Reisetipps Südschweden

Stichworte Südschweden

Alkohol

Skål! Ein wichtiges schwedisches Wort, denn es heißt „Prost“. Das Bild vom alkoholisierten Schweden kursiert häufig in den Köpfen ausländischer Besucher, und es ist auch etwas dran. Trinken hat in Schweden eine lange Tradition. Ob das an den langen, kalten Wintern oder der Freude über die hellen Sommernächte liegt, weiß man nicht. Die heutige restriktive Alkoholpolitik wurde 1977 beschlossen. Die Gesundheit steht dabei im Mittelpunkt. Wenn das Individuum schon nicht selbst dafür sorgen kann, muss eben der Staat eingreifen. Außerdem: Alkoholkranke kosten jährlich Unsummen. Hohe Steuern sollen den Leuten deshalb das Trinken verleiden. Der Zugang zu Alkohol wurde erschwert, indem man staatliche Läden (systembolaget) einrichtete. Nur dort kann man Getränke mit einem Alkoholgehalt über 3,5 Prozent kaufen (Mindestalter 20 Jahre). Die Folge: Die Schweden trinken trotzdem - durchschnittlich 9,7 l reinen Alkohol pro Person im Jahr, deutlich weniger als die Deutschen (10,4 l). Trotzdem hat man einen anderen Eindruck; das liegt am Trinkverhalten. Schweden trinken Alkohol meist nur am Wochenende - aber dann ordentlich! Die sonst so zurückhaltenden Skandinavier greifen dann kräftig zu. Nicht genießen, sondern sich betrinken, scheint das Ziel zu sein.

Durch Schwedens EU-Beitritt 1995 wurde die strikte Alkoholpolitik aufgeweicht. Seit 2004 gelten dieselben Einfuhrbestimmungen wie für den Rest Europas. Billigpreise in den Nachbarländern haben den Konsum deutlich ansteigen lassen. Eine Senkung der Alkoholsteuer ist nicht in Sicht.

Elche

Der Deutschen liebstes Tier ist der Elch - jedenfalls der deutschen Touristen, die sich auf alles stürzen, was nach Elch aussieht. Das stößt bei den Schweden oft auf Unverständnis. Kein Schwede würde sich etwa ein Elchwarnschild in den Garten stellen. Die Deutschen schon. Viele Elchschilder sind deshalb von schwedischen Straßen verschwunden. Dem dreisten Diebstahl, der den Staat bereits viel Geld gekostet hat, versucht man nun entgegenzuwirken. Seit einiger Zeit gibt es die Elchschilder auch zu kaufen. Doch nicht nur das. Eine regelrechte Elchindustrie ist entstanden - von peinlichen Elchmützen bis zu geschmackvollen Elchledergürteln.

Etwa 300000 Elche gibt es in Schweden, doch in den letzten Jahren hat man u. a. in Skåne und Blekinge einen deutlichen Rückgang der Tiere verzeichnet, so dass man inzwischen erwägt, die jährliche Elchjagd dort auszusetzen. Die findet in Südschweden ab Mitte Oktober statt und ist an strenge Quoten gebunden.

Schwere Elchunfälle fordern immer wieder Verkehrsopfer. Deshalb sind viele Straßen und Autobahnen in Schweden durch Wildzäune gesichert. Wegen der Verkehrsunfälle und großer Schäden für Land- und Forstwirtschaft wird jedes Jahr rund ein Drittel der Elche zum Abschuss freigegeben.

Elche sind scheue Tiere mit sehr gutem Gehör und stark ausgeprägtem Geruchssinn. Ein ausgewachsener Bulle wiegt rund 500 kg. Er ist nicht gefährlich, nur Kühe mit Kälbern werden aggressiv und greifen an, wenn sie Gefahr wittern.

