Reisetipps Amsterdam

Stadtspaziergänge Amsterdam

Entdeckungstour durch die hofjes des Jordaan

Hinter manch einer unscheinbaren Haustür in Amsterdam versteckt sich eine kleine Welt für sich: ein hofje. Wer sich hineinwagt, findet sich zunächst in einem winzigen, dörflichen Innenhof wieder. Darum scharen sich meist windschiefe Häuser und liebevoll bepflanzte Vorgärtchen. Auf einem rund zweieinhalbstündigen Spaziergang durch den volkstümlichen Jordaan können Sie einige dieser Minioasen erkunden.

Hofjes gibt es nicht nur im Jordaan. Das bekannteste Beispiel, der Begijnhof, liegt mitten in der Amsterdamer Innenstadt. Aber nirgends sind so viele Wohnhöfe erhalten wie in dem früheren Armenviertel. Ursprünglich wurden sie von reichen Kaufleuten als Armen- oder Altenwohnheime gestiftet, in denen die Bedürftigen gratis wohnen durften. Heute befinden sich in den lauschigen Oasen meist Mietwohnungen. Während der Woche sind die Eingangstüren zu den hofjes tagsüber geöffnet. Nehmen Sie aber bitte etwas Rücksicht auf die Privatsphäre der Bewohner!

Die Erkundungstour beginnt in der Elandsstraat, die Sie mit den Tramlinien 6, 10 oder 17 erreichen. Bei Hausnummer 104-142 versteckt sich hinter einem Eingangsgebäude aus dem 19. Jh. das 1650 gegründete Venetiaehofje. Um einen kleinen, zugewucherten Garten mit einer alten Laterne scharen sich niedrige Häuschen, in denen zunächst arme Wit- wen und „alte Jungfern“, später auch aus Frankreich geflüchtete Hugenotten wohnten.

Durch das 1904 errichtete Hinterhaus führt ein Gang auf die Lauriergracht, die in die Prinsengracht mündet. Genau an dieser Stelle befindet sich auf der gegenüberliegenden Grachtseite das Nieuwe Suykerhofje (Prinsengracht 385-393) - auch wenn man davon von außen nichts vermutet. Die rechte Eingangstür eines Herrenhauses entpuppt sich als Tor zu einer engen Gasse, in der man auf ein Gatter stößt. Dahinter liegt das winzige hofje, das 1755 von einem reichen Zuckerbäcker für katholische Witwen gegründet wurde.

Weiter geht es entlang der Prinsengracht und durch einige typische, pittoreske Jordaan-Gassen in die Egelantiersgracht. Dort sollten Sie keinesfalls das Sint Andrieshofje verpassen. 1614 gegründet, ist es das älteste hofje Amsterdams nach dem Begijnhof. Wie die meisten ist es an der langen Reihe von Hausnummern an der Pforte zu erkennen: 105-141. Besonders schön sind die blau-weißen Delfter Kacheln im Eingang dieses Innenhofidylls. Dahinter wartet ein gepflegtes Gärtchen mit einer Wasserpumpe aus dem 18. Jh.

Ein weiteres hofje versteckt sich in der 1e Egelantiersdwarsstraat 1-5; es dient heute als Studentenwohnheim. Auf dem Weg dorthin bietet sich eine Pause im Café t'Smalle an der Ecke zur Prinsengracht an, dessen hölzernes Interieur noch komplett von 1780 stammt.

Durch die 2e Tuindwarsstraat geht es in die Tichelstraat und weiter in die Karthuizerstraat. Hinter der uniformen Backsteinfassade von Nr. 13-21 liegt der Karthuizerhof, ein unerwartet schönes, großes hofje mit zwei alten Brunnen und hohen Bäumen.

Durch die Lindenstraat gelangt man zur Noorderkerk, die für das geistige Wohl der protestantischen Jordaan-Bewohner sorgte. Die meisten katholischen hofjes verfügten dagegen über eine eigene Kapelle. So auch das Van Brienenhofje an der Prinsengracht 89-133. Erst 1804 gestiftet, ist es vergleichsweise jung und sehr groß. Noch heute wohnen in diesem noblen hofje katholische Seniorinnen.

