Reisetipps Bayerischer Wald

Ausflüge & Touren Bayerischer Wald

Durch den Gläsernen Wald

Reich an Einblick und Aussicht ist die Reise auf einem Teilstück der 250 km langen Glasstraße durch das Glasmacherland in Oberpfälzer und Bayerischem Wald. Glasmacherland deshalb, weil die Produzenten in den Waldgebirgen ihre Rohstoffe in Fülle fanden: Quarzsand, Holz und Pottasche als Glasflussmittel. Die Eintagestour ist etwa 175 km lang.

In Passau, dort im Glasmuseum mit der weltweit größten Sammlung böhmischen Glases, beginnt die Route. Gleich daneben, im Alten Rathaus, erzählen prachtvolle Glasfenster Stadtgeschichte. Von der Altstadt über die Hängebrücke erreichen Sie nach 27 km auf der B 12 Waldkirchen an einem Goldenen Steig, den Säumer-Handelswegen für Salz und Glas, worüber dort ein Museum informiert. Über Freiung geht es weiter nach Kreuzberg, einst Hochburg der Hinterglasmalerei. Die original Glas-Themenroute führt gen Nordwesten über Mauth, Glas- und Weidhütte nach Spiegelau. Alternativweg für die rund 24 km ist die B 533 nach Grafenau. Dort nehmen Sie die Ausfahrt ins glasgeschichtlich altehrwürdige Spiegelau mit Mundglasbläsern und dem glasindustriell innovativen Nachbarort Riedlhütte. Hier kann man bei Glasscherben Köck (Forsthausstr. 2) am Ofen mitarbeitenden und den „Glasscherben Gesellenbrief“ erwerben.

13 km sind es noch bis nach Frauenau, dessen neues Glasmuseum eine weltumspannende Zeitreise durch die Kulturgeschichte des Glases bietet. Nach knapp 7 km steht noch Zwiesel an, dessen 1872 gegründete „Vereinigte Zwieseler und Pirnaer Farbenglaswerke“ um 1900 Hauptlieferant für Butzen-, Mosaik- und Kathedralglas waren. Am Waldrand liegt versteckt in der Rotwaldsiedlung die Rotwaldglashütte, ein Familienbetrieb mit Hüttenstube; unübersehbar ist dagegen die Schauglashütte Ambiente am Stadtrand. Für den Rückweg bietet sich die B 85 an: Über Regen mit seinem gläsernen Kunstwald an der Burgruine Weißenstein sind es noch rund 60 km zurück nach Passau.

Die Osser Panoramarunde

Teilweise anspruchsvoll und steil, aber mit herrlichen Ausblicken auf das Grüne Dach Europas ist dieser etwa vierstündige Rundweg zu den Zwillingsgipfeln Großer (1293 m) und Kleiner Osser (1266 m). Wer mag, kann in der Osserschutzhütte sogar übernachten.

Ausgangspunkt zu Großem und Kleinem Osser ist der in Lam nicht ganz leicht zu findende Sattel-Parkplatz. In der Ortsmitte geht es - leicht zu übersehen - rechts ab nach Lambach, auf halbem Weg wieder rechts zum Parkplatz „Sattel“ (920 m). Der von dort aus gut beschilderte Weg auf den Großen Osser (1-1,5 Std.) ist teilweise steil und schwierig, zuletzt steinig. Doch der Panoramablick am Gipfelkreuz über Bayerischen und Böhmerwald lohnt die Mühe. Zudem gibt es in der knapp noch nicht auf tschechischem Boden stehenden Osserschutzhütte mit Übernachtungsgelegenheit (Tel. 09943/777 | Mai-Okt. und 20. Dez.-10. Jan.) Stärkung. Verschiedene Wege führen rund 60 m abwärts zu einem Forstweg und im letzten Stück wieder steil und steinig auf den Kleinen Osser (ca. 15 Min.), von dem Sie einen nahezu grenzenlosen Blick auf Lam und in den Lamer Winkel genießen können. Über die Osserwiese führt dieser Rundweg zurück zum Sattel-Parkplatz.