Erfinder

Schweden hat viele Erfinder hervorgebracht. Ihre Arbeiten gelten als Basis für Schwedens Aufstieg zur Industrienation. Hier ein paar Namen von der langen Liste: Anders Celsius (Thermometer), Carl von Linné (Klassifikation von Pflanzen, Tieren und Mineralien), Lars Magnus Ericsson (Telefon), Johan Petter Johansson (verstellbarer Schraubenschlüssel), Gustaf Pasch (Sicherheitszündhölzer), Alfred Nobel (Dynamit), Sven Wingquist (Kugellager), Gideon Sundbäck (Reißverschluss), Ruben Rausing (Tetra Pak), Rune Elmqvist (Herzschrittmacher), Nils Bohlin (Drei-Punkt-Sicherheitsgurt). Auch heute werden kreative Köpfe kräftig unterstützt - u. a. von der Erfinderschule Idéum in Lidköping und dem Schwedischen Erfinderverein.

Ikea

Ingvar Kamprad vom Gut Elmtaryd in der Gemeinde Agunnaryd ist ein Selfmademan aus dem Herzen Südschwedens. Schon früh begann Kamprad Geschäfte zu machen. Erst mit Streichhölzern, dann mit Weihnachtskarten. 1943 ließ er Ikea als Firma eintragen, da war er 17 Jahre alt. 1948 annoncierte er zum ersten Mal Möbel von lokalen Möbelgeschäften - als Zwischenhändler. Die Resonanz war groß, Kamprad baute seinen Handel aus. 1958 eröffnete das erste Ikea-Möbelhaus im småländischen Älmhult.

Kamprads Geschäftsidee ist simpel: Der Kunde muss mit anfassen. Nur so lassen sich Kosten sparen. Und Kamprad sparte, wo es nur ging. Ein typischer Småländer eben, denen Sparsamkeit bis zum Geiz nachgesagt wird. Heute beschäftigt Ikea 104 000 Mitarbeiter in 44 Ländern, bei einem Jahresumsatz von 17,8 Mia. Euro. Die Sparsamkeit hat sich gelohnt!

Astrid Lindgren

Die beliebteste Kinderbuchautorin der Welt hat die besondere Stimmung ihrer Bullerbü-Geschichten mit ihrer glücklichen Kindheit erklärt. So wie in den Büchern soll sie gewesen sein: eine Kindheit voller Freiheit, Liebe und Geborgenheit. In einem landschaftlichen Idyll, in dem Kinder auf Bäume klettern, Erdbeeren auf Grashalme ziehen und auf dem Heuboden schlafen durften.

Doch Astrid Lindgren war nicht nur Schriftstellerin, sie hat sich auch immer für die Schwachen in der Gesellschaft engagiert, für Kinder, aber auch für Tiere. Sie kämpfte für Frieden und Toleranz, initiierte politische Debatten zu Steuergesetzen und zum Tierschutz. 1994 wurde Astrid Lindgren mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Den Nobelpreis für Literatur hat sie dagegen nie bekommen - trotz Millionen von Lesern.

Am 28. Januar 2002 ist Astrid Lindgren mit 94 Jahren in Stockholm gestorben. Seitdem wird jedes Jahr der Astrid-Lindgren-Memorial-Prize verliehen, der größte Kinder- und Jugendbuchpreis der Welt.

Schlösser und Herrenhöfe

Den Glanz vergangener Zeiten können Sie in Südschweden noch heute erleben: Viele imposante Schlösser, Herrensitze und Gutshöfe zeugen von Schwedens Geschichte als europäische Großmacht. Einst gehörten sie reichen Adligen oder berühmten Feldherren, die sich vorzugsweise nahe der drei großen Städte Göteborg, Malmö und Stockholm ihre Residenzen bauten, meistens in wunderschöner Lage am Wasser. Die höchste Schlösserdichte herscht in Skåne, aber auch rund um den Mälarsee liegen unzählige der historischen Gebäude. Viele würden heute im bürgerlichen Schweden leer stehen oder wären verfallen, wenn sie nicht in gemütliche Hotels oder moderne Konferenzzentren umgebaut worden wären. Einen großen Teil der Schlösser und Herrenhöfe können Sie besichtigen, andere haben ihre phantastischen Parks und Gärten tagsüber für Besucher geöffnet und bieten leckere Spezialitäten im Schlossrestaurant. Weitere Infos unter www.skane.com, www.vastsverige.com, www.royalcourt.se, www.stockholmtown.com, www.countrysidehotels.se

