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Gesundheitsrisiko Vitamine
Antioxidantien
28.02.2007, 08:52
Vitamine sind gesund. Oder? (Foto: iStock)
Viel hilft in der Medizin nicht immer viel. Dies gilt auch für Vitamine, denen seit Jahrzehnten der unverwüstliche Ruf anhaftet, gesundheitlich unbedenklich und gleichermaßen Allheilmittel, Fitmacher und wichtiger Baustein einer gesunden Ernährung zu sein.
Weil viele Menschen besorgt sind, dass sie mit der Nahrung nicht genug der vitalen Substanzen aufnehmen, schlucken sie zusätzlich Vitaminpräparate in Form von Brausetabletten, Pillen oder Säften. Manche Ärzte verabreichen Vitamine sogar in sogenannten Aufbauspritzen. Wissenschaftler der Universität Kopenhagen um Christian Gluud verpassen der Vitamin-Euphorie nun einen heftigen Dämpfer.
Sie zeigen in der am heutigen Mittwoch erscheinenden Ausgabe des Journal of the American Medical Association, dass die regelmäßige Einnahme antioxidativer Vitaminzusatzpräparate offenbar das Leben verkürzen kann (Bd. 297, S. 842, 2007).
"Unsere Ergebnisse widersprechen bisherigen Beobachtungsstudien, in denen behauptet wird, dass Antioxidantien die Gesundheit verbessern", sagt Goran Bjelakovic, der Erstautor der Studie. "Wenn man bedenkt, dass zwischen zehn und 20 Prozent der Erwachsenen in Nordamerika und Europa Vitaminzusätze nehmen, hat das erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von 80 bis 160 Millionen Menschen."
Bjelakovic betont, dass Verbraucher ständig Werbung für Vitaminpräparate ausgesetzt seien, die einen - wissenschaftlich bisher unbewiesenen - Nutzen propagieren. In Deutschland wurden zwischen Juli 2005 und 2006 etwa 7,5 Millionen Packungen Vitaminzusatzpräparate verkauft, die einen Umsatz von 58,3 Millionen Euro einbrachten.
Die dänischen Forscher haben in einer Meta-Analyse 68 Studien mit synthetischen Vitaminen mit mehr als 230.000 Teilnehmern ausgewertet.
Sie analysierten dazu alle veröffentlichten Untersuchungen, in denen Probanden Beta-Karotin, Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E oder Selen genommen hatten und eine Vergleichsgruppe gleichzeitig ein Scheinpräparat bekam.
Die Ergebnisse waren eindeutig: Beta-Karotin, Vitamin A und Vitamin E erhöhten die Sterblichkeit, und zwar unabhängig davon, ob sie allein oder kombiniert mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln genommen wurden.
Eine Teilauswertung ergab, dass in 47 Studien, in denen methodisch besonders sorgfältig gearbeitet wurde, die Sterblichkeit unter denen, die regelmäßig Vitamin A nahmen, um 16 Prozent erhöht war, während sie bei Vitamin E um vier Prozent und bei Beta-Karotin um sieben Prozent höher lag.
Es wurde kein Beleg dafür gefunden, dass Vitamin C und Selen die Sterblichkeit erhöhen. Genauso wenig gab es Hinweise dafür, dass diese Substanzen das Leben verlängern.
"Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung über antioxidative und Krebs verhindernde Eigenschaften von Vitaminen nicht einfach auf Menschen übertragen werden können", sagt Gerd Antes, vom Cochrane-Zentrum in Freiburg, das die Güte medizinischer Studien bewertet.
"Der Hinweis auf die erhöhte Sterblichkeit ist dramatisch. Jetzt ist die Medizin gefordert, sich damit auseinanderzusetzen und Erklärungen zu finden."
Bereits in der Vergangenheit sind Vitamine in die Kritik geraten. Da fälschlicherweise angenommen wird, Vitamine könne man nicht genug einnehmen, kommt es immer wieder zu Überdosierungen, den Hypervitaminosen.
So löst zu viel Vitamin A Erbrechen, Störungen des Elektrolythaushalts und Schleimhautblutungen aus. In der Schwangerschaft führt zu viel Vitamin A gehäuft zu kindlichen Fehlbildungen.
Eine Überdosis Vitamin D entkalkt die Knochen und kann Herzrhythmusstörungen verursachen. Zu viel Vitamin C geht mit Durchfall einher und begünstigt die Bildung von Nierensteinen.
"Wenn sich der massive Verdacht der erhöhten Sterblichkeit erhärtet, haben sich die Vorzeichen umgedreht", sagt Gerd Antes. "Statt antioxidative Vitamine zu fordern, müsste ihr Einsatz zukünftig wohl verteidigt und gut begründet werden."
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![]() 23.08.2007 05:20:51 Gummipferd: Einerseits und andererseits und außerdem... Wie sagte Voltaire: "Medizin ist Unterhaltung des Patienten, während die Natur die Krankheit heilt...!" Zum großen Teil gilt das anscheinend heute noch, von wegen „evidenzbasierte“ Medizin: diese Studie, jene Studie, qui bono, wer hat sie bezahlt, was ist Wahrheit? Mag ja sein, was die Dänen behaupten, vielleicht aber auch nicht. Ob die armen Leute in der Vita-Gruppe nun wirklich an den Pillen früher starben, oder an anderen, unbeachteten Faktoren, - wie will man das denn verifizieren? Und was die böse Hypervitaminose betrifft: wenn ich mich recht erinnere liegt die bei Vit. A etwa beim hundertfachen und bei Vit. D beim ca. 40fachen der empf. Tagesdosis (0,8 mg bei Vit. A), - wie sie in Vitaminpillen enthalten ist. Alle anderen Vitamine sind diesbezüglich ohnehin unkritisch. Wer also nicht gerade wochenlang täglich eine ganze Pillenschachtel verschlingt, wird wohl kaum Schaden nehmen; und selbst dann würde ihm einfach derart kotzelend, dass er ganz von selber mit dem Unfug aufhören würde. Last not least die natürlichen Vitamine: ist ja alles richtig, eigentlich braucht keiner Vitaminpillen, wenn er sich "abwechslungsreich" ernährt. Ja, w e n n . Leider auch wieder nur Theorie, - was sollen z.B. solche albernen Empfehlungen, fünfmal am Tag Unmengen Obst und Gemüse in sich hinein zu stopfen? Ich bin doch kein Kaninchen! Außerdem habe ich gar keine Zeit dazu. Ein typischer Denkfehler in dem Zusammenhang ist auch, daß frühere Generationen, vor unserem Hitech und McDonald´s Zeitalter sich angeblich gesund von natürlichem Gemüse usw. ernährt hätten, - und deswegen als eine Art vorbildlicher Bezugsgröße taugten. Archäologisch-historische Befunde ergeben aber das Gegenteil: gerade die (meist bettelarme) Landbevölkerung ernährte sich katastrophal einseitig und litt entsprechend unter schweren Mangelerscheinungen (an Skelettfunden etc. nachweisbar). Genau genommen haben fast alle Menschen aller Zeiten (Ausnahme vielleicht die antiken Mittelmeervölker) bis vor kurzer Zeit so gelebt, - und sind früh gestorben. Es gab eben noch keine Vitaminpillen... ![]()
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