Reisetipps Barcelona

Stichworte Barcelona

Design

Barcelonas Ruf als internationale Designmetropole (mit Stargestaltern wie Mariscal oder Oscar Tusquets) scheint gefestigt. Glücklich überstanden ist der Boom der 80er- und frühen 90er-Jahre, als es hieß: Design oder Nichtsein, ob in Kultur- oder Kleiderfragen, Restaurants oder Diskotheken. Design wurde schnell zum Symbol für Image und Identität der schönen neuen und endlich modernen Welt nach Franco. Inzwischen hat sich der ästhetische Erneuerungsrausch beruhigt. Die Folgen sind indes noch spürbar: etwa wenn es Sie auf einen der preisgekrönten, aber oft schrecklich unbequemen Barhocker verschlägt mit bezeichnenden Namen wie „Frenesí“ („Wahnsinn“). Das Schlimmste scheint nun jedoch vorüber. Es setzt sich allmählich die Einsicht durch, dass ein Gegenstand nicht nur schön sein sollte und möglichst ausgefallen, sondern auch brauchbar und bequem.

Antoni Gaudí

Entweder er sei ein Genie oder ein Verrückter, räsonierte einer seiner Lehrer über den jungen Architekturstudenten Gaudí. Wer die Bauten des 1852 in Reus bei Tarragona als Sohn eines Kupferschmiedes geborenen Baumeisters und Kunsthandwerkers besichtigt, kommt möglicherweise zu dem Schluss, dass beides zutrifft. Tatsächlich entfernte Gaudí sich schnell von den Pfaden der schulmäßigen Architektur seiner Zeit. Die organisch-wuchernden Formen seiner Gebäude, die phantastischen Farben, die plastische Kraft und die überbordende Phantasie seiner utopischen Entwürfe stießen viele Zeitgenossen vor den Kopf. Kaum verwunderlich, dass es ihm zeitlebens an offiziellen Aufträgen und Preisen mangelte. Dafür erkannten private Mäzene wie Eusebio Güell sein Genie und förderten Gaudís Werk - Parc Güell, Palau Güell und Casa Milà gehören heute zum Welterbe der Uneso.

Das Leben Gaudís war voller Widersprüche. So stand er als junger Mann im Ruf eines lebensfrohen Dandys, der sich für revolutionäre Ideen oder atheistische Zirkel begeisterte. Trotzdem baute er seit seinem 31. Lebensjahr an der unvollendet gebliebenen Kirche Sagrada Família. Im Alter widmete er sein ganzes Schaffen dem Kirchenbau, lebte zunehmend asketisch und gottesfürchtig. 1926 wurde der „Dante der Architektur“ von einer Straßenbahn überfahren.

Modernisme

Der modernisme, die Ende des 19. Jhs. einsetzende katalanische Variante des europäischen Jugendstils, war nicht nur Ausdruck einer Rebellion gegen Geometrie und Geradlinigkeit der Industriegesellschaft. Vor allem bot er dem Lebensgefühl des aufstrebenden Bürgertums einen passenden ästhetischen Rahmen. Die betuchte, aber von Madrid politisch gegängelte katalanische Bourgeoisie fand in den dekorativ-überbordenden Entwürfen ein wirksames Mittel zur öffentlichen Selbstinszenierung - und einen eigenen nationalen Stil, der das wiedererwachende Selbstbewusstsein der Katalanen spiegelte.

Die Bewegung erfasste nicht nur die Architektur, sondern alle gestalterischen Bereiche, ob Möbel, Keramik, Schmuck oder Schmiedeeisen. Hauptvertreter waren Josep Puig i Cadafalch, Lluís Domènech i Montaner und Antoni Gaudí. Einen Überblick können Sie sich auf der vom Fremdenverkehrsamt entworfenen Ruta del Modernisme (www.rutadelmodernisme.com) verschaffen. Sie führt zu mehr als 100 bedeutenden Sehenswürdigkeiten des katalanischen Jugendstils.

Rumba

Wenn Ihnen jemand von der rumba catalana vorschwärmt, will man Sie nicht etwa auf den Arm nehmen: Die Mittelmeermetropole ist tatsächlich eine Hochburg karibischer Rhythmen. Die katalanische Version der Rumba entstand in den 50er-Jahren. Damals traten die Großen der kubanischen Musik am „Broadway Barcelonas“ auf, der heute eher heruntergekommenen Avinguda del Parallel. Dabei trafen Kubas Künstler auf die katalanischen gitanos, und es begann eine wunderbare musikalische Fusion aus Flamenco und Rumba. Als die Kubaner nach und nach wieder verschwanden, gehörte die rumba catalana längst zur Musikkultur der hier lebenden gitanos. Einen „fröhlichen Gedanken, den man tanzen kann“, nannten sie die multikulturelle Errungenschaft, die bis heute das musikalische Lebensgefühl prägt.

Seny und Rauxa

Nicht nur die Stadt ist von reizvollen Kontrasten geprägt - auch Charakter und Lebensgefühl ihrer Bewohner werden durch zwei völlig gegensätzliche Eigenschaften bestimmt. Einerseits neigen die Katalanen zu gesundem Menschenverstand, Gemein- und Geschäftssinn, zu Strebsamkeit und Disziplin (was ihnen die nicht unbedingt freundlich gemeinte Bezeichnung als „Preußen Spaniens“ einbrachte). Andererseits kann all die Vernunft plötzlich umkippen in einen irrationalen Zustand rauschhafter Erregung: seny und rauxa (sprich: rauscha) heißen diese beiden Extreme. Sie brachten den wirtschaftlichen Wohlstand der Region hervor und Künstlergenies wie Salvador Dalí und Joan Miró, den politischen Pragmatismus ebenso wie große Anarchistenaufstände. So lebt in den Katalanen bis heute eine uralte Sehnsucht nach Europa, nach „dem Norden“ - und gleichzeitig eine zutiefst mediterrane Mentalität.

Siesta

Im schönen neuen Barcelona ist nicht mal der Mittagsschlaf mehr das, was er einst war. Moderne Katalanen haben für die berühmte Siesta kaum noch Zeit. Also hat man sich etwas einfallen lassen zur Rettung der Tradition: Erschöpfte Aktentaschen- und Anzugträger, die es mittags nicht bis zur heimischen Couch schaffen, können das gesundheitsfördernde Nickerchen nun auch - gegen Entgelt - in eigens dafür eingerichteten Siestasalons halten. Damit sie wieder fit sind für den globalen Wettbewerb.