Reisetipps Nordseeküste Schleswig-Holstein

Ausflüge & Touren Nordseeküste Schleswig-Holstein

Über alte Deiche nach Dänemark

Diese rund 40 km lange Tour ist ein idealer Tagesausflug für Radfahrer. Sie führt von Niebüll über alte Deiche vorbei an blühenden Rapsfeldern (im Mai) bis zur dänischen Grenze - wenn Sie mögen, auch in das Königreich -, zum Nolde-Museum und zurück nach Niebüll. Nur die ersten Kilometer hinter Niebüll fahren Sie gen Westen, also möglicherweise gegen den Wind. Ansonsten bläst er von der Seite, und manchmal wird er Ihnen auch Anschub geben. Sollten Sie ins Schwitzen kommen, können Sie während einer Rast ein erfrischendes Bad nehmen.

Die Tour beginnt auf dem Niebüller Rathausplatz mitten in der Fußgängerzone. Hier folgen Sie dem Hinweisschild zum Naturkundemuseum. Vor dem Naturkundemuseum führt nach rechts eine kleine, unauffällige Straße zum Freibad. Hier biegen Sie ab. Nach zwei S-Kurven können Sie hinter Bäumen und Büschen Niebülls Freibad sehen. Dieser See ist einem Deichbruch zu verdanken. Es geschah am Weihnachtsabend 1593: Mit gewaltiger Wucht spülte das in den Koog strömende Wasser ein tiefes Loch ins Erdreich. Die Deichbauer konnten die Deichlinie seewärts um das Loch herum wieder schließen. Zurück blieb das mit Wasser gefüllte tiefe Loch im Koog - eine sogenannte „Wehle“. Im Lauf der Tour werden Sie an einer noch größeren vorbeikommen.

Hinter dem Ortsschild beginnt die Weite der Köge: links von Ihnen - im Süden - der Christian-Albrechts-Koog, rechts - im Norden - der Gotteskoog. Er ist mit einer Fläche von 104 km² der größte Koog Nordfrieslands. Und spätestens jetzt werden Sie spüren, wie sehr Sie gegen den Wind in die Pedale treten müssen. Denn von nun ab geht es auf dem Gotteskoogdeich Richtung Westen. Dieser Deich wurde 1562-66 aufgeschüttet, und er hielt nicht nur das Wasser zurück, er wurde zugleich die erste dauerhafte Landverbindung zwischen Niebüll und Emmelsbüll.

Wenn Sie wissen wollen, wie viele Kilometer Sie bereits mit dem Wind gekämpft haben, so stehen alle 200 m rechts am Straßenrand kleine, weiße Schilder mit der Kilometerzahl, die Sie seit Niebüll zurückgelegt haben. Am Kilometerpunkt 3,6 führt eine schmale Straße mit dem schönen Namen Am Rollwagenzug in den Koog; sie verläuft schnurgerade, parallel zu einem Sielzug. Dieser wurde 1623 erdacht und angelegt von dem holländischen Deichbaumeister Claas Jannsen Rollwagen und sorgte damals für die Entwässerung des Gotteskoogs. Für eine erste Rast empfiehlt sich die Angelwehle am Kilometerpunkt 6,0. Dieser See ist in fester Hand der Angler, die das Baden verbieten. Doch gegen ein Picknick hat hier niemand etwas einzuwenden.

Danach fahren Sie weiter auf dem Gotteskoogdeich bis zum Kilometerpunkt 7,0. Dort biegen Sie rechts ab in den Wrewelsbüllweg. Dieser schmale Asphaltweg führt hinunter in den Koog, und wenn der Raps blüht, tauchen Sie hier wahrlich in eine gelbe Flut. An der nächsten Weggabelung halten Sie sich links, kommen vorbei an einer bewaldeten Warft, auf der ein „Dreiseitenhof“ steht (der Name erklärt sich beim Hinschauen von selbst), überqueren einen Sielzug und biegen an der nächsten Kreuzung rechts ab. Der Mitteldeich ist heute als Deich nicht mehr zu erkennen. Rechts und links stehen stämmige Ulmen, über Ihnen die vom Wind nach Osten geneigten Baumkronen. Vorsicht, die Straßen sind schmal und kurvig, rechnen Sie mit Gegenverkehr! Nach zirka 1 km fahren Sie rechts auf den Hoddebülldeich und dann 6 km bis nach Neukirchen. Auf dieser Strecke überqueren Sie die Bahnlinie Niebüll-Westerland, kurz danach die Klanxbüller Straße, und hier weist Ihnen das Schild „Nolde-Museum“ den Weg. Sind Sie erschöpft und wollen auf einen Abstecher nach Dänemark verzichten, folgen Sie diesen Wegweisern.

