Reisetipps England

Stichworte England

Afternoon Tea

„A nice cup of tea“ ist für die Briten immer noch das Allheilmittel. Ob am Morgen, am Mittag, Nachmittag oder Abend, im Stress, beim Wahlkampf oder Ehestreit. Historisch lässt sich die Vorliebe für Tee statt Kaffee allerdings nicht erklären. Die ersten Kaffeehäuser wurden 1652 eröffnet. Hier schenkte man aber auch Tee aus. Bereits um 1750 war Tee jedoch eindeutig das Hauptgetränk aller Briten. Afternoon Tea, von der Herzogin von Bedford 1780 erfunden, um die lange Pause zwischen Mittag- und Abendessen zu überbrücken, bedeutet hauchdünne, rindenlose Butterbrote mit dünnen Gurkenscheiben belegt, crumpets (Teekuchen), scones (eine Art Kuchenbrötchen) mit Marmelade, buns (Korinthenbrötchen) und dicke Sahne (clotted cream). Und natürlich eine Tasse Tee.

Baustile

Romanische Architektur wird in England meist Norman genannt. Die Gotik wird u.a. in Early English und den späten Perpendicular-Stil unterteilt. Manche Baustile und Epochen bezeichnenden Namen leiten sich aus den Regierungszeiten der jeweiligen Könige her. So werden beispielsweise Fachwerkbauten aus dem 16. Jh. als Tudor bezeichnet, entsprechend der gleichnamigen Dynastie, die zu dieser Zeit regierte. Jacobean nennt man Bauwerke aus der Regierungszeit von James I. (1603-1625). Viele Häuser aus dem 19. Jh. sind Victorian, gebaut in der Herrschaftszeit von Queen Victoria.

Bed & Breakfast

Es gibt keine bessere Möglichkeit, die Engländer kennenzulernen, als ein Bed & Breakfast (B & B) zu mieten. In den Frühstückspensionen, die eher kleinen Hotels ähneln, werden Sie gut beraten. Sie erfahren, wo die besten Wanderrouten sind, wo der Pub ist, den die Einheimischen bevorzugen, und auch etwas über das Leben der Leute. Erfahrungsgemäß ist die Qualität vieler B & B höher als die von Mittelklassehotels, wenn Stilmöbel auf dem Zimmer und ein liebevoll zubereitetes Frühstück angeboten werden.

England in Zahlen

Das Land ist 130395 km² groß und hat die höchste Bevölkerungsdichte in Großbritannien: Pro Quadratkilometer leben hier 380 Menschen. 2005 überstieg die Bevölkerung Englands erstmals die 50-Millionen-Marke. Großbritannien insgesamt hat eine Bevölkerung von ca. 60 Mio.

Die längsten Flüsse sind der Severn und die Themse (je 350 km). Im Lake District befinden sich der höchste Berg, der Scafell Pike (978 m), und der größte See, der Windermere (18 km lang).

Die Wirtschaft hat sich verändert. Statt Stahl und Kohle dominieren moderne Industriezweige (Elektronik-, Computer-, Pharmaindustrie). Über 75 % der berufstätigen Bevölkerung sind im Dienstleistungssektor beschäftigt, unter 20 % in der Industrie. Die Finanzbranche wächst kräftig, vor allem in London.

Englisch oder britisch?

Die Schotten wissen es: Sie haben zwar die britische Staatsangehörigkeit, fühlen sich aber als Schotten, denn seit 1707 besteht Großbritannien aus England, Schottland und Wales. Bei den Engländern wollen manche eine Identitätskrise ausgemacht haben, denn die meisten unterscheiden nicht, ob sie englisch oder britisch sind. Sie sind patriotische Briten, aber das spezifisch Englische ist schwer festzustellen. Die Begriffsverwirrung kommt Immigranten aus Asien und der Karibik zugute. Viele verstehen sich nicht als Engländer, können aber mit britisch etwas anfangen. Schotten und Waliser haben Teilautonomie und eigene Parlamente - eine Ungleichheit, denn das Parlament in Westminster repräsentiert alle Briten, nicht nur Engländer. Der Gedanke, für England oder englische Regionen zusätzliche Parlamente ins Leben zu rufen, fand aber bisher wenig Unterstützung.

Exzentriker

Nirgendwo gibt es so viele Exzentriker wie unter den Engländern. Die englische Lyrikerin Edith Sitwell (1887-1964) gilt als die bekannteste. Sie veröffentlichte neben Avantgardepoesie auch Biografien über englische Exzentriker. Die Frage, warum es so viele Käuze ausgerechnet auf der Insel gibt, ist möglicherweise auf die ausgeprägte Klassenstruktur zurückzuführen. Man kann zwar reich werden, verändert damit aber nicht seine Klassenzugehörigkeit. Einen Weg, sich zu unterscheiden, bietet deshalb die Exzentrik. Dazu kommt sicherlich, dass die Engländer ihre Exzentriker sehr liebevoll behandeln. Sie sind keine schwarzen Schafe, sondern werden allgemein bewundert und verehrt.

Hecken

Das Erscheinungsbild der englischen Landschaft wird seit Jahrhunderten von rund 320000 km Hecken bestimmt. So machen „Hecken“ aus Stein aus den Nationalparks im Norden eine wahre Patchworkdecke. Im Süden des Landes bekommt man auf den heckenumsäumten Landstraßen den Eindruck, durch einen grünen Tunnel zu fahren. Viele der Hecken stammen noch aus der Zeit der normannischen Eroberung. Damals wurde auch deren Höhe festgelegt: Sie beträgt genau die Höhe einer Mannesschulter, sodass ein Reiter die Hecke überspringen konnte. Die Bauern sind heute nicht besonders glücklich über diese Tradition, da sie extensive Feldwirtschaft praktisch unmöglich macht. Die Zahl der hedgerows geht deshalb trotz finanzieller Unterstützung seitens der Regierung jedes Jahr zurück.

