Reisetipps Sardinien

Ausflüge & Touren Sardinien

Von Alghero in den Zauberwald von Badde Salighes

Die Tour führt vom Meer rasch hinauf auf die Hochebene von Campeda. Unterwegs können immer wieder altertümliche Nuraghen, Menhire und domus de janas bestaunt werden. Ziel der Tour ist der Wald von Badde Salighes, im Sommer eine wunderbar kühle, grüne Oase. Zwei Tage sollten Sie sich für die rund 160 km lange Tour schon gönnen.

Unmittelbar hinter Alghero klettert die Straße in Serpentinen auf die Scala Piccada, wo man auf 355 m Höhe einen großen Teil Nordwestsardiniens unter sich liegen sieht. Bis zum Dorf Villanova Monteleone, das für seine Teppich- und Deckenweberei bekannt ist, geht es durch einsames Wald- und Buschland, das von Herden halbwilder Hausschweine durchstreift wird, die ebenso schwarz sind wie Wildschweine. Weithin sichtbar ist der 644 m hohe Monte Minerva, eine unverwechselbare Landmarke. Er ist wie die anderen Tafelberge und die weiten Hochebenen vulkanischen Ursprungs. Auf einem Kegelberg über dem Temostausee stehen eng gebaut die Häuser von Monteleone Rocca Doria, überragt von den Mauerresten des namengebenden genuesischen Kastells.

Die Landschaft wird nun offener. Felder wechseln mit Weiden, die Dörfer liegen dicht beieinander, ganz und gar untypisch für Sardinien. Sie sind groß, und ihre Kirchen und Klöster erzählen von besseren Zeiten. Einen schönen Überblick bekommt man von der einsam in den Bergen gelegenen Wallfahrtskirche auf dem Monte Bonu Ighinu, die man in einem Abstecher von 3 km auf einer Teerstraße erreicht. In Padria kann man gut essen in der Trattoria Zia Giovanna (Sa geschl. | Via Fratelli Sulis 9 | Tel. 079807074 | €). Im benachbarten Pozzomaggiore beeindruckt die katalanisch-gotische Pfarrkirche durch ihre Größe, während vor dem Dorf an der Straße nach Semestene die winzige Landkirche San Nicolò di Trullas steht, die im 13. Jh. von toskanischen Meistern erbaut wurde.

Die Hochebene Campeda, die Sie nun erreichen, ist rund 30 km lang, 10 bis 12 km breit und zwischen 500 und 700 m hoch. Sie ist eine natürliche Bastion, die den Norden vom Süden Sardiniens trennt. Hier und in den unmittelbar angrenzenden Landschaften, der Valle dei Nuraghi zwischen Bonorva und Ittireddu im Norden und der südlich gelegenen, 200 m tieferen Hochebene von Abbasanta, sind mehr Zeugnisse aus der Vorgeschichte als im Rest Sardiniens zu sehen: Nuraghen, Brunnentempel, Menhire, Gigantengräber und Feengrotten (domus de janas). Die Hirten haben der Gegend in Jahrtausenden ihre Gestalt gegeben: Weideland mit locker stehenden Bäumen, meist Kork- und Steineichen, die vom ewigen Wind schief geblasen worden sind. Trockensteinmauern zerteilen die riesenhaften Flächen, an Kreuzungen und Wasserstellen stehen Nuraghen und christliche Kirchen, nicht selten an alten heidnischen Kultstellen. Man sieht es an den meist mehrere Tausend Jahre älteren Steinsetzungen, die nicht immer dem Glaubenseifer der Mönche und Dorfpfarrer zum Opfer gefallen sind. Essen und übernachten können Sie in Bosa am Meer.

Am nächsten Tag Richtung San Leonardo/Monte Sant'Antonio fahren und dann nach 7 km rechts in die kleine, deutlich beschilderte Erdstraße einbiegen, die zur Menhirreihe und zum Nuraghen von Tamuli führt.