Steuern

Die guten Sozialleistungen des schwedischen Wohlfahrtsstaats kosten viel und werden durch hohe Steuern finanziert. Mit einer Steuerbelastung von über 50 Prozent nimmt Schweden im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz ein. Das macht sich auch im Alltag bemerkbar. Zum Beispiel beim Alkohol. Eine Flasche Absolut Wodka wird mit 81 Prozent besteuert, von den rund 24 Euro pro 700ml-Flasche sind etwa 20 Euro Steuern. Auch die Mehrwertsteuer ist höher als in Deutschland. Sie beträgt 25 Prozent. Davon ausgenommen sind aber Lebensmittel (12 Prozent), Bücher oder Zeitschriften (6 Prozent).

Wohlfahrtsstaat

Folkhemmet (Volksheim), Schwedisches Modell oder dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus: Unter diesen Begriffen wurde der schwedische Wohlfahrtsstaat bekannt. Sozialdemokraten und Gewerkschaften hatten sich die Bildung einer klassenlosen Gesellschaft, einer Solidargemeinschaft auf die roten Fahnen geschrieben. Arbeit für alle, gerechte Verteilung und hoher Lebensstandard waren ihre Ziele. Mit dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Per Albin Hansson wurde ab 1932 der Aufbau des Wohlfahrtsstaats eingeleitet. Die Blütezeit reichte bis in die 1970er-Jahre. Entscheidende, durch Steuern finanzierte Verbesserungen gab es bei Sozialleistungen, Altersfürsorge, Kinderbetreuung, in der Bildung, im Arbeitsleben, im Wohnungsbau und im Gesundheitswesen. Der Lebensstandard stieg, die Steuern auch.

In den 1970er-Jahren wurde das stete Wirtschaftswachstum durch internationale Ölkrisen gebremst. Erste Risse im Folkhemmet wurden sichtbar. Arbeitslosigkeit, hohe Inflation und Staatsverschuldung führten in Schweden Anfang der 1990er-Jahre zu starker Rezession. Eine durchgreifende Steuerreform, die Einführung eines neuen allgemeinen Rentensystems und ein harter Sparkurs waren die Folge. Die Regierung kürzte das Arbeitslosengeld und die Sozialhilfe, führte einen Karenztag in der Krankenversicherung ein und zwang die öffentliche Verwaltung zu massiver Kosteneinsparung. Anfang des 21. Jhs. hat sich die Lage verbessert, das schwedische Modell hat sich erholt. Mit einer Arbeitslosigkeit von 4,6 % (April 2007) steht Schweden vergleichsweise gut da. Doch die Krise ist noch nicht überstanden: Das Land ist Spitzenreiter beim Krankenstand (pro Arbeitnehmer im Schnitt 39,7 Tage) und bei der Frühverrentung in Europa. Besonders im Gesundheitssystem sind deutliche Mängel sichtbar. Lange Wartezeiten für Operationen etwa sorgen trotz eingeführter Behandlungsgarantie für Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Dennoch: Schweden kann immer noch ein gutes Leistungssystem vorweisen und fortschrittliche Sozialgesetze, die etwa Behinderten das Recht auf kostenlose persönliche Betreuung garantieren. Man ist stolz auf die sozialen Errungenschaften des Landes wie etwa geringfügige Armut, funktionierende Kinderbetreuung und verbesserte Gleichstellung von Mann und Frau.

Auch außenpolitisch hat Schweden gepunktet: Neutralität, hohe Zahlungen für Entwicklungshilfe in der Dritten Welt und Vermittlung in internationalen Krisensituationen.