Schauspieler, Maler und Sänger verdienen kaum genug zum Leben - und sind dennoch nicht unzufrieden.
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"Sie saufen auf Samt, während unsereiner auf harten Bänken dünnes Bier schluckt." – Kurt Tucholskys Worte aus dem Briefwechsel mit seinem Verleger Rowohlt, der seiner sommerlichen Dreiecksgeschichte Schloß Gripsholm voransteht, bringen das Los des Künstlers, so scheint es, schön auf den Punkt: Auf harten Bänken dünnes Bier, mehr gibt’s in dieser Welt für den armen Dichter, Maler, Sänger oder Schauspieler nicht zu holen.
Jedenfalls nicht viel mehr. Die in der Künstlersozialkasse (KSK) versicherten selbstständigen Künstler meldeten für 2006 ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 10.814 Euro. Der Monatsverdienst eines selbstständigen Künstlers beträgt somit rund 900 Euro. Im vorigen Jahr waren es noch drei Prozent mehr.
Selbst wenn man berücksichtigt, dass diese Zahlen auf nicht überprüften Selbstauskünften beruhen und sich die Stars der Kunst anderswo versichern, bleiben Fragen: Wie lebt die Mehrheit der Künstler eigentlich mit so knappen Erträgen? Oder vielmehr: Warum tut sich jemand bei derartigen Einkommensaussichten so ein selbstständiges Künstlerleben überhaupt an?
Eine Studie der Universität Bonn zur sozialen Lage der Kunstschaffenden bringt nach langer Zeit etwas Klarheit. Für ihre Untersuchung, die jetzt unter dem Titel "Selbstständige Künstlerinnen und Künstler in Deutschland – zwischen brotloser Kunst und freiem Unternehmertum" vorliegt, befragten Caroline Dangel und Michael-Burkhard Piorkowsky vom Institut für Haushalts- und Konsumökonomik etwas mehr als 400 freie Künstler aus den vier Bereichen Musik, Literatur, Bildende Kunst und Darstellende Kunst. Eine überfällige Angelegenheit: Immerhin stammt die letzte große empirische Untersuchung der Situation der deutschen Künstler aus dem Jahr 1973.
Auffällig ist vor allem, dass die Einkommensverhältnisse je nach Sparte unterschiedlich ausfallen. Bei den durchschnittlichen monatlichen Haushalts-Nettoeinkommen liegen die Literaturschaffenden – zu ihnen zählen nicht nur Schriftsteller und Dichter, sondern auch Publizisten und Übersetzer – mit 2375 Euro an der Spitze. Es folgen die Musiker mit 1954 Euro, die darstellenden Künstler mit 1672 Euro und die bildenden mit 1587 Euro. Das "durchschnittliche monatliche Haushaltseinkommen" errechnet sich allerdings in der Regel aus mehreren Quellen und verteilt sich auf unterschiedlich viele Haushaltsmitglieder. Die selbstständigen Künstler tragen im Schnitt 42 Prozent zum Haushaltseinkommen bei.
Im Vergleich zu ähnlich gut ausgebildeten Selbstständigen in anderen Branchen – rund 65 Prozent der Künstler haben Hochschulabschlüsse – sind ihre Einkommen geringer. Gut die Hälfte aller Künstler sind daher auf Nebenjobs angewiesen. Grund zu übermäßigem Mitleid besteht allerdings nicht: Denn die große Mehrheit schätzt an der eigenen Lage die schöpferische Freiheit und die freie Verfügbarkeit über die Zeit. Die meisten Künstler wollen ihre Selbstständigkeit sogar weiter ausbauen.
Tucholsky übrigens ging es mit seiner Klage auch nur um eins: Prozente. In der Frage, für wie viele Bücher er kein Honorar bekommen sollte, war er schlicht mit Rowohlt uneinig. Der Verleger avisierte 15 Prozent der Auflage, Tucholsky schrieb: "Ich dichte erst ab zwölf Prozent!"

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