Reisetipps Kanada Ost

Stichworte Kanada Ost

Bären

Grizzlys und Eisbären werden Ihnen auf der Fahrt durch Ostkanada nicht begegnen, wohl jedoch Schwarzbären: Neugierig und immer hungrig schnüffeln sie schon mal abends über den Campingplatz, verjagen verdutzte Wanderer aus ihrem Blaubeerrevier oder überqueren rücksichtslos den Trans-Canada-Highway. Doch das ach so beliebte Bärenfoto sollten Sie unbedingt aus gebührendem Abstand machen und alle Lebensmittel nachts geruchsdicht im Auto verstauen. Schwarzbären haben einen hervorragenden Geruchssinn und hören gut, sehen aber recht schlecht.

Flora & Fauna

Der größte Teil Kanadas liegt im Bereich des borealen Nadelwalds, der sich von Neufundland bis zum Pazifik quer durch den Kontinent zieht. Hier wachsen Weiß- und Schwarztannen, Kiefern und Fichten. Diese gewaltigen Wälder, die sich in Nord-Süd-Richtung auf über 1000 km Breite erstrecken, sind Lebensraum von Bären, Elchen, Hirschen, Luchsen, Stachelschweinen, Bibern und vielen kleineren Nagetierarten. Nach Norden hin gehen in Québec, Labrador und Nunavut die Wälder in Taiga und schließlich in Tundra über. Um das Tal des St. Lawrence in Québec und um die Großen Seen in Ontario bieten verschiedene Ahorn- und Eichenarten im Herbst die spektakulären Farben des Indian Summer.

Frankokanada

In der Schlacht von Québec verlor Frankreich 1759 seine Kolonie in der Neuen Welt. Die französischen Siedler jedoch blieben, und ihre Nachfahren machen heute knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung Kanadas aus.

Auch unter der britischen Regierung blieb Québec im 19. Jh. feudalistisch strukturiert. Erst die „Stille Revolution“ der 1960er-Jahre brachte den Wandel: bessere Ausbildung, eine eigenständige frankokanadische Politik und die Nationalisierung der Elektrizitätswirtschaft.

Seither führte die sprachliche und kulturelle Zweiteilung Kanadas immer wieder zu schweren Krisen. Vor vierzig Jahren forderte der nationalistische Parti Québécois bereits die völlige Loslösung Québecs von Kanada; es kam sogar zu terroristischen Anschlägen von Separatisten. 1980 und 1995 wurden dazu Volksabstimmungen abgehalten. Beide Male sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung Québecs gegen die Ablösung aus - jedoch denkbar knapp.

Group of Seven

Während der Kolonialzeit waren die kanadischen Pioniere meist mit dem Überleben beschäftigt. So etablierte sich erst im 20. Jh. ein eigenständiges Kulturschaffen. Die erste und bis heute berühmteste kanadische Stilrichtung in der Malerei entstand 1912, als sich in Toronto junge Maler zur „Group of Seven“ zusammenschlossen. Inspiriert vom Naturmaler Tom Thomson entwickelten sie eine neue, expressive Form der Landschaftsmalerei. Ihre Werke erzielen heute Preise von bis zu 7 Mio. $.

Hockey & Lacrosse

Keine Sportart verkörpert die kanadische Seele so wie Eishockey: Die ganze Nation sitzt zur Hockey Night gebannt vor den Fernsehern, schon mit 5 Jahren lernen die Kids das Schlittschuhfahren, und die Profispieler sind die Helden des Landes. Jeder kennt sie und die Namen der legendären Teams wie die Canadiens de Montréal oder die Toronto Maple Leafs. Jedoch: Kanadas offizieller Nationalsport ist Lacrosse, ein schnelles Ballspiel indianischen Ursprungs. Jede größere Stadt hat ein Team, der Sport liegt in den letzten Jahren wieder voll im Trend.

Indianer & Inuit (Eskimos)

Die Vorfahren der Indianer kamen während der Eiszeiten über die Beringstraße in den Norden Amerikas. Sie breiteten sich im Lauf der Jahrtausende über den Kontinent aus. Es entwickelten sich eigenständige Kulturgruppen. Halbnomadische Jägerstämme lebten im Norden und äußersten Osten Kanadas. Die Irokesen und Huronen der Waldlandkultur in der Region um den St. Lawrence waren dagegen sesshaft und bauten Mais, Bohnen und Tabak an. Weiter westlich lebten die Bisons jagenden Plains-Völker.

Viel später als die Indianer besiedelten die Vorfahren der heutigen Eskimos vor etwa 1000 Jahren von Alaska aus die kanadische Arktis. Sie bezeichnen sich selbst lieber als Inuit (Mensch), da Eskimo diskriminierend „Rohfleischesser“ bedeutet.

Die ersten Jahrzehnte im Kontakt mit den Weißen verliefen für die kanadischen Ureinwohner nicht ganz so traumatisch wie für ihre Brüder in den USA. Die Pelzhändler waren auf die Hilfe der Indianer angewiesen und griffen nur begrenzt in ihre Lebensweise ein. Allerdings dezimierten aus Europa eingeschleppte Krankheiten die Stämme. Erst mit der Besiedelung des Westens im 19. Jh. wurden die Indianer in Reservate abgedrängt. Nach Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung leben heute rund 610000 Indianer und 50000 Inuit in Kanada.

