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Reiseführer Peloponnes:Stichworte

Von der Antike über Religion und Natur bis hin zur Wirtschaftskrise und ihren Folgen - hier erfahren Sie, was Sie wissen sollten

Antike Götter

Die Götter der Antike trugen menschliche Züge. Sie waren zwar unsterblich, hatten aber Vorfahren. Sie hatten Kinder, Geschwister und Affären. Jeder Gott hatte seine besonderen Aufgaben und jeweils eine Reihe von Städten, die unter seinem Schutz standen. So erbaute auch jede Stadt einen Tempel für ihren Gott. Daneben gab es gesamtgriechische Heiligtümer wie Olympia, die allen Hellenen besonders viel bedeuteten. Die Römer übernahmen später die meisten Götter der Griechen und gaben ihnen lateinische Namen. Da diese bei uns oft bekannter sind, stehen sie im Folgenden in Klammern.

Göttervater Zeus (Jupiter) war der mächtigste Gott. Ihm zu Ehren wurden die Olympischen Spiele veranstaltet. Zeus' Brüder waren Poseidon (Neptun), der für das Meer und Erdbeben zuständig war und dem man einen Tempel in Isthmía bei Korinth widmete, sowie Hades (Pluto), der Gott der Unterwelt. Gemahlin des Zeus war Hera (Juno). Ihr war ein Tempel in Olympia geweiht; ihr größtes Fest wurde alljährlich im Heraion bei Árgos begangen. Sohn von Zeus und der ihm stets treuen Hera war Hephaistos (Vulcanus), der Gott der Juweliers- und Schmiedekunst.

Aus einem der vielen außerehelichen Verhältnisse des Zeus ging Apoll hervor, der Gott der Schönheit, der Dichtkunst und des Lichts. Die bedeutendsten ihm geweihten Tempel standen an der agorá von Korinth und im einsamen Bassai. Seinem Sohn Asklípios (Äskulap), dem Gott der Heilkunst, wurde besonders in Epidauros gehuldigt. Eine Zwillingsschwester des Apoll war Artemis (Diana), die Göttin der Jagd.

Aphrodite (Venus), die Göttin der Liebe, war die Gemahlin des hinkenden Hephaistos. Ihr bedeutendstes peloponnesisches Heiligtum lag in Akrokorinth. Geliebter der Aphrodite war der Kriegsgott Ares (Mars), dem die Griechen zwar mit Taten eifrig huldigten, aber kaum Tempel bauten.

Dionysos (Bacchus) schließlich war der Gott der Fruchtbarkeit und des Weins. Als Gott des Theaters wurden ihm in jedem griechischen Theater vor den Aufführungen Opfer dargebracht.

Aus- und Umsteiger

Vor allem die Gegenden um Koróni und Portohéli sind seit den Achtzigerjahren bevorzugte Gebiete deutscher und österreichischer Aus- und Umsteiger. Dementsprechend groß ist dort die Zahl deutschsprachgier Immobilienmakler. In der gegenwärtigen Staats- und Finanzkrise müssen viele Griechen und auch manche Ausländer angesichts massiver Steuererhöhungen und neuer Steuern für Hauseigentümer jetzt ihre Immobilien wieder verkaufen, was natürlich die Preise drückt. Deutsche fürchten zudem, wegen der deutschen Politik in diesen Krisenjahren nicht mehr ganz so beliebt wie zuvor zu sein - und das nicht ganz zu Unrecht.

Bürgerkrieg

Griechenland hat im 20. Jh. so häufig unter Kriegen gelitten wie kaum ein anderer europäischer Staat: von 1904 bis 1908 (Krieg gegen Bulgarien), von 1912 bis 1922 (Erster und Zweiter Balkankrieg) und von 1940 bis 1949 (Zweiter Weltkrieg und Bürgerkrieg). Für die Opfer dieser Kriege sind in nahezu allen Städten und Dörfern Denkmäler errichtet worden, nur selten jedoch für die Toten des Bürgerkriegs, der von 1944 bis 1949 dauerte. Man verdrängt ihn gern, denn er hat ein Menschenleben lang die Bevölkerung gespalten. Im Bürgerkrieg standen sich Kommunisten und von den Engländern unterstützte Bürgerliche gegenüber, die zuvor gemeinsam als Partisanen gegen die Besatzer aus Nazideutschland gekämpft hatten. Er kostete die Griechen mehr Menschenleben als der Zweite Weltkrieg: über 160000.

