Reisetipps Namibia

Auftakt Namibia Was für ein Land!

Magie der Farben und des Lichts: Hier spiegelt sich die ganze Faszination Afrikas. Glutrote und violettfarbene Dünenketten, die silbrig schimmernde Fläche der Etosha, das dunkle Grün der Wälder, das strahlende Blau des Himmels - Namibia ist Garten Eden für Wildtiere, Fundort exotischer Pflanzen und geologischer Besonderheiten. Namibia ist aber auch ein Land, dessen farbige Bevölkerung ihren Weg aus der einstigen Unterdrückung und Unselbstständigkeit hin zu ihrer traditionellen Kultur mit Bedacht und selbstbewusst geht. Das Ergebnis ist eine bezaubernde Symbiose afrikanisch-europäischer Prägung.

Nur zögernd lösen sich die Dünenlandschaften aus der Schwärze der Nacht. Wie mit den Fingern einer Hand tastet sich das fahle Morgenlicht in die Täler der Sandgebirge vor, gleitet hier auf dem Kamm einer Düne entlang, zeichnet dort die Silhouetten einer Herde Kudus nach und verliert sich in den Büscheln des silbrig schimmernden Bushmengrases. Durch die trockenen Halme fegt raschelnd heißer Wind und treibt den Sand der Wüste zu immer neuen Erhebungen vor sich her.

Schnell wie ein Peitschenschlag huschen Eidechsen umher, verkriechen sich im Schatten ausladender Euphorbien, jenen Kakteen, die auf kurzen Stämmen aufragen und damit das Gleichmaß der Wüste unterbrechen. In der Ferne ziehen Strauße, Oryxantilopen und Springböcke vorbei, und Spuren verraten, dass in der Nacht Leoparden und die legendären Wüstenelefanten unterwegs waren. Als wolle die Namib den natürlichen Grenzen der Bergketten im Norden und Osten nur widerwillig Terrain überlassen, verliert sich die älteste Wüste der Welt erst in den schroffen Tälern des Zentralplateaugebirges. Dort legt sie den Bergriesen sandige Kragen um. Sie schillern im ersten Licht des Tages edel wie Hermelin und ergänzen so das Farbenspiel der gebirgigen Steilhänge. Denn dort, wohin der ständig wehende „Südwester“ den allmorgendlichen Nebel vom Atlantik bläst und wo die Feuchtigkeit sich an den Felsen niederschlägt, dort glitzern die Berglandschaften in intensivem Rot, Grün und Schwarz. Im Norden schimmert das Grün des fruchtbaren Caprivi Strip bis weit nach Angola und Botswana hinein, und vor der 1600 km langen Küste gibt sich der Atlantische Ozean nahezu unbezwingbar. Seine haushohen Wellen toben über scharfkantige Felsen, die so weit ins Meer hinausragen, dass auch heute noch, trotz modernster Navigationshilfen, nur gewiefte Seeleute in der Lage sind, die tückischen Klippen zu umschiffen. Zahllose gestrandete Schiffe in Buchten und auf Felsvorsprüngen erzählen die Geschichte derer, die der Herausforderung dieses Abenteuers nicht gewachsen waren. Und weil diese Wracks Skeletten ähneln, trägt die Küste den Namen Skeleton Coast, Skelettküste. Unwirtlichkeit dominiert das karge Land, und noch immer hat die Wüste ihre Vorherrschaft zurückgewonnen.

Namibia ist mit einer Fläche von 824292 km² mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Nirgendwo in Afrika ist man den Urgewalten der Schöpfung näher als hier, kann nirgendwo tiefer ins Innere der Erde blicken als im Fish River Canyon, wo 200 Mio. Jahre geologischer Erdgeschichte bloß liegen, und spürt nirgendwo die Hitze des Magmas deutlicher als in Ai-Ais. In keiner anderen Region Afrikas ist der Wildtierreichtum vielfältiger als in der Etosha, einer riesigen Salzpfanne im Norden Namibias. „Großes weißes Nichts“ nennen die San das Gebiet, und sie wissen zu erzählen, dass zu jener Zeit, als ihre Vorfahren ins südliche Afrika zogen, diese Gegend noch von Seen durchsetzt war.