Durch die malerische Brouwersgracht geht es in die (zugeschüttete) Palmgracht, wo noch ein letztes hofje wartet. Es ist an einem Giebelstein mit einer Rübe über dem Torbogen zu erkennen. Dahinter liegt das niedliche Raepenhofje (Eingang nebenan durch die Tür des Bossche Hofje). Hier, im nördlichsten Zipfel des Jordaan, endet der Spaziergang. Von der Haltestelle Nassaukade kann man mit der Tram 10 zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Rundgang über die westlichen Hafeninseln

Nah am Zentrum liegt eine der schönsten unbekannten Gegenden Amsterdams. Die ehemaligen Hafeninseln im Westen der Innenstadt haben noch immer das Flair eines Seefahrerviertels: Historische Lagerhäuser, rostige Lastkähne, Werkstattschuppen und pittoreske Holzbrücken bestimmen das Bild. Dauer des Rundgangs: ca. 1,5 Stunden

Die drei Hafeninseln wurden zu Beginn des 17. Jhs. zeitgleich mit dem Grachtenring angelegt. Ursprünglich wurden alle Betriebe auf die Inseln verbannt, die für die vornehme Innenstadt zu viel Lärm oder Gestank machten. Teer- und Salzsiedereien, Seilereien, Werften und Fischverarbeitungsbetriebe siedelten sich am Wasser an, dahinter wurden Lagerhäuser und bald auch Wohnhäuser für Arbeiter und Seeleute errichtet. Heute sind fast alle ehemaligen Werkstätten zu begehrten Wohnungen und Künstlerateliers um- funktioniert worden.

Man erreicht die Inseln vom Haarlemmerdijk aus. Geht man unter dem Bahnviadukt hindurch, steht man zunächst am Hafenbecken des Westerdok. Entlang der Blokmakerstraat und über den Hendrik Jonkerplein erreicht man die Bickersgracht. Alte Backsteinhäuser, Kopfsteinpflaster und überwucherte Grachtengärten machen den nostalgischen Charme der Straße aus.

Auf der anderen Seite der Gracht liegt das Prinseneiland, das von schönen Lagerhäusern gesäumt wird; man erreicht es über eine kleine Brücke. Die Namen der Lagerhäuser - De Windhond, De Teerton oder De Witte Pelicaan - werden von hübschen Giebelsteinen illustriert oder stehen in schnörkeliger Schrift auf die Fensterläden geschrieben.

Über die Drieharingenbrug erreicht man das Realeneiland. In der Realengracht, deren Ufer von kleinen Werftbetrieben gesäumt ist, dümpeln viele zu Hausbooten umfunktionierte Lastkähne. Gleich um die Ecke liegt der Kai Zandhoek. Vom Wohlstand mancher Händler, die hier wohnten, zeugt eine Reihe prachtvoller Grachtenhäuser. Im letzten Haus, dem Gouden Reael, befindet sich ein nettes Café-Restaurant.

Entlang der Bickersgracht gelangt man zurück zum Hendrik Jonkerplein und unter dem Bahnviadukt hindurch auf den Haarlemmerdijk. Hier kann man zum Abschluss noch ein wenig in den kleinen Läden stöbern oder einen Kaffee trinken.

Spaziergang über die östlichen Hafeninseln

Von den künstlichen Inseln Java, KNSM und Borneo-Sporenburg fuhren früher die Ozeandampfer nach Übersee ab. Nach dem Ende der Passagierschifffahrt und dem Wegzug des Hafens lagen sie lange brach. Erst in den Neunzigerjahren wurden sie wiederentdeckt und haben sich seither zu einem angesagten, jungen Wohnviertel mit viel experimenteller Architektur, aber auch einigen Überbleibseln aus der Hafenzeit entwickelt. Auf diesem zweieinhalbstündigen Spaziergang bekommen Sie ein paar Eindrücke von diesem Trendviertel.