Byzanz

Byzanz begegnet Reisenden auf dem Peloponnes mindestens ebenso häufig wie die Antike. Mistrás war eine der byzantinischen Metropolen des späten Mittelalters, byzantinische Kirchen, Klöster und Burgen sind allgegenwärtig. Das Byzantinische Reich ging im 6. Jh. aus dem Oströmischen Reich hervor. In der Frühzeit erstreckte es sich bis nach Vorderasien, Nordafrika und Spanien. Sein Niedergang begann 1204 mit der Eroberung der Hauptstadt von Byzanz, Konstantinopel (heute Istanbul), durch Venedig und die westlichen Kreuzritter, in deren Folge auch der Peloponnes zu einem von Kreuzrittern beherrschten Fürstentum wurde. Mit dem Fall Konstantinopels 1453 kam auch für das byzantinische Despotat von Mistrás das endgültige Ende.

Fauna

Wild lebende Säugetiere erspäht man auf dem Peloponnes fast nie, obwohl es Rehe, Wildschweine, Hasen, Schakale, Kaninchen und Füchse gibt. Schlangen sieht man meist nur überfahren auf den Straßen, im Gelände flüchten sie vor Wanderern. Häufig sind Eidechsen und Schildkröten. In den Gebirgen sind noch Schlangenadler und Wespenbussarde heimisch. Vogelparadiese sind vor allem die Küstenwälder bei Kalógria und die Kotíchilagune unmittelbar südlich davon. Über 500 Chamäleons leben noch bei Pílos.

Flora

Für alle Pflanzenfreunde ist der Peloponnes zwischen Ende Februar und Mitte Mai am schönsten. Dann blüht es nicht nur in den Gärten, sondern auch üppig in freier Natur. Hibisken und Bougainvilleen stehen in vielen Städten und Dörfern, auf den Feldern faszinieren roter Klatschmohn, Asphodelien, Narzissen, Iris, wilde Tulpen, Anemonen und Alpenveilchen. An vielen Bachläufen blüht Oleander und ganze Berghänge sind von gelb blühendem Ginster überzogen.

Während die Küstenebenen weitgehend landwirtschaftlich genutzt werden, sind die Berghänge oft von Macchia oder der für den Laien sehr ähnlichen Phrygana bedeckt. Beide werden von duftenden Kräutern wie Thymian, Salbei und Oregano, von Erdbeerbäumen, Zistrosen, Disteln, Lorbeer und Wacholder gebildet. Vor allem in höheren Lagen findet man auch Wälder aus Aleppokiefern, Kastanien, Ahornen, Ulmen, Buchen und Steineichen. Die Straßen werden oft von Eukalyptusbäumen gesäumt. Quellen und Dorfplätze sind bevorzugte Standorte der Platane.

Frondistírio

Das griechische Wort bedeutet "Nachhilfestudio". Solche frondistíria machen nicht nur in allen Städten, sondern auch in vielen größeren Dörfern durch große Werbetafeln auf sich aufmerksam. Kaum ein griechischer Schüler kommt ohne sie aus - sicher kein gutes Zeugnis fürs griechische Bildungssystem. Im Zeichen der Krise leiden auch diese Studios unter den Einkommenskürzungen vieler Eltern, was auch die vielen dort beschäftigten Lehrer, die ohnehin starke Gehaltseinbußen hinnehmen mussten, schmerzhaft zu spüren bekommen.

Ikonen

Eine Kirche ohne Ikonen ist in Hellas unvorstellbar. Die Tafelbilder von Heiligen und biblischen Ereignissen sind dabei etwas ganz anderes als fromme Malereien in unseren Gotteshäusern. Für orthodoxe Gläubige sind sie gleichsam Tore zum Himmel. Verehrt werden nicht die Bilder, sondern die auf ihnen Dargestellten. Der Gläubige küsst nur scheinbar das Bild, in Wahrheit aber den Heiligen. Ihm schenkt er das Edelmetall, mit dem viele Ikonen überzogen sind, die kostbaren Vorhänge, Ringe, Edelsteine und Uhren, die man an manchen Ikonen sieht. Der Ikonenmaler fühlt sich nicht als freier Künstler, sondern als Vollstrecker uralter Regeln, die nicht von Menschen geschaffen wurden. Er hat nur wenig Freiheiten; seine Phantasie und künstlerische Kreativität sind nicht gefragt.

Krise

Seitdem im Herbst 2010 das ganze Ausmaß der griechischen Staatsverschuldung und Wachstumsschwäche bekannt wurde und EU und IWF daraufhin dem Land strengste Sparmaßnahmen auferlegten, leiden die Griechen unter zahlreichen Steuer- und damit verbundenen Preiserhöhungen vor allem für Tabak und Benzin, unter Renten- und Gehaltskürzungen, Senkung des Mindestlohns und Anhebung des Renteneintrittsalters, Stellenstreichungen sowie zahlreichen Einschnitten ins soziale Netz.

