Reisetipps Namibia

Stichworte Namibia

Bevölkerung

Von den knapp 2 Mio. Namibiern sind rund 100000 weiß. Etwa ein Viertel der hellhäutigen Namibier sind deutscher, britischer oder burischer Herkunft. Der schwarze Bevölkerungsteil setzt sich im Wesentlichen aus zehn Ethnien zusammen: Die San - von den Europäern Bushmen genannt - gelten als Ureinwohner des Landes. Auch die Damara zählen zu den ältesten Bevölkerungsgruppen Namibias. Die Herero stammen von Viehzucht treibenden Bantuvölkern ab, die im 15. Jh. auf der Suche nach neuen Weidegründen in den Südwesten Afrikas kamen. Man erkennt sie an ihrem hohen Wuchs, an ihrem stolzen Gang und die Frauen der Herero an ihrer wilhelminischen Tracht. Direkte Verwandte der Herero sind die Himba. Der größte Teil dieser Ethnie lebt im Nordosten Namibias. Die Ovambo bilden das zahlenmäßig größte Volk, im Kampf um die Unabhängigkeit Namibias spielten sie eine wichtige Rolle; mit Sam Nujoma stellten sie den ersten Präsidenten der unabhängigen Nation. Die Kavango an den Ufern des Okavango sind ursprünglich ein Bantuvolk. Die Caprivianer leben im Caprivi Strip. Namibias auffälligste Bevölkerungsgruppe bilden die Rehobother Baster, Mischlinge aus Verbindungen von Khoikhoi und Europäern, die im 19. Jh. aus der südafrikanischen Kapprovinz gen Norden zogen und sich zunächst um Rehoboth ansiedelten.

Braai

Kein Zusammensein ohne diese Grillveranstaltung. Braai geht folgendermaßen vor sich: Die Frauen sind für die Salate und die Folienkartoffeln zuständig - und dafür, die Kinder in Schach zu halten. Außerdem trinken Frauen beim Braai nur wenig oder gar keinen Alkohol, weil sie später die Familie nach Hause fahren müssen. Alkohol in Form von viel, viel Bier fällt in den Konsumbereich der Männer, deren hochheilige Aufgabe es ist, das Braaivleis und die Boereworst (Grillfleisch und Burenwurst) zu grillen. Daraus könnte man schließen, dass Braai reine Männersache ist. Stimmt aber nicht!

Fauna

Namibias Wildtierreichtum ist in Afrika einzigartig. Löwen, Leoparden, Geparden, Elefanten und Rhinozerosse können einem sogar außerhalb der Nationalparks begegnen, sämtliche Antilopenarten ohnehin, Springböcke und Kudus auch. Zebras, Strauße und Warzenschweine kreuzen die Wege. Und gemeinsam leben alle im Etosha National Park.

Flora

Etwa zwei Drittel Namibias bestehen aus Savannen und Grasland. Verschiedene Akazienarten unterbrechen diese vermeintliche Ödnis, und wer aus dem Süden und Westen Richtung Nordosten reist, wird feststellen, dass sich Baum- und Buschbestand verdichten. Ein Großteil der Bäume Afrikas wächst hier: Affenbrotbäume und Mopane, wilde Feigen, Makalani- und Ilalapalmen und Köcherbäume in den Wüstenregionen. Im Südosten dagegen herrscht der Kameldoorn (Giraffenakazie) vor, Namibias Nationalbaum. Im trockenen Süden überleben allein Sukkulenten, angepasst an die extreme Trockenheit durch Wasser speichernde Blätter und Wurzelsysteme. Eine botanische Besonderheit sind die Flechten der Namib, Symbiosen aus Schlauchpilzen und Algen, aber der Star namibischer Flora ist eine biologische Besonderheit: die Welwitschia mirabilis, eine prähistorische Holzpflanze, die ihren Stamm im Boden versteckt, sodass nur die Krone als flach gepresstes Gewächs sichtbar ist.

Gästefarmen

Was einst in eher hausbackenem Ambiente begann, hat sich mittlerweile zu einer vielfältigen Beherbergungskultur entwickelt: Von einfachen Unterkünften bis zu Fünfsternehäusern ist alles vertreten. Eine nicht unwesentliche Zahl dieser Gästefarmen sind auch oder ausschließlich Jagdfarmen. Vorsicht: Frei auf den Farmen lebende wilde Tiere sind nicht so harmlos wie oft dargestellt.

Karneval

Bis vor wenigen Jahren noch emphatisch gepflegt, geht den namibischen Karnevalisten der Nachwuchs aus. Noch aber finden Bälle, Sitzungen und Umzüge statt - zwischen Mai und August, im hiesigen Winter.

Nacobta

Für Individualreisende, die Lust auf intensive Nähe zum Land haben, bieten die Projekte der NACOBTA (Namibian Community Based Tourism Association) ideale Möglichkeiten. NACOBTA ermöglicht ländlichen Gemeinden das Betreiben eigener Tourismusprojekte wie Campingplätze und traditional villages. | Auskünfte und zentrale Reservierung Tel. 061/250558 | Fax 222647 | www.nacobta.com.na

