Von Annika Stähle

Der neueste Trend bei den Promis: VIP-Schnuller. Und da alle wollen, was Promis haben, gibt es die Supernuckler nun für jedermann. Man fragt sich jedoch: Warum braucht man das?

Kindermodels

Design-Klamotten für die kleinen Lieblinge gibt es schon lange - nun gibt es auch VIP-Nuckler. Foto: AFP

Stars gehören zu den beliebtesten Werbeträgern der Modeschöpfer. Sie werden schon seit jeher verwöhnt, beschenkt und hofiert. Man denke nur an den legendären Auftritt von Jennifer Lopez bei den Grammys 2000 - im grün-durchsichtigen Versace-Kleidchen.

Seit der Babyboom unter den amerikanischen Promis herrscht, werden auch ihre Sprößlinge mit kleinen Aufmerksamkeiten bedacht. Zu verlockend scheinen die kleinen Bälger für die werbetreibende Wirtschaft zu sein. Denn nichts ist so süß, wie ein Mini-VIP in einem putzigen Designer-Outfit.

Schnuller für die VIPs


Pia Callesen, eine Hausfrau aus Dänemark, machte sich den Babyboom ebenso zunutze, wie die großen Mode-Unternehmen. Seit vier Jahren kreiert sie Schnuller, indem sie Vor-, Mittel- oder Nachname des Trägers darin eingraviert. Als verkaufsfördernde Maßnahme verschenkte sie diese bei den Emmy-Awards 2006 als "Teil eines exklusiven und glamourösen VIP-Geschenkpakets". So erhielt jeder Star seinen ganz persönlichen Namensschnuller für den very important Nachwuchs.

Ein großer Erfolg sei daraus geworden, der sich mittlerweile zum Trend gemausert habe. Mehr als 40.000 Nuckler verkauft sie. Pro Monat. "In Deutschland ist die Nachfrage so groß, dass wir uns entschieden haben, eine Website speziell für die deutschen Kunden einzurichten", sagt Callesen. Die schnuckeligen Schnuller gibt es unter www.namensschnuller.de.

Mal kurz überlegen: Wozu brauchen wir denn bitteschön einen Namensschnuller? Um im Krankenhaus auf das unstylische Namensband verzichten zu können? Um später den Sprößling unter all den anderen herumwuselnden Kindern identifizieren zu können? Kann ja mal passieren, dass man die verwechselt. Oder um den Bekannten eine Gedächtnisstütze zu liefern, falls sie sich Namen wie Lourdes, Zahara und Shiloh Nouvel nicht merken können? Auch das soll vorkommen.

Alles Unsinn, sagt Pia Callesen. "Durch diese Erfindung bekommt das Kind einen schönen und persönlichen Qualitätsschnuller, der leicht zu erkennen ist." Der Wunder-Schnuller solle dem Kind sogar dabei helfen, seinen eigenen Namen schneller zu lernen. Wie das bei einem im Mund steckenden Nuckler funktionieren soll, sagt sie nicht.

Hauptsächlich gehe es allerdings um hygienische und damit gesundheitliche Aspekte. Callesen erlebe oft, “dass mein Sohn bei der Tagesmutter seinen Schnuller verliert, und ein anderer Schnuller mit den dazugehörigen Bakterien in seinem Mund landet." Dem will sie mit ihren gekennzeichneten Schnullern Abhilfe schaffen. Keine Verwirrung mehr in der Krabbelgruppe.

Unverzichtbar oder überflüssiger Kitsch?


Pfiffige Hausfrauen tauschen sich schon im Internet über die Namensschnuller aus: 10,50 Euro für drei Schnuller. Plus Versand – das sei einfach zu teuer. Das Design, meist nicht zu unterscheiden von anderen Produkten, sei viel zu langweilig. Vor allem aber könne der Schnuller doch einfacher, billiger und schneller gekennzeichnet werden. Mit Filzstiften erledige sich das Haftungsproblem, selbst wenn man den Schnuller in kochendem Wasser badet.

Bei künstlerisch weniger begabten Mamis und Papis leidet eventuell die Ästhetik, aber einmalig wäre dieser handbemalte Schnuller allemal. Und einmalig ist doch genau das, was Eltern für ihr Kind wollen. Ob nun VIP oder nicht.

(sueddeutsch.de, jüsc)