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Reiseführer Yucatan:Auftakt

MARCO POLO Autor Manfred Wöbcke

Entdecken Sie Yucatan!

Über Florida verliert das Flugzeug an Höhe und beginnt bald darauf den Landeanflug auf Cancún. Palmenhaine und türkis glitzerndes Meer, weiße Strände und kleine Siedlungen rücken ins Blickfeld. Bienvenidos en Yucatán, willkommen in Yucatán! Schon der Name der Halbinsel zwischen dem Golf von Mexiko und dem Karibischen Meer weckt Assoziationen von Exotik und Ferienfreuden. In Cancún, auf einer schmalen Landzunge zwischen der Lagune Nichupté und der Karibik, wird der Traum von einem Leben in steter Sonne und unter Palmen Realität: Die Hotels sind luxuriös, die breiten Strände weiß, feinsandig und von Palmen bestanden, das Meer glitzert in allen Schattierungen zwischen Türkis und Dunkelblau.

Nirgendwo anders ist Mexiko so vielfältig: An der Karibikküste locken phantastische Strände, hell und feinsandig, von Palmen beschattet und mit Hotels und Pensionen jeder Preisklasse. Kleine, romantische Badeorte gibt es ebenso wie Weltklasseresorts in Cancún, kleine Inseln wie Cozumel oder Isla Mujeres und Ziele wie Playa del Carmen, das Familien wie junge Leute aus aller Welt gleichermaßen begeistert. Mit Chichén Itzá besitzt die Halbinsel eine der bedeutendsten Pyramidenstätten Mexikos, und der Besuch von faszinierenden Kolonialstädten wie Mérida oder Campeche ist ein weiterer Höhepunkt jeder Yucatánreise.

Von Cancún bis ins 130 km entfernte Tulum erstreckt sich die Riviera Maya: Badebuchten und -orte reihen sich aneinander, dazu locken zahlreiche Natur- und Nationalparks, in denen Tagesausflügler einen ersten Eindruck von Yucatáns Natur bekommen und zwischen prächtigen Fischschwärmen schnorcheln können. In Xcaret wie Xel-Ha bekommt man Meeresschildkröten zu sehen, Delphine und die großartigen Aras, Papageien, die noch immer die mittelamerikanischen Regenwälder bevölkern.

Viele Hotels greifen die traditionelle, landestypische Architektur auf: Die Gebäude sind selten höher als eine Palme, die Restaurants untergebracht auf offenen, mit Palmblättern gedeckten, hölzernen Terrassen. Mit natürlichen Materialien gebaute und in die Landschaft integrierte Hotels oder im spanischen Stil errichtete Gebäude unter Palmen lösen zunehmend die Betonbauten ab.

In Playa del Carmen fühlen sich junge Individualreisende wie Pauschalurlauber gleichermaßen wohl. In der 5a Avenida pulsiert das touristische Leben bis in die frühen Morgenstunden - hier trifft sich eine internationale Szene. Reggaeklänge ertönen jeden Abend: Unmittelbar am Traumstrand liegen Diskotheken, und wird es drinnen zu voll, weichen die Gäste in den Sand aus und tanzen barfuß unterm Sternenhimmel weiter.

Die nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegende Halbinsel ist geologisch gesehen eine flache Kalksteinscheibe. Obwohl es kaum Quellen und Flüsse gibt, herrscht kein Mangel an Wasser, denn im Karstsockel sammeln sich seit Jahrtausenden Grund- und Regenwasser und bilden unterirdische Ströme, Höhlen und Grotten. An manchen Stellen brach die dünne Kalksteindecke ein - dort wurde das Wasserreservoir für Menschen zugänglich. Cenotes nennt man diese natürlichen Wasserstellen, also Karst- oder Dolinenbrunnen.

Die Halbinsel ist groß: 140000 km2 , doppelt soviel wie Bayern. So verwundert es nicht, dass Sie neben Cancún und der Riviera Maya auch noch ein ursprüngliches Mexiko entdecken können. Ein anderes Yucatán erwartet Besucher schon auf der Isla Mujeres. Statt internationaler Kettenhotels gibt es hier kleine Gästehäuser und Pensionen. Für wenige Dollar kann man wohnen und essen. Abends trifft man sich zu einem Corona-Bier in der Strandbar, und auf die Speisekarte kommt der Fang des Tages.

