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Reiseführer Sri Lanka:Essen & Trinken

Manche mögens scharf, andere freuen sich besonders auf die frischen Meeresfrüchte - Genießer kommen auf ihre Kosten

Auch die Kolonialherren von einst - Portugiesen, Holländer und, noch am wenigsten, die Engländer - haben Spuren bei vielen Rezepten hinterlassen. Reis und Curry, so heißt eigentlich jegliches einheimisches Essen, ist wohlschmeckend, sehr bekömmlich, für unsere Begriffe noch immer äußerst preiswert und häufig auch ein Fest fürs Auge.

Curry hat nichts mit dem Instantgewürz zu tun, das bei uns verkauft wird. Der Begriff hat in Sri Lanka zweifache Bedeutung. Zum einen ist Curry eine individuelle Mischung zum Teil gerösteter und anschließend gemahlener Gewürze. Zum anderen bezeichnet Curry mit der Hauptzutat den Namen des jeweiligen Gerichts. Man hat z. B. die Wahl zwischen einem Gemüsecurry, einem Beef-(Rindfleisch-) curry, einem Chicken-(Hühnchen-)curry oder - seltener - einem Pork-(Schweine-fleisch-)curry.

Vor allem auf dem Land werden in der Umgangssprache auch Farben benutzt, um die unterschiedlichen Currygerichte zu bezeichnen. So ist ein weißes Curry ein Essen, das auf Kokosmilch basiert - mild und fast so flüssig wie eine Suppe. Rote Currys enthalten große Mengen Chili (bei uns auch als Cayennepfeffer bekannt). Schwarze Currys sind die häufigsten. Sie enthalten gerösteten Koriander, Kreuzkümmel und Fenchel. Erst das Rösten kitzelt das Aroma der Kräuter so richtig heraus. Und dieses Rösten der Gewürze unterscheidet die srilankischen Currys auch wesentlich von denen der Nachbarländer, vor allem von den indischen Currys, die bei uns viel bekannter sind.

Chili ist die schärfste Grundwürze, getrocknet oder als Pulver. Es gibt sehr viele Chilisorten - grüne, rote, große, kleine, dicke und dünne. Pickles sind genauso beliebt wie in der indischen Küche; sie werden meist mit Beilagen serviert, z. B. seeni sambola. Das ist eine eigene Gewürzmischung, zu der Chili(-pulver) gehört, außerdem Knoblauch, Kardamom, getrocknete Garnelen, Ingwer, Tamarindenmark.

Zu diesen Basisgewürzen kommen - je nach Gericht und Meinung der Köchin - unter anderem Zimt, Nelken, Kardamom und Muskat hinzu. Die Currys werden in vielerlei Schälchen gleichzeitig aufgetragen. Lauwarme Gerichte sind durchaus üblich, Klagen darüber stoßen auf Unverständnis. Man nimmt sich Reis und mischt diesen dann mit den Beilagen: mit Linsen, Auberginen, Gurken, Brotfrucht, ferner Fleisch und/oder Fisch und Seafood (Meeresfrüchte wie Garnelen und Krabben). Dazu wird stets pappadam gereicht, ein knuspriges, flaches Brot aus Linsenteig. Auch chutneys, marmeladenähnliche Zutaten, stehen immer auf dem Tisch. Sie dienen sowohl der zusätzlichen Würze als auch - wenn es süße Chutneys sind - ihrer Entschärfung. Den gleichen Zweck, nämlich den Gaumen zu kühlen, haben die feinen Kokosraspeln, die ebenfalls stets zu einem Currytisch gehören. Stets begleiten tropische Früchte des Landes die Mahlzeiten: Papayas, Mangos, kleine, aromatische Bananen und Ananas.

Frühstücken Sie doch einmal ceylonesisch. Eine morgendliche Besonderheit sind hoppers - hohle, halbkugelförmige Pfannkuchen aus Reismehl, Kokosmilch und Kokosflocken. Bei den stringhoppers ist der Teig in dünne Fäden gezogen. Bei egghoppers werden zwei Eier über dem Pfannkuchen gebraten. Dazu wird curd (Büffeljoghurt) mit Palmhonig (kitul) gereicht. Auch chili-sambolas - Würzsaucen aus getrockneten Garnelen oder Fischen, mit Chilipulver, Zwiebeln und Öl angemacht - gehören zu einem Frühstück nach Landessitte dazu.

Die meisten Urlauber freuen sich auf frischen Fisch und Meeresfrüchte. Kein Ort in Sri Lanka ist weiter als 130 km vom Meer entfernt. Somit stehen auch in den Hotels des Hochlands oft Fisch oder Meeresfrüchte auf der Karte. Am meisten Spaß macht es, gegrillte Riesengarnelen (jumbo prawns), leckeren seerfish (anderswo als Spanische Makrele bekannt), ein Curry aus gebratenem Tintenfisch oder Hummer mit Knoblauchsauce in einem Strandlokal zu essen, die Füße im Sand, über sich die Palmen und den tropischen Sternenhimmel.

Das einheimische, leichte Bier (Three Coins oder Lion Lager) ist ordentlich, der stets verfügbare Tee (meist mit Milch serviert) ausgezeichnet. Hingegen kommt der Kaffee in gewöhnlichen Restaurants meistens als schwarze Plörre daher. Abhilfe schafft hier die zunehmende Zahl an Cafés, welche über professionelle Kaffeeautomaten verfügen.

Neben Obst gibt es als Nachtisch auch eine gute Auswahl an Süßspeisen. Von arabischen Einwanderern stammt Aluwa, eine Masse aus Klebreis, Palmzucker, Cashewnüssen, Kokosmilch und diversen Gewürzen. Muslime aus dem malaiisch-indonesischen Raum haben Wattalapam, einen karamellisierten Pudding mit Kokosmilch und Cashewkernen auf die Insel gebracht. Zum Vernaschen gut sind auch Thalaguli, zuckersüße Sesambällchen, oder Bibikkan, Reiskuchen mit verschiedenen Zutaten. Und wer zu viel Puhul Dosi, süßen, eingelegten Kürbis, genossen hat, sollte sich gleich einen Termin bei seinem Zahnarzt geben lassen.

Aus Südindien haben Tamilen eine ganze Reihe von Snacks mitgebracht. Zu diesen Short Eats, wie sie in feinstem Srilankan English genannt werden zählen Roti, gefüllter Pfannkuchenteig, Thairu Vadai, mit Joghurt gefüllte Teigtaschen, und Parripu Vadai, in Öl gebrutzelte flache Klöße aus roten Linsen.

Wer Hunger hat, wird auf Sri Lanka in den meisten Fällen schnell fündig werden: Die meisten Lokale sind täglich von morgens bis abends geöffnet.

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"Nicht einmal so groß wie Bayern bietet Sri Lanka eine fantastische Vielfalt. Und stets ist ein Strand nicht weit", meint der Studienreiseleiter und Reisejournalist. Seit 1999 bereist der am Bodensee geborene Wahlberliner die Tropeninsel und beschreibt ihre wunderbare Mischung aus Wildlife, uralter Hochkultur, Traumstränden und herrlicher Bergwelt.

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Quelle: www.marcopolo.de