Reisetipps Lanzarote

Stichworte Lanzarote

Architektur

Von der Höhle zum Hotel - 1000 Jahre Wohnen auf Lanzarote: Die Altkanarier lebten entweder in Felsgrotten im Lavagestein oder sie gruben mit simplen Steinwerkzeugen in den Boden und errichteten über der Versenkung igluartige Gewölbe aus Lavabrocken; mehrere dieser Unterkünfte bildeten dann ein Dorf. Größere Tunnelsysteme unter erkaltetem Magma, etwa die Cueva de los Verdes, nutzten sie vermutlich als Zufluchtsstätten bei Angriffen und Naturkatastrophen. Auch die Residenzen ihrer Könige lagen teils unter der Erde. In der Nähe von Tahiche wird eine solche Anlage erforscht.

Die europäischen Eroberer errichteten im 14. Jh. zunächst Festungen. Deren älteste war Vorläuferin des heutigen Castillo de Guanapay. Später brachten die Spanier aus Andalusien den maurisch inspirierten Mudéjarstil mit, der allerdings nur in einigen Kirchen und Herrenhäusern eingesetzt wurde. Schlichte Fassaden, unverputzte Hausecken, Ziegeldächer, Patios und reich verzierte Holzdecken und -balkone waren dafür typisch. Die schönsten Beispiele dafür finden sich in Teguise, Yaiza und in verschiedenen Kirchen auf der Insel.

Quadratisch, praktisch, gut - nach diesem Motto bauten die Bauern. Die Vorbilder für die noch heute aktuellen Würfelhäuser aus dicken gekalkten Wänden, Flachdächern und winzigen Fenstern findet man in Nordafrika.

Cochenille

Fast jeder hält es zuerst für einen schlechten Scherz: Das knallige Rot des leckeren Campari sei schlicht Läuseblut. Doch so ist es, und auf Lanzarote kann man sich davon überzeugen. Auf Dutzenden von Hektar Ödland gedeiht zwischen Guatiza und Mala der Feigenkaktus. Diese Opuntie ist die Lieblingsnahrung der Cochenillelaus. Und die wenige Millimeter große, weißgraue Schildlaus liefert ein tiefes Karminrot. Mitte des 19. Jhs. wurde der Feigenkaktus aus Mexiko eingeführt, weil die europäische Textilindustrie damals dringend Farbstoffe brauchte.

Die Läuse werden auf den Kaktusblättern ausgesetzt, ernähren sich vom Pflanzensaft und vermehren sich. Alle zwei bis drei Monate werden die neuen Larven in Handarbeit mit Spachteln von den dornigen Opuntien abgeschabt. Nach ihrer Reinigung werden sie in Heißwasser getötet, dann getrocknet und zermahlen. Für ein Kilo Farbe lassen Millionen von Läusen ihr Leben. Anfangs schien der Cochenillezucht eine grandiose Zukunft sicher zu sein. Doch schon eine Generation später war mit der Entdeckung der billigen synthetischen Anilinfarben das Geschäft vorbei. Die meisten Plantagen gaben auf. Das natürliche Cochenillerot wird heute nur noch für einige Lebensmittel (Süßwaren, Liköre), Kosmetika und Medikamente verwendet.

Dromedare

Es ist schon ein faszinierendes Bild, wenn man die lange Karawane die Ascheberge Timanfayas entlangziehen sieht. Die Dromedare Lanzarotes gehören zu den großen Touristenattraktionen. Wohl schon mit den ersten Europäern kamen die einhöckrigen Asketen auf die Insel. Als ideale Arbeitstiere - sie kommen, wenn nötig, wochenlang ohne Wasser aus und schleppen klaglos schwerste Lasten - wurden sie auf dem Feld, zum Warentransport, zum Betrieb der Gofiomühlen und als Reittiere eingesetzt.

Mit der Einführung von Maschinen auf der Insel schien ihre Karriere beendet. Doch durch den Tourismus erlebten die Dromedare eine echte Renaissance. Heute lassen sich täglich Hunderte von Urlaubern in den Sätteln an den Seiten des Höckers durch die Feuerberge von Timanfaya schaukeln. Beim Ort Uga werden Dromedare auch gezüchtet.