Seit 2005 verbindet die neue Tramlinie 26 die Inseln mit dem Hauptbahnhof. Von der Haltestelle Rietlandpark führt der Weg zwischen dem imposanten Lloyd Hotel, 1918 als Emigrantenheim der gleichnamigen Schifffahrtsgesellschaft errichtet, und deren Quarantänegebäuden hindurch zum IJ-Hafen. Dort bekommt man einen ersten Überblick über die Inseln und ihre neue Architektur. Über das Wasser hinweg sieht man Java-Eiland mit seinen abwechslungsreichen, urbanen Wohnhäusern und KNSM-Eiland mit seiner Mischung aus großen Wohnblocks und pittoresken Hausbooten.

Spaziert man an einem sonnigen Tag über die Inseln, erfährt man den ganzen Charme dieser Mischung. Hinter dem weißen IJ-Turm taucht der Wohnblock Walfisch auf, dessen Zinkfassade in der Sonne glitzert. Dahinter liegt die Halbinsel Sporenburg mit ihren niedrigen Reihenhäusern aus dunklem Backstein. Aus der Not haben die Architekten eine Tugend gemacht: Die Insel sollte sehr dicht, aber niedrig bebaut werden. Daraus entstand ein ganz neuer, nach innen gerichteter Haustyp mit Dachterrassen und Innenhöfen. Abgesehen von den Blumenkübeln und Bänkchen vor den Häusern gibt es keine Gärten - das Wasser der Hafenbecken ersetzt den fehlenden Grünraum. Fast jeder, der hier wohnt, besitzt ein kleines Boot. Von der expressiv geschwungenen, knallroten Brücke, die über das Spoorwegbassin nach Borneo führt, hat man einen guten Überblick und sieht in der Ferne auch die großen Tanker Richtung Nordsee vorbeifahren.

Auf der anderen Seite erwartet Sie eine Besonderheit. In der Scheepstimmermanstraat hat die Stadt zum ersten Mal seit dem 16. Jh. Baugrund an Privatleute verkauft - eine große Ausnahme in den Niederlanden. Jeder Käufer konnte sich von einem Architekten seiner Wahl eine Reihenvilla errichten lassen. Viele entschieden sich für junge Architekten, und das Ergebnis ist höchst abwechslungsreich: Man spaziert entlang einer bunten Galerie von Architekturexperimenten. Besonders ungewöhnlich sind das Haus Nr. 120, in dem ein Baum wächst, und das rundum holzverkleidete Haus Nr. 62.

Über eine zweite, für Radfahrer gedachte und deshalb niedrigere rote Brücke gelangt man zurück zum Walfisch und von dort über den Verbindungsdamm auf KNSM, die Insel der Königlich Niederländischen Schifffahrtsgesellschaft. Sie wird beherrscht vom großen, skulpturartigen Wohnblock Piraeus von den deutschen Architekten Kollhoff und Rapp, der sich um einen kleinen Altbau legt. Wem nach einer Pause zumute ist, der findet im Piraeus-Block die netten Cafés Kanis en Meiland und Wereldbol. Von ihren Terrassen am Wasser kann man das Treiben auf den Decks der Wohnboote im Hafenbecken beobachten.

Westlich vom Verbindungsdamm grenzt KNSM- an Java-Eiland. Dort ist die Atmosphäre städtischer: Hohe Wohnhäuser säumen den meist ziemlich stark befahrenen Sumatra-Kai an der Nordseite der Insel. In ihrem Inneren verbirgt sich jedoch eine schöne, ruhige Grünzone, die nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich ist.

Entlang der kopfsteingepflasterten Javakade führt der Spaziergang zur Jan-Schaeffer-Brücke. Sie endet an der Oostelijke Handelskade unter einem alten Packhaus, das zum Kulturzentrum umgebaut wurde. Wer mag, kann entlang des fischförmigen Kreuzfahrtterminals und des Muziekgebouw zurück zum Bahnhof gehen. Alle anderen steigen an der Haltestelle Kattenburgerstraat wieder in die Straßenbahn.