Reisetipps Dublin

Stadtspaziergänge Dublin

Auf der Spur irischer Freiheitskämpfer

Irlands Unabhängigkeit ist ein nicht zu übersehendes Thema in Dublin. Aus Sicht irischer Nationalisten wurde die Frage mit der Gründung des irischen Freistaats 1921 nur teilweise gelöst, denn die sechs nordirischen Grafschaften gehören bis heute zum Vereinigten Königreich. Museen, Denkmäler und Führungen halten dem Dublinbesucher die Ereignisse des Aufstands von 1916 und anderer Schicksalsjahre vor Augen. Der 1,5-stündige Spaziergang nimmt Sie mit auf Irlands Weg in die Unabhängigkeit.

In der Straßenmitte von College Green steht eine Statue von Henry Grattan. Er erreichte 1782 die Unabhängigkeit des irischen Parlaments von der Londoner Regierung. Mit erhobenem rechten Arm schaut er auf Trinity College, die alte Kaderschmiede der protestantischen Herrschaft über das mehrheitlich katholische Irland. Das Parlamentsgebäude zu Grattans linker Seite beherbergt heute die Bank of Ireland. Keine 20 Jahre dauerte die legislative Unabhängigkeit. Der Rebellion von 1798 folgte die erneute Angliederung des irischen an das britische Parlament.

Überqueren Sie College Green zur Bank hinüber, dann geht es nach rechts um das Gebäude, an der Ampel über die Westmoreland Street zur Statue von Thomas Moore (1779-1852), den Iren als ihren Nationaldichter feiern, und anschließend links zur O'Connell Bridge. Auf der Nordseite der Brücke steht das imposante O'Connell-Denkmal. Daniel O'Connell (1775 bis 1847), den sein Volk als Befreier und „ungekrönten König„ ansah, setzte die katholische Emanzipation durch. 1841 wurde er erster katholischer Bürgermeister Dublins. Die vier geflügelten Frauenfiguren um sein Standbild repräsentieren Irlands Provinzen. Eine der Skulpturen trägt seit dem Osteraufstand 1916 ein Einschussloch in der Brust.

Bleiben Sie südlich der Liffey und nehmen Sie rechts den Fußgängerweg direkt am Fluss zur nächsten Brücke, Butt Bridge. Hier überqueren Sie die Liffey, gehen nach rechts über die Straße und haben hinter der Eisenbahnbrücke einen herrlichen Blick auf die Fassade des Custom House. 1921 brannten Freischärler das Gebäude, in dem Teile der britischen Verwaltung saßen, nieder. Die braune Farbe des Turms, für den beim Wiederaufbau ein billigerer Stein verwendet wurde, ist das sichtbare Zeugnis davon.

Gehen Sie zurück unter die Eisenbahnbrücke, überqueren Sie die Uferstraße und gehen Sie einige Schritte weiter zur Statue von James Connolly. Der einstige Arbeiterführer schaut auf die 16-stöckige Gewerkschaftszentrale Liberty Hall. Pflug und Sterne hinter ihm symbolisieren Arbeit und Sozialismus. Connolly war Oberkommandant der Rebellion von 1916, und wurde bei der Besetzung des General Post Office (GPO) schwer verletzt. Er wurde in Kilmainham Gaol hingerichtet - gefesselt an einen Stuhl, weil er vor dem Erschießungskommando nicht mehr stehen konnte.

Überqueren Sie Beresford Place zur Abbey Street und zu dem vom Dichter William Butler Yeats mitbegründeten Abbey Theatre. Gegenüber markieren drei bronzene Köpfe auf kleinen Säulen die Stelle, an der 1848 die irische Nationalfahne erstmals enthüllt wurde. In der Trikolore steht Grün für Irland, Orange für die königstreuen protestantischen Oranier und Weiß für die Hoffnung auf Versöhnung zwischen beiden.