Politik

Namibia wird von Windhoek aus regiert. Das Land ist in 13 politische Regionen aufgeteilt, jede wird von einem Regionalparlament verwaltet, dem wiederum die einzelnen Gemeindeverwaltungen unterstehen. Stärkste Regierungspartei ist die Swapo, die frühere Rebellenpartei, deren ursprüngliches Programm marxistisch orientiert war. Einer ihrer Führer war Sam Nujoma, 14 Jahre lang Namibias Präsident. Seit 2004 ist Hifikepunye Pohamba Präsident, der zweite des Landes nach der Erlangung der Unabhängigkeit am 21. März 1990. Erklärtes Ziel seiner Regierung ist die schrittweise Realisierung der sogenannten „Vision 2030“. Schwerpunkte dieses ehrgeizigen Projekts sind die Bekämpfung von Armut und Aids sowie die Schaffung verbindlicher Richtlinien für die Geschäfts- und Personalpolitik einheimischer Unternehmen „mit dem Ziel, das namibische Volk in eine gesunde Nation mit genügend Nahrung, hoher Lebensqualität und guter Ausbildung zu verwandeln.“ Außerdem soll die Politik der nationalen Aussöhnung vor dem Hintergrund der zahllosen, noch immer als vermisst geltenden Opfer des Unabhängigkeitskampfs nachhaltiger etabliert werden.

Reisen im Wohnmobil

Kein Ferienvergnügen genießen die Namibier mehr, als im Caravan durchs Land zu kreuzen. Dabei fehlt es den oft abenteuerlich hergerichteten Wohnmobilen auch nicht an der mobilen Gartenlaterne, dem bodenbeheizbaren Vorzelt, Grillausrüstungen und Vorrichtungen für die Angelruten an der Stoßstange. Namibias Infrastruktur ist reich an Caravanparks, allerdings gibt es dort nur wenige Möglichkeiten zum Zelten, denn das existiert im Verständnis namibischer Freizeitgestaltung nur bedingt. Dafür sind garantiert genügend Braaipleks, Grillplätze, vorhanden.

Rock-Art

Die San gelten als die ältesten Einwohner des südlichen Afrikas. Ihnen verdankt auch Namibia mit Felsmalereien und -gravuren die größten künstlerischen Attraktionen des Landes aus Zeiten, die bis zu 20000 Jahre zurückliegen. Darstellungen von Tieren, Menschen im Alltag wie bei der Jagd und im Clan, Götter und Landschaften wurden mit Farben aus natürlichen Substanzen auf die Felsen der Umgebung gemalt oder mit Steinen in die weiche Oberfläche der Sandsteine geritzt - als Tagebücher beispielsweise oder als Zeitung, als Gruß oder Erfahrungsreport für nachfolgende Familienverbände. Felsmalereien oder Rock-Art - auch als Gravuren - sind über die gesamte Fels- und Berglandschaft Namibias verstreut, mal weniger üppig, an manchen Stellen, wie am Brandberg oder bei Twyfelfontein, jedoch so reichhaltig, dass die Gegend den Charakter einer Openairgalerie hat. Oft hat die lokale Gemeinde die Kunstvorkommen unter ihren Schutz genommen, sodass die Erwanderung der verschiedenen Kunstwerke nur mit einem Führer möglich ist - was angesichts von bereits zerstörten, weil übermalten oder zerkratzten Bildern auch notwendig ist.

Sprache

Amtssprache ist Englisch, viele Namibier aber sprechen drei Sprachen: Afrikaans, eine Kunstsprache, aus dem Holländischen entstanden und von Südafrika ins Nachbarland importiert; Englisch, das vornehmlich von den jungen Namibiern gesprochen wird, und Deutsch. Das beherrschen nicht nur die deutschstämmigen Namibier, sondern auch einige der alten Schwarzen noch - meist, weil sie für deutschsprachige Arbeitgeber tätig waren oder immer noch sind.

Wirtschaft

Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 1460 US$ im Jahr liegt Namibia hinter Botswana und Südafrika an siebter Stelle. Allerdings lebt mehr als die Hälfte der namibischen Bevölkerung an oder unter der Armutsgrenze, nur 10 Prozent der Haushalte/Unternehmen verdienen 55 Prozent des nationalen Gesamteinkommens. Den höchsten Lebensstandard haben die deutschstämmigen Namibier, den niedrigsten die San. Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau stellen die Säulen der namibischen Ökonomie dar, bei einem relativ hohen Lohnniveau und dem Rückgang der Produktivität treten die wirtschaftlichen Probleme des Landes erstmalig seit der Unabhängigkeit deutlich in den Vordergrund. In Relation zum Bevölkerungswachstum stieg das Wirtschaftswachstum 2005 auf knapp 5 Prozent. Diese gute Nachricht wurde von der sinkenden Inflationsrate unterstützt, dennoch bleibt die traditionelle wirtschaftliche Abhängigkeit von Südafrika unübersehbar, obwohl schon vor Jahren große Schritte in Richtung Abkoppelung angekündigt wurden.

Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung betreiben Landwirtschaft, jedoch fast ausschließlich zur Eigenversorgung, da der Boden einen ertragreichen Anbau nur im fruchtbaren Norden zulässt. So ist der Beitrag dieses Sektors zum Bruttoinlandsprodukt mit 7 Prozent nur gering. Davon erwirtschaftet die Viehzucht den Löwenanteil von über 90 Prozent. Allerdings ist dieser Bereich besonders den klimatischen Unbilden des Wüstenlands ausgeliefert. Da verwundert die Umorientierung zahlreicher Farmer zum game farming nicht. Denn nicht nur die Straußenzucht besitzt ein deutlich besseres ökonomisches Potenzial, auch das Fleisch anderer Wildtiere ist längst zum Exportschlager avanciert. Die Fischfangindustrie hat der Landwirtschaft mittlerweile den Rang abgelaufen. Im Aufwind ist die Dienstleistungsbranche, was die Hoffnung auf den Abbau der hohen Arbeitslosigkeit von 60 Prozent fördert.