Sechs sorgfältig abgerundete Steinsäulen stehen dort, drei davon haben Brüste. Drei Megalithgräber und ein Nuraghe stehen in der Nähe, von der steinigen Anhöhe des Monte Sant'Antonio genießt man einen weiten Blick, der vom Meer bis zur Sinishalbinsel und zu den Bergen des Gennargentu geht.

Borore liegt eine Hochebenenstufe tiefer. Zum gut erhaltenen Nuraghen Imbertighe und einem großen und ebenfalls gut erhaltenen Gigantengrab kommt man von der Umgehungsstraße auf der Ausfahrt nach Sedilo. Die beiden nächsten Orte, Bortigali und Silanus, liegen unter dem 600 bis 800 m hohen Steilhang der Marghinekette, beides reizvolle, sehr ruhige Dörfer mit Gärten und kleinen Häusern. In Silanus ist im Ort das romanische Kirchlein San Lorenzo mit einem Menhir in Phallusgestalt davor sehenswert, in der Ebene zudem die eigenwillig verbaute Kirche Santa Sabina, die einem sehr gut erhaltenen Nuraghen Gesellschaft leistet.

In Bolotana steigt die Straße hoch in die Berge, die reich an Wasser und Schatten sind. An der Passhöhe zweigt nach links eine Schotterstraße ab nach Badde Salighes.

Das „Tal der Salweiden“ ist eine flache Senke auf der Campedahochebene, eine grüne Oase mit Steineichen, Wacholdern und Eiben, die zu den ältesten Bäumen Europas zählen, klaren Quellen, die hier im Sommer die Sarden zu Hunderten hochlocken. Sie kühlen die Melonen und Weinflaschen unter dem kalten Wasserstrahl, rösten Schweinchen in der Glut, bringen Ziehharmonika oder Kassettenrekorder zum Klingen und tanzen ballo sardo. Hier, nicht weit vom höchsten Punkt der Bahnlinie Olbia-Cagliari entfernt, baute sich einst der Leiter der Bauarbeiten, der englische Ingenieur Benjamin Piercy, seine Villa und pflanzte Bäume aus fernen Kontinenten, die in 130 Jahren zu Riesen geworden sind.

Die nahe Wallfahrtskirche Santa Maria di Sauccu steht unter hohen Eichen und ist von cumbessias umgeben, jenen kleinen Häusern, in denen die Pilger für Tage bleiben, wenn die Madonna zum Fest eingeladen hat (Mitte August bis Anfang September). Auf den letzten 6 km haben Sie an ruhigen Tagen im Sommer und Herbst gute Chancen, den sonst seltenen Wiedehopf zwischen Kühen und Pferden stolzieren zu sehen.

Auf Nebenstrassen von Cagliari in den Gennargentu

Diese Tour, für die Sie einen oder zwei Tage veranschlagen sollten, führt gut 200 km lang hinauf in die wilde Berglandschaft des Gennargentumassivs. Neben vorchristlichen Bauten und einer Höhle sind es vor allem die schroffen Berge und grünen Flusstäler, die den Reiz dieser Tour ausmachen.

Zuerst führt die Straße von Cagliari Richtung Dolianova durch die Vororte, bald wird es ländlich. Dolianova ist der Hauptort dieses freundlichen Hügellandes, das Sardiniens Hauptweinbaugebiet ist, und besitzt eine große romanische Kathedrale. Ein Abstecher über den Nachbarort Serdiana und von dort 3 km Richtung Sestu führt zur kleinen Landkirche Santa Maria di Sibiola, die zu einem einst mächtigen Kloster gehörte.

Die Route führt weiter nach Norden, die Hügel werden karger und höher. In Senorbi gibt das Gutshaus (Museum) sa Domu Nostra einen Einblick in das Landleben, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten war.