Die San sind das älteste Volk Afrikas. Ihre Geschichte ist 40000 Jahre alt, seit 10000 Jahren leben sie im Südwesten des Kontinents. Mit ihnen die Damara, die Herero, die Nama, die Himba, die Ovambo, die Kavango - und die 100000 weißen Namibier. Ein Großteil von ihnen sind Nachfahren jener Bauern und Händler, die sich in den Jahren zwischen 1886 und 1919 in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika ansiedelten. Zwar war das kein fruchtbares Land, doch gab es nach Auffassung der Fremden genügend davon. Schließlich waren die deutschen Schutztruppen mit dem Befehl entsandt worden, die Einheimischen in Reservate zu verbannen und zur Arbeit zu versklaven. Wer sich dagegen wehrte und wer sich den Besatzern in den Weg stellte, der wurde einfach niedergemetzelt.

Nur 31 Jahre dauerte die Okkupation der Kolonie Deutsch-Südwestafrika - von 1884 bis 1915, doch die Präsenz des deutschen Erbes ist noch heute nicht nur am Bier zu erkennen, das nach deutschem Reinheitsgebot in Windhoek gebraut wird. Denn obwohl Südafrika sofort das Mandat für Namibia übernahm, entwickelten die im Land verbleibenden Deutschstämmigen einen starken Traditionalismus. Man wollte vetrautes Lebensgefühl auch in der Fremde genießen. Die Folge war eine Deutschtümelei, die selbst in Deutschland nicht übertroffen wurde. Klar, dass man Deutsch sprach. Man pflegte die Eigenheiten deutscher Kultur in Turn- und Karnevalsvereinen, bei den Pfadfindern, den Landfrauen, in der Feuerwehr und im Schützenverein. Afrikanisches Lebensgefühl schien fehl am Platz. Doch hat sich das Blatt nach der Unabhängigkeit 1990 gewendet: Schulen und Studienplätze sind genügend für alle da. Freie Stellen werden nach Qualifikation, nicht allein der Hautfarbe wegen vergeben; Kulturveranstaltungen oder das Warenangebot der Geschäfte sind nicht mehr nur nach dem Geschmack europäischer Konsumenten ausgerichtet. Die Amtssprache Englisch ist seitdem auch Umgangssprache - Dinge, die im großen Weltgeschehen unwichtig sein mögen. Für die notwendige Identifizierung der Bevölkerung mit ihrem Land ist dies ein wichtiger Schritt hin zur Eigenständigkeit.

Aber die afrikanische Krankheit der Korruption und Vetternwirtschaft grassiert auch in der namibischen Verwaltung. Ein Großteil der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die anhaltende Landflucht, die eine Zusammenballung Bedürftiger in den Slums der Vorstädte zur Folge hat, verschärft das Problem der wachsenden Kriminalität noch.

Namibias Wirtschaft indes ist erfolgreich: Vor der Uran- und Tafelsalzproduktion, der Austernzucht, dem Guano- und Mineralienabbau (Namibia ist die fünftgrößte Bergbaunation der Welt) rangiert der Tourismus auf dem ersten Platz der Devisenskala.

Mit der Stabilität wächst die Hinwendung zur Moderne, gehen die Blicke immer weiter über den Tellerrand hinaus. Die Umverteilung einst enteigneter Ländereien ist im Gang. Anfänglich geschmäht als Abklatsch der verheerenden Enteignungspolitik in Simbabwe, scheint sich die Regierung jedoch an das Prinzip des Landreformgesetzes zu halten, indem sie ihr Vorkaufsrecht wahrnimmt, um Farmen zu erwerben und an die landlose Bevölkerung zu verteilen. Diese Methode ist bei den betroffenen, meist weißen Farmbesitzern nicht beliebt, und so bleibt abzuwarten, wie sich das politische Klima entwickeln wird. Garant einer stabilen Ökonomie ist nicht zuletzt der Tourismus, und solange das Bild des heutigen Namibia mit seiner perfekten Infrastruktur und den Szenerien von naturnahen bis luxuriösen Begegnungen mit dem Land erhalten bleibt, wird sich daran nichts ändern.