Heinrich VIII.

Der englische König (1491-1547) regierte erbarmungslos 38 Jahre lang. Doch galt er als beliebt und mit sechs Ehefrauen als Weiberheld. In Europa nannte man ihn den „Englischen Nero“, sein erster Biograf bezeichnete ihn als den „gefährlichsten und brutalsten Mann der Welt“. Heinrich verfügte die Trennung von der katholischen Kirche und veranlasste die Schließung von Hunderten Klöstern. Diese von Geldgier motivierte Maßnahme führte zu immensen Verlusten von Kunstschätzen. Auf seinen Befehl hin sollen 70000 Menschen umgebracht worden sein, darunter zwei seiner Frauen.

Imperiale Maße

Maße, Gewichte und Längeneinheiten waren das Einzige, was bis vor kurzem noch an die große Vergangenheit Englands erinnerte. Sie wurden lange entschlossen gegen die europäische Gleichmacherei verteidigt. Doch Unzen und Yards sind mittlerweile weitgehend verschwunden, und auch das Benzin wird auf der Insel inzwischen nicht mehr in Gallonen, sondern wie auf dem Kontinent in Litern gezapft. Nur die Meile und das Pint, für Milch und Bier als Maß benutzt, konnten die Engländer erfolgreich ins neue Jahrtausend hinüberretten.

Kanalurlaub

Vor 200 Jahren entstand ein Netz von Wasserwegen in fast allen Landesteilen. Schon im Eisenbahnzeitalter begann der langsame Verfall der Kanäle, doch in den letzten Jahren wurden sie restauriert und für Fortbewegung in gemütlichem Tempo entdeckt. Viele schlängeln sich durch liebliche Landschaft. Die hübsch bemalten narrow-boats kann man ohne Bootsführerschein mieten, denn bei höchstens 8 km/h darf jeder sein eigener Kapitän sein.

National Trust

Der 1895 gegründete Trust besitzt überall in England Schlösser, Burgen, Häuser, sogar ganze Küsten. Die gemeinnützige Stiftung mit über 3 Mio. Mitgliedern ist der größte private Grundbesitzer des Königreiches. Die Besonderheit: Die ehemaligen Besitzer leben oftmals noch auf den Anwesen. Der Grund für diese ungewohnte Nähe ist ein Gesetz aus den 1930er-Jahren. Damals beschloss das Parlament eine drastische Erhöhung der Erbschaftssteuer, wodurch es den adligen Familien sehr schwer gemacht wurde, ihre Güter zu unterhalten. Es gab für viele nur eine Möglichkeit, weiterhin in ihrem Familienanwesen zu leben: Sie schenkten ihre Häuser dem National Trust, der im Gegenzug Unterhalt und Steuern übernahm. www.nationaltrust.org.uk

Pub

Der Pub ist neben der Monarchie die wohl bekannteste britische Institution. Der sonst eher reservierte Engländer kommt ins Schwärmen, wenn er von seinem Pub erzählt. In den Städten findet man noch Pubs mit herrlicher Inneneinrichtung aus dem 19. Jh., aber oft sind es die ländlichen Gaststätten mit Reetdach und niedrigen Balken, mit Kaminfeuer im Winter und einem schönen Biergarten im Sommer, die zu einem langen Aufenthalt verführen. Die Qualität der Küche in englischen Kneipen hat sich übrigens spürbar verbessert.

Seit Ende 2005 ist eine überfällige Neuigkeit zu vermelden: Mit Einschränkungen der Öffnungszeiten, die noch während des Ersten Weltkriegs zur Steigerung der Produktivität eingeführt wurden, ist es endlich vorbei. Jeder Pub darf eine Lizenz für den Ausschank nach der alten Sperrzeit um 23 Uhr beantragen. Seitdem ist es in den meisten Orten möglich, bis Mitternacht zu trinken. Längst ist die Pflicht, am Nachmittag von 15 bis 17.30 Uhr zu schließen, entfallen, haben die meisten Kneipen nachmittags geöffnet. Auch für bessere Luft wurde gesorgt, denn seit Sommer 2007 gilt ein Rauchverbot in Pubs und Restaurants.

Wetter

„Wenn sich zwei Engländer treffen, reden sie als Erstes über das Wetter“, stellte schon vor über 200 Jahren der Schriftsteller Samuel Johnson fest. Die Unbeständigkeit des Wetters auf der Insel bietet den Engländern Gesprächsstoff, der unverfänglich ist und dennoch einen ersten menschlichen Kontakt herstellt. Das Wetter wird aber auch allzu gern als Vorwand für alle möglichen Unzulänglichkeiten benutzt. So kommen die Züge zu spät, weil das Laub im Herbst, Schnee im Winter oder Regen im Frühling gefallen ist. Während das Wetter sich aufgrund der Insellage ständig verändern kann, ist das Klima eher beständig angenehm. Es ist selten richtig heiß, es wird aber auch nicht richtig kalt. Und es regnet nicht einmal so viel wie allgemein angenommen. Zwar tröpfelt es immer mal wieder, aber die Gesamtniederschlagsmenge z.B. im Raum London ist geringer als die in Mailand.