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Reiseführer Rajasthan:Auftakt

Was für eine Region!

Nirgends leuchten die Farben Indiens intensiver, sind die Märkte bunter, gibt es so viele phantastische Paläste wie in Rajasthan. Ein Land, das zum Träumen einlädt: Neben Stadtjuwelen wie Jaipur, Udaipur und Jodhpur locken rund 20 Nationalparks und Wildlife Sanctuarys - von den Sanddünen der Wüste Thar bis zu den Dschungeln im Osten. Prunk und Bescheidenheit, Wüstenstädte und Metropolen, glutheiße Tage und sternenkalte Nächte werden Sie in diesem Staat, der fast exakt so groß ist wie Deutschland, gleichermaßen erleben. In Rajasthan treffen Sie noch auf das „alte“ Indien, ein Land wie aus Tausendundeiner Nacht.

Lassen Sie sich vom Blick aus den Fenstern im „Palast der Winde“ beflügeln! Tauchen Sie ein in das steingeschnitzte Gassengewirr des goldenen Jaisalmer! Beobachten Sie in der Wüste Gazellen vom Rücken eines Kamels aus, sehen Sie Adler und Eisvögel über Seen kreisen. Die Fürsten, die Rajasthan, übersetzt „Land der Könige“, seinen Namen gaben, hinterließen im Wüstenstaat ihre Spuren: trutzige Burgen, monumentale Paläste - und bei den Rajasthanis großen Stolz auf ihre Vergangenheit, die sie mit viel Traditionsbewusstsein lebendig halten.

Mögen in den Satellitenstädten um Delhi die Bürotürme aus dem Boden schießen, Mumbai wegen seiner spektakulären Filme und spekulativen Firmenübernahmen in aller Munde sein, und Bangalore mit immer neuen Software-Entwicklungen glänzen - Rajasthan bleibt ein Land wie aus Tausendundeiner Nacht. Die Männer tragen die prächtigsten Turbane, die man in ganz Indien finden kann. An Armen und Fußgelenken der Frauen glänzt Silberschmuck, und in die purpurnen oder tiefblauen Kleiderstoffe sind winzige Spiegel eingenäht. Die Wüste beginnt zu funkeln und zu leuchten, wenn in der sandgelben Einsamkeit um die Dörfer der Wüste Thar eine Gruppe Frauen und Mädchen auftaucht, auf den Köpfen Feuerholz oder Wasserkrüge balancierend.

Wenn Sie im Wüstendreieck zwischen Jodhpur, Bikaner und Jaisalmer im Nordwesten unterwegs sind, können Sie gut und gerne zwei, drei Stunden fahren, ohne an einen einzigen größeren Ort zu kommen. Die Wüste Thar umfasst etwa acht Prozent der indischen Gesamtfläche. Im Bundesstaat Rajasthan ist fast die Hälfte des Landes Wüstengebiet. Nur an wenigen Orten allerdings findet man Sanddünen, die an Bilder aus der Sahara erinnern. Dornige Sträucher, die sich vor der Hitze ducken, und vereinzelte Bäume setzen grüne Farbakzente in die staubige, steinige Weite.

Plötzlich scheinen im Sonnenglanz Mauern über der Landschaft zu schweben - keine Fata Morgana, sondern eine farbenbesprenkelte Stadt im Ring ihrer steinernen Wälle, über der ein mächtiges Fort thront. Die Bastionen erzählen von leidenschaftlichen Kriegen, phantastischen Siegen und insbesondere von heldenhaften Niederlagen. Wenn in klaren Nächten an großen Feuern mit Schwertern zur Musik von Trommeln, Flöten und Saiteninstrumenten getanzt wird, singen die Menschen oft noch Lieder, die von den Dramen der Kämpfer und Liebespaare erzählen.

