oben in die Erde gesteckt. Jetzt endlich haben Wissenschaftler seine tatsächliche Herkunft entschlüsselt. Wie ein großes Forscherteam um Jun-Nan Wan vom Sino-Afria Joint Research Center im Chinesischen Wuhan im Fachjournal Nature berichtet, lassen sich alle acht Baobab-Arten auf eine Herkunft in Madagaskar zurückführen.

Genetische und ökologische Analysen hätten demnach gezeigt, dass die wundersamen Bäume nicht, wie bislang häufig vermutet, sich auf dem afrikanischen Festland entwickelt haben. Die Vorläufer des Baobab seien vielmehr bereits vor 21 Millionen Jahren auf Madagaskar entstanden. Die viertgrößte Insel der Welt zeigt aufgrund ihrer isolierten Lage rund 400 Kilometer vor der Ostküste Afrikas auch sonst eine sehr eigenständige Flora und Fauna mit zahlreichen endemischen Arten.

Vor ungefähr zwölf Millionen Jahren setzten die Samen auf das afrikanische Festland über

Die frühen Baobabs profitierten demnach unter anderem von den besonderen Bestäubern auf der Insel. Unter anderem hätten Lemuren, fruchtfressende Fledermäuse und weitere größere Tiere die Samen des Baumes weitergetragen. Vor zwölf Millionen Jahren dann seien die Samen zweier Arten über damalige Meeresströmungen bis zum afrikanischen Festland und nach Australien getragen worden. Sechs Arten aber finden sich bis heute nur auf der Insel. "Was wir heute an Baobabs auf Madagaskar sehen, wurde stark beeinflusst von der Artenkonkurrenz und der geologischen Geschichte auf der Insel, insbesondere den Wechseln in der Höhe des Meeresspiegels", wird Erstautor Jun-Nan Wan in einer Pressemitteilung zitiert.

Die Migration des Baumes gelang wahrscheinlich in Zeiten, als der Meeresspiegel niedriger lag. Zugleich vermuten die Forscher, dass steigende Meeresspiegel, bedingt durch den Klimawandel, die weitere Verbreitung der Art beeinträchtigen könnten. Bereits jetzt seien die Populationen durch Artensterben etwa von Fruchtfledermäusen und bestimmten Nachtfaltern beeinträchtigt. Manche Forscher schlagen haben daher der Artenschutzorganisation IUCN bereits vorgeschlagen, den Baobab in die höchste Gefährdungskategorie einzustufen.

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In Afrika spielt der Affenbrotbaum immer noch eine große Rolle für Tiere und Menschen: Elefanten und auch Menschen zapfen den Wasservorrat der Stämme an, in der Krone und den Höhlen in den Stämmen nisten viele Vogelarten, die Früchte und Samen dienen als Nahrung und finden in der Volksmedizin Verwendung. Aus Rinde und Fasern werden unter anderem Kleidung, Dachbedeckungen und Matten, Seile und Schnüre gefertigt. Hingegen lässt sich sein Holz kaum als Baumaterial verwenden, es ist zu leicht und verrottet schnell.

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