Die österreichischen Nachbarn machten es vor, jetzt protestieren auch die deutschen Studenten für besser Studienbedingungen. Neue Bildungsstreiks sind für nächste Woche geplant.
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Im Juni 2009 gingen Schüler und Studenten erstmals im Rahmen des Bildungsstreiks auf die Straße. Für kommende Woche sind neue Aktionen geplant. Foto: dpa
In Österreich nahmen sie ihren Anfang, jetzt greifen die Studentenprotste immer stärker auf Deutschland über. Eine Vereinigung verschiedener Schüler- und Studentengruppen bereitet an mehr als 100 Hochschulorten erneut Bildungsstreiks vor. Auftakt soll am 17. November ein bundesweiter Protesttag gegen die Verschulung der neuen Bachelor-Studiengänge und die in einigen Bundesländern erhobenen Studiengebühren sein, erklärten die Organisatoren in Berlin.
Gegen das "Turbo-Abitur"
Die Aktionen erfolgten in enger Abstimmung mit den aktuellen Protesten und Hochschulbesetzungen in Österreich, wie die Organisatoren erklärten. Die deutschen Schüler fordern von den Kultusministern die Abschaffung der Noten für Betragen und Lernverhalten, das Ende des "Turbo-Abiturs" nach zwölf Schuljahren, kleinere Klassen und mehr Mitspracherechte.
Gefordert würden auch ausreichend Plätze für Master-Abschlüsse und mehr Demokratie im Bildungsbereich, sagte Student Michael Dunker von der Universität Münster. Paula Rauch vom französischen Gymnasium in Berlin kritisierte das "Turbo-Abitur" nach nur zwölf Schuljahren: "Wir wollen fürs Leben lernen und nicht für die Wirtschaft." Robert Pospichal von der TU Wien sagte, in Österreich hätten sich die Streiks gegen das europäische Bildungssystems bereits zu einem "kleinen Flächenbrand" ausgeweitet. Nach Angaben der deutschen Organisatoren wurden in diesen Tagen auch in Potsdam, Münster, Heidelberg, Marburg, München, Paderborn, Darmstadt, Greifswald, Dresden und Tübingen einzelne Hörsäle besetzt.
40 Milliarden zusätzlich gefordert
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Verdi erklärten sich mit den Studenten solidarisch. Nach den Bildungsstreiks vom Juni sei die erforderliche "Kehrtwende in der Bildungspolitik" ausgeblieben, sagte der Vorsitzende der GEW, Ulrich Thöne.
Die GEW fordert 40 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich für den Bildungsbereich. Für Kinder müsse es bessere Krippen- und Kita-Plätze sowie Ganztagsschulen geben. Mindestens 370.000 Studienplätze zusätzlich müssten finanziert und der uneingeschränkte Übergang zwischen den Studienabschlüssen Bachelor und Master möglich werden.
700 Euro Bildungsgeld
Für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte Fachbereichsleiter Klaus Böhme, dass das Studium inzwischen zu sehr verschult und mit Inhalten überfrachtet sei. Auch herrsche ein enormer Prüfungsdruck. Böhme forderte im Bereich Bildung die absolute Gebührenfreiheit und eine ausreichende Studienförderung (Bafög). Verdi strebe rund 700 Euro Bildungsgeld im Monat an, sagte er.
Laut "Protestfahrplan" soll es am 17. November einen Hauptstreiktag geben. Für den 30. November bis 6. Dezember ist eine Aktionswoche geplant. Am 10. Dezember sollen dann die Kultusminister nach Ende ihrer Konferenz drei Stunden "nachsitzen", weil die Streikenden die Zufahrtsstraßen zum Konferenzort in Bonn blockieren wollen.
(sueddeutsche.de/AP/dpa/holz/joku)
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