Biegen Sie rechts in die O'Connell Street ein. Dort stehen Sie bald vor dem Postamt General Post Office, Hauptquartier der Rebellen im Jahr 1916. Davor verlas der zum Präsidenten ausgerufene Patrick Pearse eine Unabhängigkeitserklärung. Am Ostermontag verbarrikadierte sich im GPO eine kleine Truppe und hielt dort vier Tage lang aus, zuletzt in brennenden Ruinen unter Artilleriebeschuss. Die Überlebenden flüchteten entlang der Henry Street (am GPO links abbiegen) und der Moore Street (rechts). Die Gasse rechts am nördlichen Ende der Moore Street kurz vor der Stelle, an der die Rebellen kapitulierten, heißt O'Rahilly Parade. An der Mauer erinnert eine Tafel an den Rebellen Michael O'Rahilly und den letzten Brief, den der tödlich Verwundete hier an seine Frau schrieb: „Es war jedenfalls ein guter Kampf. Auf Wiedersehen, Liebste„. Militärisch war der Aufstand 1916 unbedeutend, aber die Härte der Vergeltungsmaßnahmen machten die Rebellen zu Märtyrern, das GPO zu einem Schrein der Nation und den Kampf um die Unabhängigkeit zu einer Bewegung mit breiter Unterstützung in der Bevölkerung.

Händler, Heilige und Wikinger

Über Jahrhunderte hinweg verlagerte sich die Stadtmitte Dublins weiter nach Osten. Der 2,5-stündige Spaziergang zu den Anfängen der Hauptstadt führt durch The Liberties, wo das Leben in einem anderen Rhythmus verläuft als in der schicken Stadtmitte, und endet im ehemaligen Händler- und heutigen Ausgehviertel Temple Bar.

Die Tour beginnt in St. Patrick's Park, wo Rasen und Blumenrabatten den hübschen Rahmen zum Blick auf die Kathedrale bilden. An einem Brunnen in der Südwestecke des Parks soll der Nationalheilige Patrick Mitte des 5. Jhs. Menschen zum Christentum bekehrt und getauft haben. Die Kathedrale entstand auf einer Insel im heute unterirdischen Fluss Poddle, dessen dunkles Wasser einen „schwarzen Pfuhl„ bildete, auf Gaelisch Dubh Linn, und der der Stadt damit ihren Namen gab. Werfen Sie noch einen Blick in den Innenraum der Kathedrale, bevor Sie die Patrick Street überqueren und über Hanover Lane die Francis Street mit ihren Antiquitätenhändlern erreichen. Dort finden Sie verlockende Geschäfte mit Keramik, Uhren und vielem mehr, aber der Weg führt weiter nach rechts in Richtung Norden. Rechts sehen Sie die 1832 vollendete Church of St. Nicholas, die erst nach der Abschaffung antikatholischer Gesetze im Jahr 1829 entstehen durfte. Etwas weiter sehen Sie das verzierte Backsteinmauerwerk des 1907 errichteten Iveagh Market, der auf Restaurierung und neue Nutzung wartet. Gegenüber liegt das Tivoli Theatre, an der Ecke zum Cornmarket gibt es im Caffé Noto guten Kaffee.

Dieser Stadtteil, The Liberties, befindet sich im Wandel. Die kleinen Läden an der Thomas Street und Meath Street richten sich an Leute mit einem bescheidenen Einkommen. Studenten des nahen College of Art and Design verleihen dem Viertel ein kreatives Flair, und auch der Einfluss von Zuwanderern aus Osteuropa macht sich bemerkbar. Bei einem Abstecher nach links zur künstlichen Felsgrotte hinter der Kirche St. Catherine's in der Meath Street und zum kitschig-bunten Interieur der Augustinerkirche in der Thomas Street erleben Sie, wie hier die Volksfrömmigkeit zum Ausdruck kommt.

Über Cornmarket geht es nach Osten. Rechts an der Ecke zu Lamb Alley sehen Sie ein erhaltenes Stück der mittelalterlichen Stadtmauer. In der nächsten Gasse rechts, Back Lane, steht nach 100 m links Taylor's Hall, ein charmanter Backsteinbau von 1706. Das Zunfthaus der Schneider ist ein seltenes Überbleibsel aus alter Zeit im ehemaligen Handwerkerviertel.

