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Ein Spaziergang durch Male'

Ein Besuch Male's, der Hauptstadt der Malediven, sollte zum Pflichtprogramm eines jeden Malediven-Besuchers gehören. Auch wenn die Zahl der Sehenswürdigkeiten nicht groß ist, erfahren Sie einiges über die Lebensgewohnheiten der Einheimischen, die stolz darauf sind, in der Hauptstadt zu leben. Der Spaziergang dauert etwa anderthalb Stunden.

Den Rundgang durch Male' beginnen Sie dort, wo die Boote von den Hotelinseln anlegen, also am Marine Drive. Der wurde vor wenigen Jahren so ausgebaut, dass er schon fast den Charakter einer Flaniermeile hat. Das ist bemerkenswert, weil es bis vor etwa 15 Jahren hier keine einzige asphaltierte Straße gab - der Verkehr wurde auf Sandpisten abgewickelt. Erst im Zuge steigender Fahrzeugzulassungen sah sich die Stadtverwaltung veranlasst, zumindest eine Straße zu befestigen. Es war die Majeedhee Magu, welche die Insel in Ost-West-Richtung durchzieht.

Von der Anlegestelle aus wenden Sie sich nach rechts und gelangen nach wenigen Metern zum Fischmarkt. Hier geht's am späteren Nachmittag - etwa ab 16 Uhr - am lebendigsten zu: Dann kehren die Fischerboote zurück, und der frische Fang wird angelandet. Über den Holzmarkt erreichen Sie den Gemüse- und Obstmarkt. Er ist in einem neuen Hallenkomplex untergebracht. Hier herrscht in den Vormittagsstunden das lebhafteste Treiben. Bananen werden hier staudenweise und Kokosnüsse im Dutzend angeboten.

Weiter schlendern Sie in südlicher Richtung durch die Gassen mit weißen Gebäuden, in denen einige kleine Geschäfte untergebracht sind. Dabei lohnt sich der ein oder andere Blick in einen der zur Straßenseite hin offenen Läden. Sie sind nicht selten bis an die Decke gefüllt mit einem bunten Warensortiment. Gehandelt wird mit allem, was die Malediver fürs tägliche Leben benötigen: vom Angelhaken bis zur Zahnpasta.

Viele Geschäfte in diesem Viertel wurden bereits zu Beginn des 19. Jhs. von geschäftstüchtigen indischen Kaufleuten aus Bombay gegründet. Sie gehörten einer schiitischen Sekte an, der Borah, waren aber auf den Malediven nicht unbedingt gern gesehene Gäste, da sie schon bald nach ihrer Ankunft einen großen Teil des Handels kontrollierten. Übrigens: Hier können Sie Ihre Urlaubsapotheke relativ preiswert auffüllen.

Als Orientierungspunkt beim Bummel durch die Gassen der Hauptstadt dient die golden leuchtende Kuppel der Al-Sultan-Mohammed-Thakurufaanu-Moschee (Grand Friday Mosque). Das größte islamische Gotteshaus auf den Malediven, in dem 5000 Gläubige zum Gebet Platz finden, trägt den Namen jenes Mannes, der 1573 die Portugiesen vertrieb. Er ging als erster Sultan in die Geschichte der Malediven ein. Von dem 40 m hohen, schlanken Minarett lässt ein Muezzin nur noch an hohen Feiertagen seinen Ruf zum Gebet erschallen. An gewöhnlichen Tagen tut er dies per Mikrofon vom Erdgeschoss der Moschee aus. Ein Besuch der Moschee ist außerhalb der Gebetszeiten möglich und verlangt die Einhaltung gewisser Regeln: Frauen dürfen nur hinein, wenn sie entsprechend bekleidet sind (lange Hosen oder ein sarongähnlicher Überwurf sowie eine die Schultern bedeckende Bluse). Aber auch Männer sollten sich angemessen kleiden. Wer die nötigen Kleidungsstücke nicht mitgenommen hat, kann sie sich aber oft direkt vor der Moschee leihen. Beachtenswert sind vor allem die prächtigen Holzschnitzereien im Inneren.

Wenn Sie die Moschee wieder verlassen, sehen Sie schräg gegenüber den Eingang zum Sultan Park, einer hübschen, kleinen Parkanlage. Hier blühen Bäume und Sträucher, außerdem gibt es ein paar Volieren. Teiche mit Seerosen laden zum Verweilen ein. Hier befindet sich auch das kleine National Museum, eigentlich mehr ein Kuriositätenkabinett. Abgesehen von Artefakten aus der Geschichte des Archipels können Sie inmitten von alten Stelen und Kanonen jüngeren Datums das Dienstfahrrad des Museumswärters besichtigen. An den Exponaten selbst fehlt zumeist eine Beschriftung; so auch an jenen Steinfragmenten, aus denen der norwegische Forscher Thor Heyerdahl schloss, dass auf den Malediven vor dem Islam der Buddhismus verbreitet war.

Zurück auf der Straße, wenden Sie sich nach rechts und folgen der Straße gut 200 m, bis Sie auf der gegenüberliegenden Seite zunächst den alten islamischen Friedhof mit interessanten Gräbern bedeutender Persönlichkeiten und dann die Hukuru Miskiiy, die alte Freitagsmoschee, sehen. Sie wurde 1656 während der Herrschaft des Sultans Ibrahim Iskander erbaut und erzielt ihre Wirkung allein schon durch die Verzierungen mit arabischen Schriftzeichen und den dunklen, edlen Hölzern. Auf der rechten Straßenseite befindet sich der Zugang zum Präsidentenpalast, dem ehemaligen Sultanspalast, den Sultan Shamsuddeen III. kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs für seinen Sohn erbauen ließ. Heute dient es nur noch als dessen Büro und kann nicht besichtigt werden. Folgen Sie der Straße in östlicher Richtung, gelangen Sie zur Sosun Magu, in die Sie links einbiegen. Sie führt zurück zum Marine Drive, dem Ausgangspunkt des Bummels.

Unterwegs mit dem Charterboot

Wer die Inselwelt der Malediven auf eigene Faust erkunden möchte, kann über die Hotelrezeption ein Schnellboot mit Besatzung chartern. Das ist zwar nicht billig (ca. 500 Euro pro Tag), teilt man den Preis aber durch mögliche 16 Teilnehmer, wird das Unternehmen erschwinglich.

Kontaktfreudigen Menschen dürfte es nicht schwerfallen, während eines Malediven-Urlaubs neue Bekanntschaften zu machen und so genügend Interessenten für einen gemeinsamen Ausflug mit dem Charterboot zu finden. Eine solche Tour muss sich nicht unbedingt auf das Atoll beschränken, in dem man sein Urlaubsdomizil hat. Gerade das Nord- und das Süd-Male'-Atoll bieten sich an, wechselseitig erkundet zu werden. Auf den meisten Hotelinseln sind Tagesbesucher gern gesehen; eine telefonische Anmeldung ist aber unbedingt notwendig. Empfehlenswert ist die Verpflichtung eines einheimischen Begleiters, der die Tour zusammenstellt. Meistens besuchen Sie dann auch eine Einheimischeninsel, den Abschluss des Tages bildet der Aufenthalt auf einer unbewohnten Insel zum Schnorcheln und Baden.