Reisetipps New York

Auftakt New York Was für eine Stadt!

Die Skyline sehen Sie schon von weitem, wenn Sie sich Manhattan vom Flughafen aus nähern. In den Straßenschluchten angekommen, fühlen Sie sich wie an einem Filmset - und seltsam vertraut mit New York City. Das Lebensgefühl, die Aufbruchstimmung und die kreative Energie dieser Stadt nehmen Ihnen fast den Atem. Hier rasen die gelben Taxis den Unachtsamen fast über die Füße. Hier bleibt nichts lange, wie es war, bei jedem Besuch warten neue Entdeckungen. Hier ist jeder anders, es gibt keinen typischen New Yorker. New York ist der Inbegriff von Tempo und Entertainment, Shoppen und Sightseeing. Kommen Sie schnell!

New York, das ist die Hauptstadt des amerikanischen Traums. Wer diese riesige, quirlige, nervenkitzelnde Stadt und ihren Einfluss auf den Rest der Welt begreifen will, muss selbst hinfahren und dort aufwachen - in dem ewigen Rumoren und Gehupe, Sirenengeheul und Gekreische. Das New-York-Gefühl muss man erleben. Hautnah.

Ein Gefühl, das die Stadt lange mit einem Mantel der Unerschütterlichkeit umhüllte. Bis zu dem Tag, an dem selbstmörderische Terroristen zwei Passagierflugzeuge entführten und sie in die Zwillingstürme des World Trade Center steuerten. 2749 Menschen starben am 11. September 2001 in den Trümmern. Nine/eleven sagen die Amerikaner - vier Silben, die im Englischen ein fester Begriff für Entsetzen, Trauer und Wut geworden sind. Es entstand eine ungekannte Verunsicherung in der Stadt - und eine ungeheure Stärke.

Und so ist die vibrierende Betriebsamkeit zurückgekehrt. New York ist, ganz unverhohlen, die Hauptstadt des Kommerzes - hektisch, laut, herausfordernd, groß und mächtig. So mächtig, dass, wenn Wall Street niest, die Börsen in Tokio, Frankfurt und London einen Schnupfen bekommen. Die Metropole ist nach wie vor die Welthauptstadt des Entertainments: Jeden Abend gibt es Filmpremieren und Musicalshows, Ballettaufführungen, Theatergalas, Opern der Extraklasse und den frischen Wind der vom Zeitgeist durchwehten Clubs. Das Publikum ist vielschichtig und bunt, begeisterungsfähig, kompetent und vor allem kritisch. Wer es hier schafft, schafft es überall.

Im Trubel der Nacht wirkt Manhattan, als sei es eine große Party. Ein Eindruck, der am Tag beginnt. In den U-Bahnen spielen Musiker, die gute Chancen haben, die Stars von morgen zu werden. Skater verwandeln Plätze in die Arena sportlicher Stunts. Stand-up Comedians können einem an jeder Straßenecke begegnen. „Das Theater findet auf den Straßen, vor den Bühnen statt, Filme laufen ohne Eintrittsgeld, es riecht nach Mensch auf Schritt und Tritt“, beschrieb der Schriftsteller Ludwig Fels seine New-York-Eindrücke.

Als Medienzentrum der USA vergrößert die Stadt alles, was sie an kulturellem Output produziert. Hier sind die wichtigsten Fernsehsender, die großen Nachrichtenmagazine und die Tageszeitung, die als die beste der Welt gilt, die New York Times. Alle bedeutenden Buchverlage sind in der Stadt ansässig und operieren ebenso wie Plattenfirmen und Musikverlage von hier aus mit dem Weltmarkt im Blick. Die Stadt zieht kreative Menschen an wie keine andere. Schauspieler, Maler, Schriftsteller, Designer genauso wie Softwareentwickler. In der Silicon Alley, wie die Internetpioniere die Stadt als Parodie auf das kalifornische Hightechzentrum Silicon Valley nannten, ist es ruhig geworden. Doch kaum reden Skeptiker von Flaute, startet die Stadt längst anderswo zum Höhenflug: Der Kunstmarkt boomt und New York führt Regie. Seit Jahrhunderten bezieht die Stadt aus dem ständigen Wechsel von Boom und Pleiten einen großen Teil ihrer Energie.

Rund 8 Mio. Einwohner leben heute in der einstmals größten Stadt der Welt, die im Lauf der Geschichte längst von anderen Megacitys überflügelt wurde. 24 Mio. Einwohner hat die Metropolitan Area insgesamt, die die angrenzenden Gebiete wie Long Island, Westchester County, New Jersey und Connecticut einschließt. Viele arbeiten im Zentrum - in Manhattan. Dazu kommen die über 40 Mio. Touristen (2006), die auf den Straßen im Sog des hohen Fußgängertempos förmlich mitgerissen werden. Die Stadt ignoriert Besucher so gut es geht. Gemütliche Flaneure sind im Raster der Straßenblöcke nicht vorgesehen. Es gibt nur wenige Ruhezonen wie den Platz inmitten des Rockefeller Centers, die Treppe der St. Patrick's Cathedral an der Fifth Avenue oder die des Metropolitan Museums.

