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Reiseführer Schottland:Schottland und sein Whisky

Für den ganz harten Durst: Von Gerste, Gärung und Genuss – alles über das schottische Lebenswasser

Vom schwarz gebrannten Uisge Beatha – zu Deutsch „Lebenswasser“ – hat sich der schottische Whisky in etwa 500 Jahren zum Exportschlager destilliert. Der bekannteste Scotch, der Single Malt, wird aus gerösteten Gerstenkeimlingen, Wasser und Hefe hergestellt. Auf dem Weg vom Kornfeld zur Flasche wird zunächst Gerste zum Keimen gebracht, der Prozess dann durch Hitze gestoppt. Das Feuer unter dem Dörrboden wird oft mit Torfsoden gefüttert: Das gibt vielen Malts ihren rauchigen Geschmack.

In der nächsten Stufe wird das Korn geschrotet und mit Wasser aus der Umgebung vermischt. Das Gerstenmalz trennt sich in eine süße Brühe und Getreideabfall, den die Farmer für ihre Kühe abholen. Hefezusatz sorgt für Gärung, alkoholhaltige Maische entsteht in den Gärbottichen. Die entstandene Vorstufe des Whiskys wird nun in einem diffizilen doppelten Brennprozess in Kupferkesseln destilliert. Dabei wird hauptsächlich das mittlere Destillat genutzt, da Vor- und Nachlauf teilweise ungenießbaren Fusel enthalten.

Seine goldene Farbe erhält der Drink erst durch die Lagerung in zumeist alten Eichenfässern, in denen zuvor Sherry oder Bourbon reifte. Der schottische Drink muss drei Jahre unter Zollverplombung lagern, damit er so genannt werden darf. Nach ein paar weiteren Fassjahren zieht er Aromen aus dem Fass. Für die angeblich etwa 800 Geschmacksaromen sind die individuellen Kesselformen, das Fassholz und sogar die Umgebung bei der Reifung verantwortlich. Denn das Fass lässt zwar über die Jahre etwas Whisky verdunsten – angels share, „Anteil der Engel“ genannt –, erlaubt aber auch dem Aroma von Salzwasser und Seeluft hereinzuschlüpfen.

Von Malts und Mixen

Schottischer Whisky unterteilt sich in drei große Gruppen. Der Grain Whisky wird größtenteils zum Mischen verwendet, während der Blended Whisky zu einem einheitlichen (Marken-)Geschmack ohne Überraschungen gemixt wird. Der Malt Whisky dagegen ist ungemischt und macht den Ruf Schottlands als Whiskynation aus. Während Single Malt aus einer einzigen Destillerie kommt, sind die herkömmlichen Scotch Malts meist gemixte blends.

Bei der Abfüllung in die Flasche wird dem Whisky Wasser hinzugefügt, um ihn zu verdünnen. Scotch hat noch gut 40 Prozent Alkohol, andere Whiskys bis 46 Prozent Alkohol. Und für den ganz harten Durst geeignet sind Abfüllungen in Fassstärke (cask strength). Sie haben weit über 50 Prozent Umdrehungen und sind intensiver im Geschmack.

Die besten Brennereien

Es gibt mehr als 100 aktive Brennereien in Schottland. Reisende auf der Spur des rauchigen Maltgeschmacks sollten auf jeden Fall Islay mit seinen neun Destillerien ansteuern (www.islaywhiskysociety.com) oder im Osten der Highlands den Malt Whisky Trail www.maltwhiskytrail.com abfahren. Dieser Weg – eigentlich sind es mehrere – ist eine Abenteuerreise für den Geschmackssinn. Oder wussten Sie, dass Glenvilet und Cardhu auch nach Heideblüte statt nach Torf schmecken können?

Besonders spannend inszeniert sind Destillenführungen auf Islay, aber auch auf Orkney bei Highland Park sowie in der erst seit 1995 werkelnden Brennerei auf Arran. Die jüngste Brennerei startete 2004 auf Shetland, der erste Zehnjährige ist also im Jahr 2014 zu erwarten.

Tipps & Tricks

Aus Marketinggründen werden statt des Fassalters immer öfter knackige Beinamen gewählt. Der bestprämierte Tropfen von 2010 etwa heißt Ardbeg Corrywreckan und ist benannt nach einem gefährlichen atlantischen Strudel nahe der Insel. Den Genuss auf die Spitze zu treiben versuchen Restaurants, die Whiskydinner anbieten – zu jedem Gang gibt es einen anderen Malt. Da schüttelt's selbst trinkfeste Schotten.

Aber wie sollte Whisky eigentlich getrunken werden? Neat, also pur, oder etwa doch mit einem Schuss Wasser? Erwiesen ist, dass Malt bei Zimmertemperatur und etwas weichem Wasser die meisten Geschmacksstoffe und Aromen entfaltet. Also dann: Slàinte, Prost.

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Seit 30 Jahren zieht es Martin Müller regelmäßig nach Schottland. Für eine Weile ließ sich der Journalist und Fotograf sogar auf Orkney nieder, wo sich keltisches und nordisches Temperament vermischen. Wandern und Whisky, Kajak- und Städtetouren: Die vielen Facetten der Insel hat Müller in zahlreichen Reportagen beschrieben. Sein ständiger Begleiter auf Reisen: ein Tweedsakko. „So kann ich mich immer in Schottland einwickeln.“

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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