Flora und Fauna

Nur auf den ersten Blick wirkt Lanzarote leblos. Doch Tausende Wildpflanzen, von denen viele nur auf den Kanaren vorkommen, sind auf der Insel heimisch. Dazu gehören der im Frühjahr weiß blühende tajinaste (Natternkopf), die lavendelähnlich duftende retama, süße und bittere tabaiba, gedrungene Büsche, die mit wurstigen Zweigen zwischen den Felsen hervorlugen. Hunderte Flechtenarten überwuchern die Lava und zersetzen sie in Jahrtausende dauernden Prozessen. Der cardón ist die bekannteste vieler Euphorbien. Wie Kandelaber ragen seine dornenstarrenden Säulen in den Himmel. Die Kanarische Dattelpalme, deren weit ausladendes Blattwerk und orangefarbenen Früchte dem Tal um Haría sein afrikanisches Ambiente verleihen, gedeiht ebenfalls nur auf den Kanaren. Am fremdartigsten ist aber der drago, der Drachenbaum, von dem auf Lanzarote leider nur wenige Exemplare überlebt haben. Er gehört zu den Liliengewächsen und starb jenseits Makronesiens, zu dem die Kanaren, Madeira, die Azoren und Kapverden gehören, schon vor 20 Mio. Jahren aus. Den Altkanariern war der Drachenbaum mit seiner schuppigen Rinde, den bizarren, dicken Ästen mit Büscheln säbelartiger Blätter und einem Schweif kirschgroßer Früchte wegen seines Harzes heilig. Das so genannte Drachenblut, das sich an der Luft dunkelrot färbt, verwendeten sie schon in grauer Vorzeit bei der Zubereitung von Heiltränken und Salben. Die leuchtende Blütenpracht der Bougainvilleen und Hibiskussträucher, üppiger Geranien und großer Weihnachtssterne auf Strandpromenaden und Avenidas verdankt ihr Überleben auf der kargen Insel übrigens nur intensiver künstlicher Bewässerung.

Auf Lanzarote leben nur wenige Tierarten. Außer verwilderten Haustieren, Katzen und Hunden, zur Jagd ausgesetzten Kaninchen und Tauben gibt es vereinzelte Greif- und Seevögel. Der graugrüne, wild lebende Girlitz ist der Urahn des bunten Kanarienvogels. Eine nur hier beheimatete Spitzmausart wurde erst vor wenigen Jahrzehnten entdeckt. Einzigartig sind auch die weißen Krebse in den Jameos del Agua.

Lucha Canaria

Die lucha canaria, den kanarischen Ringkampf, gab es schon zur Zeit der Altkanarier und wird nur auf den Inseln des Archipels betrieben. In einem Kreis mit 12 m Durchmesser, der mit Sägespänen oder Sand bedeckt ist, treten je zwölf Kämpfer zweier Teams paarweise gegeneinander an.

In der Ausgangsposition - vornübergebeugt einander zugewandt und das aufgekrempelte Hosenbein des Gegners mit der linken Hand im Griff - beginnt der maximal drei Minuten dauernde Kampf. Mit verschiedenen Ringergriffen versuchen die luchadores den Gegner zu Boden zu werfen. Dafür ist nicht nur Kraft, sondern auch Technik und Schnelligkeit ausschlaggebend. Es gibt keine Gewichtsklassen. Und so kann es vorkommen, dass ein 55 kg schwerer Hänfling gegen einen Zweieinhalb-Zentner-Koloss antritt und diesen mit raffinierten Tricks zu Boden schickt. Wer seinen Gegner in maximal drei Kämpfen zweimal bezwingt, gewinnt einen Punkt, der andere scheidet aus. Die Mannschaft, die am Schluss noch Kämpfer auf der Bank hat, gewinnt den Wettbewerb.