Und auch jenseits der paradiesischen Strände, der nach europäischen und US-amerikanischen Vorstellungen gestylten Wohnwelten gibt es in Yucatán noch viel zu entdecken: Mexiko. Ein riesiges, fremdes Land voller schwer verständlicher Rituale und bizarrer Bräuche, laut und voller Leben, manchmal schmutzig und anstrengend. In den Städten und Dörfern leben noch heute Maya, die Nachkommen jenes präkolumbischen Volks, das lange vor der Ankunft der Spanier großartige bauliche Leistungen vollbrachte. Ein Volk, das stolz ist auf die prächtigen Hinterlassenschaften seiner Vorfahren und das mit seinen Traditionen lebt. Im Schnitt stellen indígenas, die indianischen Ureinwohner, in Mexiko nur 15-20 Prozent der Bewohner, in Yucatán sind es 30. Und Mestizen, also Nachkommen aus Verbindungen von Weißen und Indianern, bilden das Gros der Bevölkerung. Heute gehören die Maya, einst die Herren des Landes, zu den Armen und Benachteiligten.

Nach wie vor bewirtschaften die Menschen ihre Felder mit denselben Methoden wie ihre Vorfahren. Frühmorgens werden die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in die Dörfer gebracht. Auf den Märkten verkaufen Maya ihre Ernteerzeugnisse: vor allem Mangos, Papayas, Zwiebeln und Avocados.

Ein Sprung hinüber nach Campeche am Golf von Mexiko: In der Kolonialstadt an der Westküste der Halbinsel herrscht mexikanischer Alltag statt touristischer Betriebsamkeit. In den Cafés unter den Arkaden serviert man für ein paar Pesos ein üppiges mexikanisches Frühstück. Meterdicke Festungsmauern aus der Piratenepoche umschließen die Altstadt.

Viele Paläste der Kolonialzeit prägen das Gesicht von Mérida, Yucatáns stilvoller Hauptstadt, seit ihrer Gründung im Jahr 1542 das kulturelle Zentrum der Halbinsel. Noch um 1900 verzeichnete die Stadt mehr Dollarmillionäre als Paris oder New York. Reich wurden die Bürger Méridas durch den Anbau und den Handel mit Sisal. In den Boomjahren des sogenannten grünen Goldes von Yucatán entstanden prächtige Alleen und Stadtpaläste, riesige Haciendas vor den Toren Méridas. Mit der Entdeckung der Kunstfaser begann jedoch der Niedergang. Heute beherbergen viele ehemalige Paläste der Sisalbarone Konsulate, Hotels und Museen, und stillgelegte Haciendas wurden zu Luxuswohnanlagen umgebaut.

Um die Halbinsel in all ihrer Vielfalt kennenzulernen, müssen Sie viel unterwegs sein. Die beste Zeit dafür ist der europäische Winter: In diesen Monaten ist das Klima für Europäer gut verträglich, und am Meer sorgt eine stete Brise für Abkühlung.

In den Sommermonaten wird es dagegen unerträglich schwül und heiß, und wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, wird bald kapitulieren. Im Landesinneren, bei den Pyramidenstätten, scheint die Luft zu stehen, und nur am Pool der Hotels und in den klimatisierten Zimmern ist es auszuhalten. Das sollte man berücksichtigen, wenn man eine Reise nach Yucatán plant und sich die lange (und nicht eben billige) Anreise auch lohnen soll.

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"Verde arriba!", das "Grüne nach oben", hörte der Autor einen Agrarexperten vor Jahren bei Aufforstungsarbeiten in Yucatán zu den Landarbeitern sagen. Diesen genialen Hinweis beherzigt er seitdem auch in seinem Garten im Rheingau. Hier lebt der Psychologe mit seiner Familie, wenn er nicht auf Reisen ist, oft auf der Yucatán-Halbinsel, wo er gern aktuelle Ausgrabungen besucht.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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