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Das Geld reicht für alle
Sozialstaat in der Krise
06.11.2009, 11:12
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- Das Geld reicht für alle
- Vom Abtrainieren des Arbeitswillens
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Das Geld reicht für alle - aber die Arbeit nicht. (Foto: dpa )
Früher hieß es: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Diese Haltung war grausam, und sie darf als überwunden gelten. Heute scheint die Losung zu lauten: Wer nicht arbeitet, dem sei wenigstens die Muße versalzen. Da diese aber das Einzige ist, was der Arbeitslose dem Arbeitenden voraus hat, ist die Grausamkeit kaum geringer. Der Empfänger staatlicher Leistungen erhält morgens Telefonanrufe seines Sachbearbeiters, der schon im Büro sitzt; und es wird ihm so schwer wie möglich gemacht, in Urlaub zu fahren. Auf den Ämtern dauert es stundenlang, bis er mit einem kurzen Gespräch dran ist; dann darf er noch mal kommen, weil ein Formular fehlt. Es wird ihm vor Augen geführt, dass, solange er Geld vom Staat bezieht, sein Leben kein Leben im Vollsinn des Worts ist, sondern nur jenen verminderten Grad des Daseins beanspruchen darf, den das Warten bedeutet.
| Finanzwelt extrem Kichern der Kapitalisten | ||||||||||||||
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Das ist grausam; einen bewussten Sadismus aber sollte man dem System nicht unterstellen. Sondern es benötigt diese Grausamkeit, die immerhin die permanente Degradierung von Millionen Einzelleben besorgt, um vor sich selbst und anderen zu verschleiern, wie es faktisch funktioniert. Denn unsere Gesellschaft ist weder eine Wissens-, noch eine Freizeit- oder Risikogesellschaft. Was alle diese Aspekte erst so miteinander verbindet, dass sich ein angemessenes Gesamtbild ergibt, ist der Begriff der Arbeitsgesellschaft.
Nur die Arbeit vermittelt den Menschen mit der Gesellschaft, nur wer arbeitet, hat an ihrem Leben wirklich teil. Und so wird beharrlich an der Illusion gewirkt, die finanzielle Stütze, die der nicht Arbeitende vom Staat erhält, sei nur eine vorübergehende Überbrückung, bis er wieder auf die Beine kommt und neuerlich mitmachen kann, eine Spezialregelung für katastrophale Sonderfälle. Das Fegefeuer ist kein Wellness-Wochenende, nährt aber den gnädigen Wahn, man sei noch nicht in der Hölle. Alle diese Umschulungen für verrentungsnahe Jahrgänge, ABM-Maßnahmen und was es sonst noch so gibt, dienen nicht nur der Schönung der Statistik, sondern verfolgen den tieferen Zweck, als transitorisch oder jedenfalls exzeptionell zu behaupten, was auf breiter Front irreparabel ist. Was auf den ersten Blick wie die reine Piesackerei anmutet, erweist sich als Akt der Fürsorge, als lindernder Balsam auf einer Wunde, die sich niemals mehr schließen wird.
Der Sozialstaat beruht auf der fundamentalen Tatsache, die gleichzeitig gründlich vertuscht wird, dass die Arbeit nicht für alle langt, das durch sie erzeugte Geld aber schon. Die Produktivitätsrate der Arbeit, heißt es, steige hierzulande jährlich um 0,6 Prozent. Um denselben Wert zu erzeugen, braucht man also jedes Jahr 0,6 Prozent weniger Zeit und damit Arbeitskraft. Jede frühere Epoche, die noch im Schweiße ihres Angesichtes ihr Brot aß, hätte das als Erfolg verbucht. Doch wie auch sonst so oft, ist es der Menschheit auch hier geglückt, aus einer Lösung ein Problem zu machen. Eigentlich könnten alle 20 Wochenstunden arbeiten, ohne dass die Gesellschaft Einbußen erlitte. Tatsächlich arbeiten einige 60 Stunden und andere null.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie das Geld umverteilt werden könnte.
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![]() 16.11.2009 18:09:39 Antonio Peri: Grundsätzlich richtig aber doch noch weit von HartzIV-Realität entfernt Grundsätzlich stimme ich dem Artikel völlig zu - das Geld reicht tatsächlich für alle und ein Bürgergeld, wie von Werner Götz beschrieben, ist mehr als überfällig. Das der Satz: "Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten - unseren Kindern keine solch gewaltigen Schulden hinterlassen", der jahrelang gepredigt wurde um die neoliberalen Agenda 2010-Reformen (Kürzungen/Enteignungen) durchzuführen niemals eine Legitimation hatte, sondern das ein Staatshaushalt sich eben nicht nach den gleichen Kriterien richtet, die ein Buchhalter in seinem kleinen Kosmos beachten muß und es dabei vor allem nicht darum geht (zumindest nicht in einem Staat der keine AUSLANDSSCHULDEN hat) wieviel Geld man tatsächlich hat, sondern er sich vor allem nach dem POLITISCHEN WILLEN richtet, zeigte die enorme Neuverschuldung samt Bad-Bank bei der Finanzkrise der Banken sehr eindrucksvoll. Da redete keiner mehr von astronomischen Schulden die man ja nicht machen könne weil man der nachfolgenden Generation das nicht mehr zumuten könne. Für die Banken kann man dieses Geld also aufbringen - für Menschen nicht. Ihre Behauptung ein Arbeitsloser bekäme im Durchschnitt 1000 Euro stimmt bei HartzIV (und um diese Gruppe geht es ja beim Spargelstechen) für einen Alleinstehenden jedenfalls nicht. In Westdeutschland ist der Betrag für den Lebensunterhalt zur Zeit 359 Euro. Miete wird meines Wissens bis etwas über 300 Euro gezahlt. Dazu kommt noch die Krankenversicherung die die Arbeitsagentur bezahlt - vielleicht 150 Euro. Macht bei mir 800 Euro - selbst wenn es etwas mehr sein sollten werden 1000 Euro nicht erreicht. Und wenn der Arbeitslose hinzuverdient wird das mit den Leistungen zum Großteil verreichnet. Selbst bei einer regulären, schlecht bezahlten, Tätigkeit bleiben vielen nach Abzug auch nicht mehr als bei einem 1 Euro-Zusatzjob der dann vielleicht max. 150 - 200 Euro bringt. Das ist nun wirklich kein Anreiz zum arbeiten. Aber zum arbeiten (wobei das ja - wie sich aus dem Artikel ergibt - ohnehin für einige sinnlos ist und gesamtgesallschaftlich unnötig da es keine Vollbeschäftigung mehr geben kann und wird) getrieben werden die Arbeitslosen ja auch nicht mit Verkockungen sondern mit Strafandrohung (kürzer der Leistung bis auf Null - also dem Hungertod - womit wir dann wieder beim Anfang wären denn den Spruch "Wer arbeitet soll auch nicht essen" scheint Herr Hartz jedenfalls auch verinnerlicht zu haben. Seine Reform funktioniert teilweise tatsächlich nach diesem Prinzip. ![]()
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