Hauptversammlung:Wie die Deutsche Bank kritische Aktionäre raushält

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Deutsche Bank Zentrale in Frankfurt am Main. (Foto: Arne Dedert/dpa)

Das Unternehmen hält sein Aktionärstreffen auch dieses Jahr nur online ab. Die Anteilseigner mussten ihre Fragen sogar vorab einreichen. Dafür gibt es heftige Kritik.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Während immer mehr Unternehmen im Dax bei ihren Hauptversammlungen (HV) zu einer Präsenz-Veranstaltung zurückkehren, hält ausgerechnet die eigentlich kapitalmarktaffine Deutsche Bank eisern an dem rein virtuellen Format fest. Auf der Hauptversammlung am Donnerstag ernteten der Vorstand um Christian Sewing und der Aufsichtsrat um Alexander Wynaendts dafür erneut heftige Kritik von zahlreichen Anteilseignern.

"Ein Erfolgsmodell sieht anders aus", sagte Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Die Fondsgesellschaft Union Investment - mit 0,6 Prozent Anteil einer der 25 größten Aktionäre der Bank - verweigerte Vorstand und Aufsichtsrat deshalb sogar komplett die Entlastung. "Mittlerweile ist die Deutsche Bank die wohl einzige Aktiengesellschaft im Dax und M-Dax, die Aktionäre dazu zwingt, ihre Fragen vorab einzureichen", sagte Fondsmanagerin Alexandra Annecke in ihrer Videobotschaft auf der HV. Die Einschränkung des Fragerechts erschwere eine inhaltliche Debatte.

Möglich gemacht hatte dies ein Gesetz, das Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) 2022 durchs Parlament gebracht hatte. Es erlaubt es Unternehmen, die Distanz-HV aus der Corona-Zeit zum Dauerzustand zu machen. Davon machen die Firmenchefs und Aufsichtsräte rege Gebrauch: Inzwischen halten etwa zwei Drittel der 40 Dax-Unternehmen ihre Hauptversammlung digital ab. Mit Continental, Fresenius und der Münchener Rück sind dieses Jahr aber immerhin auch drei Unternehmen zur Präsenz-HV zurückgekehrt, wofür die Firmen Lob von Aktionären ernteten, die zumeist ein hybrides Format vorziehen.

Sollte es der Deutschen Bank indes in Wahrheit darum gehen, mit ihrer Hauptversammlung besonders wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, so scheint ihr das zunehmend zu gelingen. Zwar betonte die Bank, das digitale Format erlaube vor allem internationalen Anlegern teilzunehmen, schließlich gehöre die Deutsche Bank mehrheitlich Ausländern. Es sei außerdem gelungen, Zeitzonen- und Sprachbarrieren zu überwinden und so größtmögliche Transparenz zu bieten.

Es waren mal 3000 Aktionäre, jetzt hören nur noch 300 zu

Allerdings ist das Interesse von Aktionären mit dem virtuellen Format regelrecht eingebrochen. In den vergangenen Jahren strömten noch jeweils deutlich mehr als 3000 Aktionäre zu den sorgsam orchestrierten Veranstaltungen in die Frankfurter Messehalle, eine Art Hochamt der Aktionärskultur. An diesem Donnerstag jedoch wählten sich Angaben der Bank zufolge in der Spitze nur noch knapp 300 Anteilseigner über das Aktionärsportal ein, davon nur ein paar aus dem Ausland. Rund viertausend Menschen verfolgten die Veranstaltung zudem über den Livestream, hieß es. Im Vorjahr hatten sich noch 920 Anteilseigner eingeschaltet, davon 23 aus dem Ausland. Von ihnen nutzen nur zwei Aktionäre aus je Malta und Österreich auch ihr Fragerecht.

Inhaltlich lobten einige Aktionäre zwar den zuletzt deutlich gestiegenen Aktienkurs, kritisierten aber das IT-Chaos bei der Postbank und die jüngste juristische Klatsche zur Postbank-Übernahme. In einem seit Jahren laufenden Rechtsstreit mit ehemaligen Postbank-Aktionären hatte das Oberlandesgericht Köln kürzlich angedeutet, dass es zugunsten der Kläger entscheiden könnte. Daraufhin musste die Bank enorme 1,3 Milliarden Euro zurückstellen, womit viele Aktionäre nicht gerechnet hatten.

"Wie konnte es zu solch einer Fehleinschätzung von Ihrer Seite kommen, Herr Sewing?", fragte Andreas Thomae, Fondsmanager der Deka. Konzernchef Sewing betonte, man sei nach wie vor der Meinung, dass die eigene Rechtsposition richtig sei. Rechtsvorstand Stefan Simon sagte, man hätte auf Basis der rechtlichen Einschätzung nicht früher eine Rückstellung bilden dürfen. Der Bundesgerichtshof hatte den Fall indes im Dezember 2022 an das Kölner Gericht zurückverwiesen und dabei bereits teils die Position der Kläger gestärkt. Die Deutsche Bank habe nun erneut Gespräche mit den Klägern aufgenommen, hieß es.

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