Haben Sie Lust auf ein idyllisches Stück Nordfriesland, dann fahren Sie am Hotel Fegetasch am Ortsausgang von Neukirchen nicht rechts Richtung Nolde-Museum, sondern geradeaus auf der Straße Beim Siel. Nach gut 1 km biegen Sie in den Neudamm ein. Gesäumt von Wiesen und Pferdekoppeln, führt dieser beschauliche Weg bis zur dänischen Grenze. An der nächsten Kreuzung leitet Sie rechts eine kleine Steigung auf einen Deich. Linker Hand, hinter dem Weidezaun, beginnt Dänemark. Sie erreichen den Grenzübergang Rosenkranz. Das Zollamt steht leer, der Schlagbaum ist abgeschraubt. Kontrolle, das war mal. In den Asphalt der Grenzstraße eingebettet, markiert ein Granitstein, wo hier genau die Grenze verläuft.

Sie haben Hunger? Dann bieten sich Ihnen zwei Möglichkeiten: diesseits des Grenzsteins deutsche Küche im Alten deutschen Grenzkrug | (Di geschl. | Tel. 04664/386 | €-€€) oder aber jenseits des Steins Smørrebrød im Rudbøl Grænsekro (tgl. | Tel. 0045/74738258 | €€-€€€). Auch wenn Sie keine üppig belegten Butterbrote oder eine Fischplatte essen wollen, sollten Sie die Grenze passieren. Der Blick auf den Ruttebüller See ist fantastisch! Hier bekommen Sie einen Eindruck von der Landschaft, die Emil Nolde einst faszinierte und inspirierte.

Wieder in Deutschland, folgen Sie dem Schild „Nolde-Museum“, kommen vorbei an zwei Supermärkten, die ihre Sonderangebote in Kronen anpreisen. Wenige Meter hinter dem zweiten Supermarkt führt links der für Autos gesperrte Noldeweg direkt zum Museum. Und da steht es nun: Noldes Haus und Atelier. Ein klotziger Bau, gemauert aus düsteren, rotgrauen Steinen. Mit dem Dach, teils gewölbt, teils flach, wirkt Seebüll auf der Warft wie eine Burg im flachen Nordfriesland. „Hier ist unser Platz“, soll Ada Nolde während einer Wanderung ihrem Mann Emil gesagt haben. Verewigt haben sich die beiden auch mit ihrem Garten. Kommen Ihnen die Wege rund um den Teich und zwischen den Blumenrabatten wirr vor, versteckt sich dahinter doch ein Prinzip: Aus der Vogelperspektive oder vom obersten Stockwerk des Museums aus gesehen, formen die Wege die Buchstaben A und E für Ada und Emil.

Der schnellste Weg zurück nach Niebüll führt über den Revtoftweg und die Aventofter Straße. Haben Sie es nicht eilig und Lust auf ein erfrischendes Bad, fahren Sie den Revtoftweg nicht Richtung Niebüll, sondern rechts nach Neukirchen. Nach 500 m weist ein Schild zum Hülltoft-Tief. In den Sommermonaten eine lauschige Badestelle und ein Picknickplatz mitten in Emil Noldes Landschaft.

Zum Westerhever Leuchtturm

Diese 60 km lange Tour führt von Husum entlang der Nordküste Eiderstedts durch die Köge zum Westerhever Leuchtturm und weiter nach St. Peter-Ording. Mit dem Auto ist diese Distanz ein beschaulicher Ausflug; steigen Sie aufs Fahrrad, sollten Sie fit sein: Da der Weg bis zum Leuchtturm ausschließlich gen Westen führt, wird Ihnen wohl der Seewind ins Gesicht blasen - Flaute ist auf Eiderstedt eher selten. Ab Westerhever können sich Ihre Waden erholen; von nun an radeln Sie im Windschatten des Seedeichs nach St. Peter-Ording, von dort bringt Sie der Zug zurück nach Husum. Sollten Sie den Gegenwind fürchten, ein Tipp: Beginnen Sie die Tour mit der Bahnfahrt von Husum nach St. Peter-Ording und radeln über Westerhever gen Osten - mit Rückenwind.