Das Tempo ist der Grund, weshalb New York selten ein Ort geschichtsträchtiger Politik war. Vor dem 11. September 2001 fand das letzte historisch bedeutende Ereignis im April 1776 statt, als Staatsgründer George Washington im Unabhängigkeitskrieg gegen die britischen Kolonialherren sein Hauptquartier an den Hudson verlegte. New York wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum UNO-Hauptsitz. Die amerikanische Politik hatte die Stadt nach 9/11 eine Zeit lang immer im Blick, und die UN-Zentrale stand in der Debatte um den Golfkrieg im Mittelpunkt des Weltinteresses. Dennoch sieht es so aus, als würde New York seine Bedeutung auch weiterhin nicht aus der Politik ziehen.

New York ist mehr als jede andere amerikanische Metropole eine Fußgängerstadt. Die Straßen sind übersichtlich gerastert und nummeriert. Viele Sehenswürdigkeiten liegen nahe beieinander. Man findet sich schnell zurecht. Musste man noch vor wenigen Jahren befürchten, unvermittelt in einer düsteren Ecke zu landen, wenn man sich treiben ließ, so ist das Risiko heute nicht höher als in einer deutschen Großstadt. Aufmerksamkeit schadet dennoch nicht.

New York ist die Stadt der großen Gegensätze. Die Winter sind trocken und frostkalt, die Sommer mehr als 30 Grad heiß und sehr, sehr schwül. Das ausgedehnte Grün des Central Parks trifft auf das wuchtige, unendliche Grau von Beton. Kirchen, die anderswo alles überragen, werden hier von den Wolkenkratzern förmlich umzingelt.

In diesem Milieu fächert sich zwischen Klein und Groß, Arm und Reich, Alt und Neu eine unglaubliche Vielfalt. Jede Rasse und jede Nation ist in New York vertreten. Viele haben ihrer Heimat aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen den Rücken gekehrt. Angetrieben von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, haben sie ein Stück Heimat mitgebracht. So leben viele globale Traditionen in New York weiter.

Die Mixtur der Menschen verändert sich permanent. Im 19. Jh. beeinflussten Einwanderer aus Irland, Deutschland, Österreich und Russland das englisch geprägte Bild und assimilierten sich. Anfang des 20. Jhs. kamen Italiener und Polen hinzu. Während der Zeit des Nationalsozialismus' wurde New York rettender Hafen für verfolgte Juden aus ganz Europa. Wie in einem Schmelztiegel formte sich daraus eine vielschichtige Einheit. Die Mischung ist so speziell, dass man nirgendwo sonst in den USA Vergleichbares findet. Deshalb empfinden sich die New Yorker als etwas Besonderes, kulturell wach, wirtschaftlich auf der Höhe, neugierig, tolerant und manchmal arrogant.

Genau genommen gelten diese Feststellungen vor allem für die weißen New Yorker, die diese Stadt dominieren, obwohl sie inzwischen keine 50 Prozent der Bevölkerung mehr ausmachen. Mit den Einwanderungswellen der letzten Jahrzehnte sind Millionen von Mittel- und Südamerikanern hergezogen, hunderttausende von Chinesen, Koreanern und Vietnamesen; dazu viele Afroamerikaner aus den Südstaaten.

Der Zuzug war so groß, dass die Stadt ihren wirkungsvollsten Mechanismus fast verloren hat: das Verschmelzen, Vermischen und Integrieren vieler Verschiedenartigkeiten. Das verändert ihren Charakter, was David Dinkins, der erste schwarze Bürgermeister New Yorks, 1989 so beschrieb: „New York ist kein Schmelztiegel mehr. Es ist ein Mosaik, in dem alle Teile gleich viel wert sind.“

Doch das Mosaik hat Risse. Manche zeigen sich bereits, wenn man die fünf Stadtteile, die boroughs, betrachtet. Alle könnten für sich genommen ganze Städte sein - wie dies bis 1898 auch der Fall war, als Greater New York durch den Zusammenschluss von Manhattan, Brooklyn, Queens, Staten Island und der Bronx entstand. Besucher spüren davon nur wenig. Denn für sie ist Manhattan - zwischen Freiheitsstatue und Harlem - das eigentliche Ziel. Hier schlägt das Herz der Metropole. Es treibt alle voran, die hier leben, und Gäste zieht es in seinen Bann.