Die Helden der Lieder waren meist Rajputen. Diese Volksgruppe ist stark durch den Hindu-Glauben geprägt und stellte die Fürsten des Landes. Rajputen leiteten ihre Herkunft direkt von kosmischen Kräften her - die einen von der Sonne, die anderen vom Mond, die dritten vom Feuer. Die Krieger bauten eine unüberschaubare Zahl von Wüstenburgen, die oft jahrhundertelang, manche über ein Jahrtausend im Besitz der gleichen Familie blieben. Mitglieder der stärksten Rajputenclans avancierten zu Maharajas, wörtlich: zu Großkönigen. Die längste Traditionslinie kann die Dynastie der Sisodias von Udaipur mit ihrer 76 Generationen währenden Herrschaft in Anspruch nehmen.

Dass vieles im Land heute für den westlichen Touristen „typisch indisch“ erscheint, ist auch ein Ergebnis der Wehrhaftigkeit der Rajputen gegenüber Eindringlingen von außen - und der Fähigkeit, sich bei Niederlagen zumindest ihre kulturelle Eigenständigkeit zu bewahren. Die muslimischen Mogulkaiser unterwarfen im 16. Jh. die untereinander heillos zerstrittenen Fürsten, bis die britischen Kolonialherren in Rajasthan zwei Jahrhunderte später nach und nach die Fürstentümer von sich abhängig machten. Die Maharajas wussten sich mit den Fremden zu arrangieren: Unter den Moguln sicherten sie sich ihre Throne durch politische Ehen und Militärbündnisse, und von der britischen Ostindienkompanie ließen sie sich ihren luxuriösen Lebensstil bezahlen. Die Briten benutzten die Fürsten im Gegenzug als politische Marionetten, ihr Volk betrachteten sie als Menschen dritter Klasse ohne Recht auf Bildung.

Erst die indische Unabhängigkeitsbewegung, gewaltlos angeführt von Mahatma Gandhi, löste die alte politische Elite ab. Als der letzte britische Vizekönig 1948 seinen Abschied nahm, war Indien bereits auf dem Weg zur bevölkerungsreichsten Demokratie der Erde - und auch Rajasthans Fürsten verzichteten auf ihre uralten Herrschaftsrechte. Einige der alten Residenzen der Rajputen sind heute Luxushotels, viele ihrer ehemaligen Jagdgründe zählen heute zu den schönsten Nationalparks.

Ob Sie als Vogelliebhaber kommen, Indiens Tiger und Leoparden sehen oder in einem Himmelbett für Könige übernachten wollen - Sie haben die Auswahl. Denn auch das gehört zu Rajasthan: grüne Oasen, bewaldete Hügel und Vogelschwärme über jahrhundertealten Stauseen. Östlich der bis zu 1700 m hohen Aravalli-Gebirgskette weichen die trockenen Landschaften der Thar Weizenfeldern und Wasserlandschaften.

In den Dörfern wächst der Wohlstand langsam. Doch wenn der Monsunregen ausbleibt, sind auch die Ernten vernichtet, das Vieh verdurstet, und den Menschen droht der Absturz in die Armut. Diese Abhängigkeit vom Monsunregen wurde gemildert, seit Wasser aus dem Punjab durch den Indira-Gandhi-Kanal nach Rajasthan strömt und zudem große Grundwasservorräte entdeckt wurden. Der Lebensstandard ist angehoben worden: Auch in den Dörfern gibt es jetzt Schulen, ärztliche Versorgung und an vielen Orten sogar staatlich geförderte Internetkioske.

Das indische Wirtschaftswunder hat noch viel stärker die Städte verändert. Blechlawinen wälzen sich durch das Gassengewirr, und trotzdem haben sich Städte wie Udaipur, Pushkar am heiligen Brahma-See, Bundi und Dungarpur mit ihren Palästen ihren Zauber bewahrt. Wer Jaisalmer mit seinen Steinschnitzfassaden noch nicht erlebt hat, sollte sich allein wegen dieser märchenhaften Szenerie zu einer Reise nach Rajasthan aufmachen.

Entdecken Sie Rajasthan! Wegen der weiten Horizonte und der bunten Basare, wegen der Tempel und Tigerreviere oder wegen der Menschen, die Sie so freundlich aufnehmen, wie es in Rajasthan Tradition ist.

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Zum Schönsten gehört das Erleben ungestörter Weite - ob tagsüber in der Wüste oder nachts unter Sternen auf dem Dach eines Palastes.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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