Die Straße führt jetzt ins einsame Hirtenland des Gerrei nach Goni, wo vor dem Ort erst kürzlich unter dichter Macchia ein großes vorgeschichtliches Heiligtum entdeckt wurde. Lange Menhirreihen, Steinkammergräber, Brunnentempel liegen auf der weiten, von Korkeichen bestandenen Hochebene Pranu Mutteddu.

Über Ballao im lieblichen und selbst in der Sommerhitze grünen Flumendosatal ringelt sich die Straße zu den Hochebenen, die aus rotem, grünem und schwarzem Trachyt gebildet sind, einem Vulkangestein, und den Übergang zu den Barbagiabergen im Herzen der Insel bilden. Tiefe Täler, heute zum Teil von langen, schmalen Stauseen ausgefüllt, zerschneiden dieses einsame und praktisch völlig kahle Hochland, das in der Vorgeschichte einmal eine große Bedeutung besessen haben muss, sicher auch als Verteidigungslinie der unabhängigen Bergsarden gegen die Punier und Römer, wenn man die zahlreichen Wasserheiligtümer, Gigantengräber und Nuraghen sieht. Vor Escalaplano führt ein kurzer Fußweg zum gut erhaltenen Brunnentempel Funtana Coberta aus dem 10. Jh. v. Chr. Zwölf Stufen führen in die überwölbte Kammer.

Von Escalaplano, das von Korkeichenhainen umgeben ist, schlängelt sich die Straße ins Tal und gleich wieder hinauf auf die Hochfläche zwischen Flumendosa- und Mulargiastausee. Sie eröffnet weite Aussichten auf das Hochland der Ogliastra mit ihren schroffen Felsbastionen und die Barbagia mit ihren runden, alles überragenden Bergrücken. Eine Stichstraße führt zu einer der imposantesten Nuraghenfestungen Sardiniens, zum Nuraghe Orrubiu, dessen Türme und Außenmauern aus rotem Trachyt errichtet sind. Der Innenhof mit Brunnen wird von einer fünftürmigen Bastion umschlossen, die beiden unterirdischen Gewölbe dürften der älteste erhaltene Weinkeller der Geschichte sein.

An der Straße nach Orroli, dessen Häuser ganz aus rosa Lavastein gebaut sind, stehen weitere Nuraghen, während vor Nurri römische Meilensteine daran erinnern, dass hier die Römerstraße von Cagliari nach Olbia verlief. Die Straße verläuft für die nächsten 30 km fern von Ortschaften und überquert immer wieder die Schmalspurbahn. Sadali besitzt einen Dorfkern mit mittelalterlichen Häusern und einem 150 m hohen Wasserfall. Zur Höhle Grotta de is Janas, einer 200 m tiefen Tropfsteinhöhle (Besichtigung möglich, Führungen), sind es 1,5 km (Parkplatz, Bar und Imbiss vorhanden). Auf Seui zu wird die Landschaft bewegter. Felsnadeln, Steilwände, Quellen, Bachläufe und Wald mit uralten Steineichen, Eiben und Ilex bilden im Naturschutzgebiet Montarbu eine grüne Oase, wo Sie mit ein wenig Glück Wildschweine und Mufflons sehen können. 9 km hinter dem ehemaligen Grubenarbeiterdorf Seui mit schönen Granithäusern zweigt die Nebenstraße zum Lago Alto Flumendosa und zum Montarbu ab, die unterhalb der Felswände des Monte Tonneri verläuft. Jenseits der Mulde des Flumendosatals erheben sich die Berge des Gennargentu. Unterhalb des Monte Perda 'e Liana, dessen von einer Felsnadel bekrönter Bergkegel eine weithin sichtbare Landmarke ist, führt eine Piste zum nahen Pass, wo Pfade zum Gipfel des Monte Tonneri beginnen (leichte Wanderung, ca. 1½ Std.). 12 km weiter mündet die Straße nahe der Staumauer in die Fernstraße Nuoro-Lanusei ein.