Malvasía

Möglicherweise schon im 15. Jh. gelangten die ersten Rebstöcke von Kreta aus auf die Kanaren, ab 1600 sind sie auf Lanzarote dokumentiert. Wie im Flug eroberte der erdige, vollfruchtige Geschmack der hellen, sonnenverwöhnten Kanarentraube die Gaumen der Europäer. Besonders in England war man ganz verrückt nach ihr - bis dort die ersten Fässer Portwein und Sherry eintrafen. Erst nach den Vulkanausbrüchen des 18. Jhs. sorgte die Einführung des enarenado für einen neuen Aufschwung. Heute stammen etwa 40 Prozent des Lanzaroteweins aus Malvasíatrauben. Die gängigen Sorten sind ein weißer, herbfruchtiger Tafelwein und der süße, schwere moscatel. Beide sollten nur mit denominación de origen gekauft werden, also mit Herkunftsgarantie.

César Manrique

Was konnte er eigentlich nicht, der 1919 in Arrecife geborene Tausendsassa? Maler, Bildhauer, Architekt, Designer, Autor, Umweltschützer - César Manrique hatte in vielem Erfolg und wurde so der berühmteste Sohn Lanzarotes. Nach ersten Ausstellungen gegenständlicher Bilder zieht es ihn 1945 nach Madrid, wo er die abstrakte Malerei für sich entdeckt und rasch bekannt wird. Ab 1965 folgen drei Jahre USA-Aufenthalt. Als sich 1968 der Tourismus auf Lanzarote ankündigt, kehrt er zurück, um sich künstlerisch am Aufbruch seiner Heimat in die Moderne zu beteiligen. Manrique verwandelt Lavatunnel und Grotten in atemraubend schöne Traumgebilde, errichtet Monumente und Windspiele. Betonexzesse auf anderen Kanareninseln lassen ihn immer heftiger gegen die Bauwut zu Felde ziehen. Vehement kämpft er dafür, durch Förderung der traditionellen Architektur das Bild seiner Heimat zu erhalten. Gegen alle Widerstände setzt er strikte Auflagen durch, entwirft aber auch selbst Bungalowanlagen und baut Hotels um. Am 25. September 1992 stirbt er in der Nähe seines Wohnhauses bei Tahiche bei einem Autounfall.

Wasser

Wasser ist das kostbarste und knappste Gut Lanzarotes. In der Vergangenheit schöpften die Menschen ihr Trinkwasser aus Brunnen, leiteten es aus den Famara-Bergen in langen Stollensystemen (galerías) zu ihren Siedlungen oder sammelten das Regenwasser in Zisternen, den aljibes. Das größte dieser unterirdischen Auffangbecken, die gran mareta, befand sich in Teguise.

Wegen des gewachsenen Bedarfs und des übernutzten Grundwassers müssen heute 90 Prozent des Trinkwassers aus dem Meer gewonnen werden. Um 1000 l Wasser zu destillieren, werden 8 l Heizöl verbrannt, ein gewaltiger Ressourceneinsatz. Ein Feriengast verbraucht im Schnitt übrigens doppelt so viel Trinkwasser wie ein Einheimischer. Immerhin wird die Bepflanzung in den zahlreichen Ferienanlagen und auf öffentlichem Grund heute nicht mehr mit Frischwasser gegossen. Kläranlagen recyceln das Brauchwasser und erlauben so die doppelte Nutzung. Ausgeklügelte Leitungssysteme verteilen das kostbare Nass effizient. Daher auch an Sie eine große Bitte: Gehen Sie sehr sparsam mit Wasser um!

Ziegen

Schon die Altkanarier hielten sie als wichtigste Nutztiere. Die Ziegen lieferten Milch, Käse, Fleisch, Knochen und Häute. Außerdem sind die Allesfresser sehr genügsam, eine wichtige Voraussetzung für das Überleben auf Lanzarote. Mittlerweile stellen sie aber auch ein Problem dar. Denn zu Tausenden streifen Ziegen mehr oder weniger unkontrolliert über die Insel und vertilgen alles, was sie an Essbarem finden - ein Kahlschlag, der der ohnehin kargen Vegetation arg zusetzt. Dennoch beleben die quirligen, mit ihren Glöckchen bimmelnden Herden auch das Landschaftsbild. Und queso de cabra (Ziegenkäse) ist eine Spezialität der Insel, die Sie unbedingt probieren sollten.