Landessprachen

Kein Zweifel, Kanada ist zweisprachig. Die Milchtüte im Supermarkt, die Wanderkarte im Nationalpark, das Einreiseformular der Zollbehörde - überall ist die Aufschrift in Englisch und Französisch gehalten. Rund 60 Prozent der Kanadier sprechen Englisch, knapp 30 Prozent Französisch als Muttersprache. Doch die Verteilung ist nicht gleichmäßig: In den Atlantikprovinzen, in Ontario und im Westen hört man fast ausschließlich Englisch, in Québec fast nur Französisch.

Auf einer Urlaubsreise kommen Sie mit beiden Sprachen gut zurecht, denn viele Kanadier sind heute zweisprachig. Sogar etwas rostiges Schulenglisch reicht aus, denn die Kanadier geben sich mit ihren Gästen viel Mühe, und das kanadische Englisch ist in Aussprache und Wortschatz noch britischer als das südlich der Grenze gesprochene „Amerikanisch“.

Schwieriger ist das in Québec, denn das Québécois geht auf alte normannische und bretonische Dialekte zurück - und weist zum modernen Französisch allerlei Unterschiede auf. Es klingt rauer, altertümlicher. Auch der Wortschatz variiert: Auto (frz.: voiture) zum Beispiel heißt in Québec le char, einkaufen (faire des courses) heißt magasiner, und Trinkgeld (pourboire) bezeichnet man in Québec ganz amerikanisch als tip.

Moderne Architektur

In den letzten 30 Jahren hat in den Metropolen die Postmoderne Einzug gehalten, und Kanada kann mittlerweile Architekten von Weltruf vorweisen. Moshe Safdie baute 1967 in Montréal das radikale Wohnhaus Habitat in dreidimensionaler Zellstruktur, sein neuestes Werk ist die gläserne Festung der Nationalgalerie in Ottawa. Ebenfalls in der Bundeshauptstadt steht das 1989 vom Kanadier Douglas Cardinal erbaute Museum of Civilization, das sich in fließender Wellenform dem Ufer des Rideau River anpasst. Der deutschstämmige Ed Zeidler entwarf das Eaton Centre wie auch den Queens Quay in Toronto. Heute bauen Architekten aus aller Welt spektakuläre Projekte in Kanada. So stammt etwa der Anbau der Ontario Art Gallery in Toronto von Frank Gehry, der Anbau des Royal Ontario Museum von Daniel Libeskind. Und Santiago Calatrava entwarf den BCE Place.

Mounties

Die Mounties der rot berockten Royal Canadian Mounted Police sind wohl das bekannteste Wahrzeichen Kanadas. In ihrer Parade-uniform treten sie bei offiziellen Veranstaltungen auf und schmücken so manches Erinnerungsfoto. Doch die rund 15000 Mann der RCMP sind mehr als buntes Beiwerk: Bis heute ist diese hervorragend ausgebildete Bundespolizei für alle ländlichen Regionen und Orte Kanadas zuständig, die sich keine eigene Polizei leisten können.

National Parks

Die berühmtesten der 42 Nationalparks Kanadas wie Banff oder Jasper liegen in Westkanada. Aber auch im Osten wurden einige besonders schöne Naturgebiete als Nationalparks geschützt, z.B. die Seen von La Mauricie, die Klippen von Forillon auf der Gaspé-Halbinsel, die Berge von Cape Breton Island oder die Fjorde von Gros Morne auf Neufundland. www.parkscanada.ca

Regierung

Kanada ist eine bundesstaatlich geordnete parlamentarische Monarchie im British Commonwealth. Offizielles Staatsoberhaupt ist daher Queen Elizabeth II., die aber lediglich zeremonielle Aufgaben hat. Das aus zwei Kammern bestehende Parlament in Ottawa ist für die Außenpolitik, für Verteidigung und Finanzen zuständig. Die zehn Provinzen Kanadas besitzen eine weitreichende Selbstverwaltung, z.B. in Schulwesen, Kulturpolitik, Gesundheitsversorgung und in der Nutzung der Bodenschätze. Dagegen werden die drei sehr dünn besiedelten Nordprovinzen noch überwiegend von Ottawa aus regiert.

Rohstoffe & Industrie

Kanada ist ungeheuer reich an Rohstoffen: Im uralten Gestein des Kanadischen Schilds, im Norden von Ontario, Québec und Labrador, lagern große Eisen-, Zink-, Nickel- und Goldvorkommen. Die Flüsse Québecs liefern schier unbegrenzt Energie. Doch Kanada versucht schon lange, von seiner traditionellen Rolle als Rohstofflieferant für die Weltwirtschaft wegzukommen. Die industrielle Produktion, deren Zentrum in Südontario rings um Toronto, Hamilton und Windsor liegt, macht heute bereits drei Viertel des Bruttosozialprodukts aus. Dennoch erscheint vielen Kanadiern der Rohstoffexport wie ein Ausverkauf des Landes. Strom aus Québec wird zu Niedrigpreisen an die USA verkauft, billiges Holz aus Ontario endet als Zeitungspapier auf den Frühstückstischen in aller Welt.

Tim Hortons

Vielleicht ist es der hohe Kalorienbedarf im kalten Winter. Vielleicht auch, dass man sich seit Pioniertagen gern auf einen Plausch trifft. Auf jeden Fall lieben die Kanadier Donuts - süße Kringel - und süßen Kaffee. Am liebsten von der urkanadischen Kette „Tim Hortons“, benannt nach einem beliebten Eishockeyspieler. Der süße Tipp: French Vanilla Coffee und Maple Glazed Donuts.