Überqueren Sie an der Ampel die Kreuzung zur Kirche St. Audouen an der Nordseite der High Street. Der Straßenzug Cornmarket, High Street bis östlich zur Dame Street markiert die Anhöhe, auf der im 10. Jh. Wikinger eine Handelssiedlung gründeten. Die Höhenlage wird deutlich, wenn Sie den Weg zwischen St. Audouen und der Grünanlage an seiner Westseite nehmen. Zwischen hohen Steinmauern geht es herunter zum Stadttor von 1275, St. Audouen's Gate, und dem 100 m langen erhaltenen Stück der Stadtmauer. Folgen Sie der Cook Street nach rechts und überqueren Sie die Winetavern Street. Das Bürohaus der Stadtverwaltung steht an der Stelle der einstigen Wikingersiedlung. Vor dem Bau bargen Archäologen hier lauter Dinge des Wikingeralltags - Haushaltsgeräte, Werkzeug, Kämme, Münzen -, die heute im National Museum zu sehen sind. Die Essex Street führt weiter zu den Gassen von Temple Bar, einst das Viertel der Kaufleute.

In Dublins Alltag schnuppern

Bei diesem etwa einstündigen, aber ausdehnbaren Spaziergang erleben Sie die eher untouristische Seite der Stadt: eine ganz normale Einkaufstraße, den Großmarkt, das Geschehen um die Gerichte und Pfarrkirchen. Die Vormittagsstunden eignen sich am besten, um diese lebendigen Viertel zu erleben.

Die Tour beginnt in der Capel Street. Dorthin gelangen Sie von O'Connell Street über die Henry Street und Mary Street in Richtung Westen, von Temple Bar über die Parliament Street und Grattan Bridge oder mit der LUAS zur Haltestelle Jervis. Capel Street bietet eine herrlich vielfältige Mischung von Geschäften: Es gibt Läden für neue Kleider und für Secondhand-Mode, eine Computer- und eine Zoohandlung, Schickes und Schäbiges. Irische Händler nutzen einen Kinderwagen als mobilen Marktstand für Obst, polnische und koreanische Verkäufer bieten Lebensmittel an, die ihre Landsleute sonst in Irland vermissen müssten. Wenn Sie Capel Street zwischen dem Liffey-Ufer und Parnell Street hinter sich gelassen haben, geht es über Little Mary Street zum Großmarkt. Korinthische Säulen verzieren den Eingang der schönen alten Halle. Vorsicht: Hier gibt es rabiate Gabelstaplerfahrer! Spazieren sie beherzt, aber achtsam zwischen den Ständen mit Obst, Gemüse und Blumen herum. Auf der anderen Seite der Markthalle sind es nur wenige Schritte bis zu den Four Courts, wo Rechtsanwälte in Robe zu ihren Gerichtsterminen eilen und nervöse Prozessbeteiligte vor der Verhandlung noch schnell eine Zigarette rauchen. Hier kommen auch wichtige und Aufsehen erregende Fälle vor Gericht: Die markante Kuppel der Four Courts taucht immer wieder in den Fernsehnachrichten auf.

Wer noch mehr Sightseeing im Sinne hat, läuft von hier aus weiter in Richtung Westen zur St. Michan's Church oder zur Jameson Destillerie. Die Tour aber biegt hinter den Four Courts nach links in die Church Street und überquert die Liffey auf der Father Matthew Bridge. Der mit dem Brückennamen geehrte Pater predigte im 19. Jh. Abstinenz. Wenn Sie sein Anliegen unterstützen wollen, gehen Sie südlich der Brücke an Dublins ältestem Pub, The Brazen Head, einfach vorbei und biegen von der Bridge Street nach rechts in Wormwood Gate. Von dort geht es sofort nach links, dann rechts und wieder links in die John Street und zur wunderschönen Augustinerkirche in der Thomas Street, wo der Spaziergang endet. Hier - in Riechweite der Guinness-Brauerei - sind Sie in The Liberties, immer noch das Dublin der einfachen Leute. Wer unermüdlich ist, erreicht von hier aus zu Fuß das Guinness Storehouse oder über Francis Street die St. Patrick's Cathedral. Verschiedene Buslinien führen zur Stadtmitte zurück.