Der Ausflug beginnt im Binnenhafen von Husum. Sie verlassen die Stadt über den Damm, rechts das moderne Husumer Rathaus, links das Schifffahrtsmuseum. Gleich hinter der Bahnunterführung biegen Sie rechts ab Richtung Simonsberg. Sie kommen hier Husums Hässlichkeiten verdammt nah: links der Windpark, rechts die betongrauen Silotürme. Doch keine Sorge, durch die nächste „Stöpe“ hindurch - der nordfriesische Ausdruck für Deichscharte, einen Einschnitt im Deich - haben Sie Husum hinter sich gelassen. Über die Finkhaushallig erreichen Sie den Simonsberg-Koog. Hier sehen Sie rechter Hand den ersten Haubarg. Nun sind Sie auf Eiderstedt.

An der nächsten Weggabelung weist ein Schild nach links zum Roten Haubarg, ein anderes nach rechts zur Badestelle. Gönnen Sie sich den Umweg an die Küste. Sie fahren auf einem Deich durch das beschauliche Dorf Simonsberg. Die Deichstraße endet am Außendeich an einem Buswendeplatz. Zeit für eine Pause: Bei Flut können Sie hier baden; herrscht Ebbe, haben Sie eine wunderbare Aussicht über den Heverstrom auf Nordstrand. Zurück müssen Sie wieder durch Simonsberg, alle anderen Straßen sind Sackgassen. Am Kirchspielskrug fahren Sie den Deich hinunter und folgen dem Schild nach Witzwort. Auf der rechten Seite im Adolfskoog ist er nicht zu übersehen, der wuchtige Rote Haubarg auf seiner Warft, umgeben von stämmigen Bäumen. Eine Kaffee- oder Essenspause ist hier Pflicht.

Hoffentlich gut gestärkt, kehren Sie zurück auf die Hauptstraße. Nach 200 m führt eine Steigung hinauf auf den Porrendeich. Hinter Uelvesbüll werden Sie als Radfahrer auf eine harte Probe gestellt. Die schnurgerade Straße scheint endlos: links Wiesen, rechts der Deich, eingezäunt mit Stacheldraht und Eichenpfählen. Hunderte dieser Zaunpfähle müssen Sie hinter sich lassen. Eine Verschnaufpause lohnt sich am Evershop-Siel. Hier führt eine Treppe auf den Deich. Oben angekommen, können Sie weit übers Watt bis Pellworm und Nordstrand gucken. Interessant ist auch die Bronzeplatte am Schützenhaus des Siels. Sie zeigt das Mosaik der zahlreichen Köge und deren Entstehungsdaten.

Noch 5 km, dann haben Sie die „Zaunpfahletappe“ geschafft; fahren Sie dann links nach Osterhever. Hier gibt es eine Bäckerei. Von Osterhever geht es weiter durch den Augustenkoog nach Westerhever. Der Kirchturm der St.-Stephanus-Kirche, 1370 gebaut, ist der älteste Eiderstedts und diente bis zum Bau des Leuchtturms (1907) als Seezeichen.

Sie vermissen am Horizont den Leuchtturm? Sie sind zwar in Westerhever angekommen, doch damit noch lange nicht am Leuchtturm. Sie müssen noch weiter Richtung Westen. Endstation ist ein Parkplatz mit Souvenirshop, Würstchenbuden und Toilettenhäuschen. Der Turm lugt hier über den Deich, ist aber noch gut 3 km Fußweg entfernt. Wollen Sie mit Kindern bis zum Turm, empfiehlt es sich, einen Bollerwagen zu mieten. Solch ein Gefährt ist absolut matsch- und watttauglich. Rauf auf den Turm können Sie nur nach Voranmeldung beim Westerhever Tourismusverein (Tel. 04865/1206). Dann geht ein pensionierter Leuchtturmwärter - der Turm ist seit 1972 computergesteuert - mit Ihnen hinauf bis in die Turmspitze. Köstliche und kuschelige Andenken gibt es bei der Schäferei Willi Hinz (Tel. 04865/901918).

Weiter Richtung St. Peter-Ording haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie treten buten - auf der Seeseite des Deichs - in die Pedale, stets den Leuchtturm im Blick, oder binnen, im Windschatten des Deichs. Angekommen in St. Peter-Ording, verladen Sie Ihr Rad in den Zug (3,50 Euro). Der fährt stündlich und bringt Sie in etwa fünfzig Minuten zurück nach Husum.