Reisetipps Rügen

Auftakt Rügen Was für eine Insel!

Feiner weißer Sandstrand und steil aus dem Meer aufragende Kreidefelsen, bekannte Seebäder und verträumte Dörfchen, dichte Buchenwälder und saftige Wiesen an Bodden und Wieken, grüne Alleentunnel sowie malerische Buchten machen Rügen zu einem Urlauberparadies. Weit reicht der Blick vom Neuen Leuchtturm auf Kap Arkona über das Meer hinüber zur autofreien Schwesterinsel Hiddensee, einem in weiten Teilen unberührten Naturparadies. Und nicht zuletzt ist da Stralsund, die alte Hansestadt, das Tor zur Insel Rügen, mit ihrer prächtigen Altstadt und der gewaltigen Rügenbrücke als neuem Wahrzeichen.

Rügen schüttet ein Füllhorn von Schönheiten über seine Besucher aus: feine Sandstrände und aus der Ostsee aufragende Kreidefelsen, zerklüftete Bodden und dunkle Buchenwälder, schattige Alleen, winzige Dörfer und quirlige Seebäder - und darüber ein weiter Himmel, der alles miteinander verbindet. Deutschlands größte Insel verblüfft mit ihren Kontrasten. Überall auf Rügen riechen Sie das Meer, kein Ort liegt weiter als 7 km vom Wasser entfernt.

Die raue Insellandschaft hat die Rüganer, wie sich die Alteingesessenen nennen, geprägt. Vorschnelle Worte und rasche Enscheidungen liegen ihnen nicht, alles gehen sie mit einer gewissen Gelassenheit an. „Dat geit all nicht so fix“, lautet ein oft gehörter Einwand. Deshalb halten manche Binnenländler sie für widerborstig und phlegmatisch, und das wiederum führt dann zu noch größerer Zurückhaltung. Sind die Rüganer aber einmal aufgetaut und haben Sie ihr Vertrauen gewonnen, erweisen sie sich als gute und zuverlässige Freunde. Gute Gastgeber sind sie allemal.

In Göhren, Sellin, Binz und Sassnitz laden die nach der Einheit wieder entstandenen Seebrücken zum Spazieren über den Ostseewellen ein. Die Juwele der Seebäder sind die Villen und Pensionen im Stil der Bäderarchitektur. Mit ihren hölzernen Veranden, putzigen Dachaufbauten und griechischen Säulen geben sie den Orten ein eigenes, unverwechselbares Gesicht. Was als Bäderarchitektur bezeichnet wird, ist ein Mix verschiedener Stile: Barock und Klassizismus, Alpenhaus und griechische Tempel, verschnörkelte Türmchen, reich verzierte Balkone und Veranden aus Holz. Zu DDR-Zeiten zerbröselten die filigranen Schnitzereien der Veranden und Balkone, und das Mobiliar der Zimmer verkam. Der organisierte DDR-Massentourismus, der den Zimmern an 365 Tagen im Jahr Gäste bescherte, hinterließ seine Spuren. Nach der Wende wurden die Pensionen und Hotels jedoch aufwendig renoviert und modernisiert.

Das Tourismuskonzept der Rüganer sieht vor, den Inselgästen Ruhe und Erholung zu bieten. Also kein Abfeiern bis zum frühen Morgen: Die Diskotheken und Nachtbars sind an den Fingern einer Hand abzuzählen, und für die Kneipen, in denen bis zum frühen Morgen geklönt wird, reichen die der anderen. Doch ausgiebig schlafen, lesen, wandern, radeln und richtig gut essen ist für viele zu wenig. Deshalb werden die Angebote zum Surfen, Angeln, Reiten und Golfen reichlich genutzt, und an den Wochenenden haben die Neptun-, Strandkorb- oder Fischerfeste Zulauf: Irgendwo findet garantiert eines statt. Immer mehr Gäste kommen auch auf die Insel, um etwas für ihre Gesundheit zu tun: Die Wellnesswelle hat mittlerweile auch Rügen erreicht, und auf die wohltuenden Rügener Heilkreideanwendungen schwören bereits viele.

Keine deutsche Insel wurde wohl so oft beschrieben und gemalt wie Rügen. Zu besonderem Ruhm gelangten die Bilder des Romantikers Caspar David Friedrich und die Worte des großen Erzählers Theodor Fontane, der seine Effi Briest nach Rügen zur Erholung reisen ließ. Denn Rügen ist nicht nur schön, Rügen hat auch Geschichte. Stumme Zeugen dafür sind die 4000 Jahre alten Großsteingräber, wie sie in dieser Menge auf so engem Raum keine andere Region Europas vorweisen kann, die Reste der slawischen Burgwälle in Garz und auf Kap Arkona oder die jahrhundertealten Kirchen. Zu Rügens Geschichte gehört auch Klaus Störtebeker, der legendäre „Robin Hood der Ostsee“. In Ruschvitz bei Sagard soll er geboren sein, und in Ralswiek, heißt es, habe er einen seiner Schlupfwinkel besessen.

Im Geschichtskalender des 19. Jhs. nimmt das auf dem Reißbrett entworfene Putbus den bedeutendsten Platz ein. Es ist die letzte planmäßig angelegte Residenzstadt Nordeuropas, die mit weiß getünchten, klassizistischen Häusern und einem wunderschön renovierten Theaterchen aus der Fürstenzeit fasziniert. Ganz anderes konzipierten die Nationalsozialisten reichlich 100 Jahre später: Sie wollten das größte Urlauberzentrum der Welt schaffen. In Prora begannen sie hinter den Dünen einen gigantischen, beinahe 5 km langen Betonklotz hochzuziehen. Der Zweite Weltkrieg beendete die Arbeiten. Zurück blieb der Torso einer Bettenburg. Verkauft wurde bislang lediglich ein Block, was mit dem Rest werden soll, steht nach wie vor in den Sternen.

Vom Ernst-Moritz-Arndt-Turm auf dem Rugard, dem Turm des Jagdschlosses Granitz und von den Türmen auf Kap Arkona blicken Sie bis nach Hiddensee, dem Inselchen westlich von Rügen, von den Einheimischen liebevoll „dat söte Länneken“ (das süße Ländchen) genannt. An der Wende zum 20. Jh. begann zwar die touristische Zeit, doch Hiddensee konnte seine Idylle bewahren: keine Tennisplätze und Minigolfanlagen, kein Hallen- oder Freibad, keine Diskothek, keine Glitzerboutiquen. Privatautos sind seit 1927 verboten. Wohl fühlt sich auf der naturbelassenen Insel, wer Hektik und Zeit entsagen kann.

Das Tor zu Rügen ist Stralsund, eine Stadt voller kulturhistorischer Schätze, die deshalb auf der Welterbeliste der Unesco steht. „Meerstadt ist Stralsund“, schrieb die Schriftstellerin Ricarda Huch, „vom Meer erzeugt, dem Meer ähnlich, auf das Meer ist sie bezogen in ihrer Erscheinung und Geschichte.“ Die Stadt, in deren Hafen jährlich Hunderte von Schiffen festmachen, pflegt ihre Seefahrtstraditionen: Die vor mehr als 500 Jahren gegründete Schiffer-Compagnie zeigt die wichtigsten Zeugnisse der maritimen Vergangenheit, und die Stralsunder Segelwoche zieht alljährlich Tausende von Besuchern an.

Immer mehr Gäste kommen jährlich nach Rügen. Die einen lockt die Natureinsamkeit, die anderen die Bädernoblesse. Rügen gehört mit Hiddensee und Stralsund wieder zu den Topadressen in der deutschen Ferienlandschaft.