Zur Quelle unter Glas

Beschaulich bis besinnlich ist diese etwa zwei Stunden dauernde, gut 6 km lange Wanderung zur Brudersbrunn-Wallfahrtskapelle und zum Aussichtsstein auf dem Grafenauer Themenwanderweg „Dreifaltigkeit“, dessen Motto die Zahl 3 ist.

Der Themenweg beginnt bei der Spitalkirche in Grafenau, führt auf der Spitalstraße zum Salzstadel und nach Frauenberg. Am Hohlweg (hinter Auto Röhr), der in einen ausgebauten Forstweg übergeht, beginnt der informativ und gut beschilderte Kreuzweg (1er-Markierung) zur Brudersbrunnkapelle. Sie steht für den gescheiterten Selbstmordversuch des Bauern Ambros Roth. Er ertrug sein Fieber nicht mehr, wollte sich in der Kleinen Ohe ertränken. Es misslang. Ja: Er genas. Da gelobte der Ambros 1704, ein Bild zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit zu stiften. Eine Kapelle entstand, daraus wurde eine kleine Kirche, später ergänzt mit dem Kreuzweg.

Neben der Kapelle, deren Vorplatz aufwendig mit Sitzen aus Holz auf Granitblöcken als Vielzweckarena für Andachten, Theater und Konzerte gestaltet ist, sprudelt die Brudersbrunn-Quelle unter einer Glasplatte, verziert mit einer 3 und dem Trinitätssymbol. Der Name geht auf die heidnische Sage von den drei gräflichen Brüdern zurück, die sich nach einem Krieg hier gesund wieder getroffen und umarmt haben sollen. Das Quellwasser, dem Heilkräfte nachgesagt werden, fließt in ein Granitbecken. Von hier sind Sie auf dem Meditationsweg (2er) binnen weniger Minuten beim Aussichtsstein zum Panorama von Vorwald und Brotjacklriegel. Über den Brudersbrunn-Parkplatz kommen Sie nach Schlag (Brudersbrunn-Straße), von wo sich Grafenau mit den Gipfeln von Rachel und Lusen von seiner besten Seite präsentiert. Über Schärdinger Straße und Kellerbergstraße geht es zurück in die Spitalstraße.

Von Cham nach Furth im Wald

Auf dem familienfreundlichen Chambtal-Radweg (20 km) per Fahrrad unterwegs.

Über diese einfache Tagesroute scherzen die Einheimischen seit Generationen mit folgendem Wortspiel: „Als ich nach Cham kam, war der Zug nach Furth furt.“ Fahrplanunabhängig radeln Sie von der Kreisstadt Cham durch das so malerische wie geschichtsträchtige Chambtal in die Drachenstich-Stadt. Unterwegs zwischen Bayern und Böhmen, wählten Kaiser und Könige, Heereszüge und Handelskarawanen den Weg durch dieses Tal, die Further Senke. Über die Fortsetzung der Radreise bis Prag und Pilsen informiert die Touristinfo Furth im Wald (Schlossplatz 1 | Tel. 09973/50980 | www.furth.de).

Himmelsleitern und Ochsenklaviere

Bayerischer Wald, wie er am natürlichsten ist: der teilweise steile Winterweg vom Lusenparkplatz bei Waldhäuser zum Lusenschutzhaus. Verlängerung: für Geübte in fünf bis sechs Stunden hinüber zum Rachel.

Himmelsleitern heißen die steilen, dafür kurzen Wanderwege hinauf zum Arber und Lusen. Länger als es braucht, um wieder zu Atem zu kommen und die Schweißperlen zu trocknen, entschädigt der Ausblick auf das Grüne Dach Europas, der bei optimalem Wetter bis zu den Alpen reicht. Der Wanderpfad ab Lusenparkplatz führt an Grotten und Granitfels vorbei über Holzstege, die hier Ochsenklaviere heißen. Das kommt angeblich vom Klang der Rinderklauen, wenn kleine Herden beim Viehtrieb über die Planken trabten, die über morastige Stellen gelegt waren. Noch etwa fünf Minuten vom Gipfel entfernt, hält die Lusenhütte Brotzeit bereit. Der Lusengipfel lässt Sie auf die Wasserscheide zwischen Donau/Schwarzes Meer und Moldau/Nordsee blicken.

Nur wenige Touristen entdecken den Verbindungsweg zwischen Rachel und Lusen. Das ist eine anspruchsvolle, etwa fünfstündige Bergstiefel- oder im Winter Skilanglauftour, einsam und auf einem alten Grenzweg durch die Schutzzone im Kerngebiet des Nationalparks. Nachteil: Bei Konditionsmängeln oder Schlechtwettereinbruch gibt es keine Alternative nach unten; man muss da durch. Und gelangt zum gastfreundlichen Rachelschutzhaus (Waldschmidthaus | Tel. 0172/7850362 | Tel. 0171/5234051 | www.waldschmidthaus.eu | Mai-Okt.). Nächstgelegener Parkplatz: Gfäll für die Abfahrt nach Spiegelau, ca. 3 km entfernt und in einer Stunde bergab bequem zu erreichen.

Immer lohnt ein Abstecher zum Rachelsee (vom Rachelgipfel steiler Abstieg, Dauer knapp 1 Std.) mit seiner Holzkapelle. Vom Schutzhaus gelangt man zur Racheldiensthütte auf 876 m oder aber - mit guter Kondition in mindestens 2,5 Stunden - nach Waldhäuser: von der Diensthütte zur Fredenbrücke weiter hinauf nach Waldhäuser. Die schönere Alternative: zurück auf den Rachelgipfel, hinab zum Rachelsee, von dort rund 100 Höhenmeter nach oben zur Felsenkanzel - und Sie sind wieder auf dem Horizontalsteig zum Lusen, von welchem Sie noch ca. 30 Minuten hinunter nach Waldhäuser gehen.

Bootstour mit dem Fahrrad

Durch das Untere Inntal bei Passau führt diese Eintagestour, die Drahteselreiten und Schifferlfahren gekonnt kombiniert. Ausgangspunkt ist der Parkplatz beim Kraftwerk Ingling innaufwärts und südwestlich der Bischofsstadt Passau.

Von dort radeln Sie über den Kraftwerks-Steg nach Österreich (Personalausweis einstecken!) und an dessen Innufer komfortabel und eben auf einem ausgebauten Weg durch den Sauwald flussaufwärts in maximal einer Stunde nach Wernstein. Weiter geht es rund 30 Minuten auf einer verkehrsarmen, aber bergigen Straße in die mittelalterliche Wehr- und Barockstadt Schärding mit ihrem geschlossenen Häuserensemble um den Stadtplatz im Zentrum. Zünftige Einkehr bietet das Bums'n (Denisgasse 8 | Tel. 0043-7712/3061 | www.bumsn.at | So geschl. | €), Musikkneipe und Bräustüberl, das seinen Namen vom Rollen der Bierfässer vom Pferdegespann in die Gaststube hat, wo sie gegen den Tresen bumsten. An der Anlegestelle der „MS Gerda“ mit Holzhüttenaufbau beginnt ab 9 Uhr der bequeme Teil dieser Tour (tgl. außer Mo | Fahrplan: www.innschifffahrt.at). Der Fahrradtransport ist kostenlos, Erwachsene zahlen 10 Euro, Kinder 4 Euro. Wer mag, kann in Ingling aussteigen und die Tour so beenden. Das größere Erlebnis ist, das etwa zweistündige Innschippern auszukosten und von Schärding aus zurückzuradeln. Sie wechseln dafür über die Innbrücke ans deutsche Ufer, biegen gleich nach dem alten Zollhaus rechts ab, am Ufer entlang nach Vornbach, wo Sie die Kirche (frühes Rokoko) des ehemaligen Klosters gesehen haben müssen. Der Radweg bringt Sie zurück zum Inn. Nach etwa 1 km wird der Waldweg kurz supersteil - Ungeübte sollten hier schieben. An Neuburg vorbei gelangen Sie wieder zurück nach Ingling.