Die politischen Parteien kämpfen gegeneinander statt für das Land, Extremisten von rechts und links gewannen zumindest zeitweise stark an Einfluss. Stabile politische Verhältnisse sind in weite Ferne gerückt. Sogar ein Ausscheiden aus der Gemeinschaftswährung, dem Euro, erschien vorübergehend möglich. Die Griechen hoffen auf eine wirksame Wirtschaftsförderung als Ergänzung zum rigorosen Sparkurs, die europäischen Partner drängen auf ernsthafte Strukturreformen in Wirtschaft und vor allem Verwaltung.

Als Tourist spürt man von der Krise nur wenig, zumal sich der Tourismus seit 2013 als Triebkraft eines zaghaften Aufschwungs erweist. Als deutscher Urlauber sollte man sich allerdings mit politischen Äußerungen stark zurückhalten, da Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble in Hellas inzwischen zu den meistgehassten Persönlichkeiten zählen.

Losverkäufer

In allen Städten und vielen Dörfern ziehen Losverkäufer durch Straßen und Tavernen. Sie bieten Glückstickets für die staatliche Zahlenlotterie an, deren Ziehung jeweils montagabends erfolgt. Sie halten aber auch Rubbellose bereit, mit denen Sie sofort kleinere Geldgewinne erzielen können. Die Lizenz als Losverkäufer erhalten nur Alte und sozial Schwache als eine Art staatlicher Fürsorge.

Ortsnamen

Besonders viele Ortsnamen auf dem Peloponnes beginnen mit den Wörtern Agía, Ágii oder Ágios. Das bedeutet "Heilige(r)", dahinter steht dann der Name des oder der Heiligen. Manchmal beginnen zweiteilige Ortsnamen auch mit Áno (Ober-) oder Káto (Unter-), gelegentlich auch mit Archéa (Alt-).

Religion

Nahezu alle Hellenen bekennen sich zum griechisch-orthodoxen Christentum. Christen anderer Konfessionen gelten als Anhänger eines Irrglaubens, der ihnen den Weg in den Himmel versperrt. Zur offiziellen Kirchenspaltung, dem Schisma, kam es bereits 1054. Urlaubern fallen zunächst die Kirchen und die vielen kleinen Kapellen auf. Viele sind weiß gekalkt, alte byzantinische Gotteshäuser sind unverputzt und zeigen ein schönes Mauerwerk aus Bruchsteinen und Ziegelsteinbändern. Kirchtürme sind selten, Kuppeln häufig. Beichtstühle und Weihwasserbecken fehlen, dafür ist das Mauerwerk innen oft mit Fresken überzogen. Altar- und Gemeinderaum trennt eine Bilderwand, die Ikonostase. Überall auf dem Peloponnes begegnet man orthodoxen Priestern, die lange, dunkle Gewänder, einen üppigen Bart und eine hohe Kopfbedeckung tragen. Sie sitzen in Kaffeehäusern, verrichten Feldarbeit und sind auch als Händler auf den Märkten tätig. Viele haben Familie, da sie vor der Priesterweihe heiraten dürfen.

Strände

Fast die gesamte Westküste des Peloponnes wird von schier unendlichen Sandstränden gesäumt, die oft von einem niedrigen Dünengürtel und stellenweise von uralten Küstenwäldern gesäumt werden. Besonders viele Strände gibt es zwischen Koróni und Finikoúnda im Südwesten, an der Bucht von Gíthio, an der Südküste der Argolischen Halbinsel und entlang des gesamten Korinthischen Golfs. Kleinere Strandbuchten sind sogar noch auf der von Steilküsten geprägten Máni zu finden. Organisierte Strände mit Liegestuhl- und Sonnenschirmvermietung gibt es fast nur vor den wenigen großen Hotels und im Einzugsbereich der Städte. Selbst Bars oder Tavernen fehlen an vielen Stränden. Und auf eine Art "Baywatch" müssen Sie fast immer verzichten - an griechischen Stränden ist jeder Badende für sich selbst verantwortlich.

Waldbrände

In fast jedem Sommer wird der Peloponnes von Waldbränden heimgesucht. Meist entstehen sie durch Fahrlässigkeit, manchmal ist auch Brandstiftung aus unterschiedlichsten Motiven die Ursache. Spuren vergangener Waldbrände werden Sie immer wieder begegnen. Am schauerlichsten sind sie entlang der Straße von Andrítsena nach Kréstena, wo Baumskelette auf über 50 km Länge die Landschaft prägen. Zur Wiederaufforstung, zu der der Staat eigentlich per Gesetz gezwungen ist, kommt es fast nie - Wille und Geld fehlen der griechischen Bürokratie auch hier.

Wirtschaft

Der einzige bedeutende Industriestandort auf dem Peloponnes ist Patras. Hier werden nicht nur Bier, Wein und Spirituosen in großem Umfang produziert, sondern auch Textilien, Papier-, Gummi- und Lederprodukte. Bei Korinth arbeitet eine Erdölraffinerie. Kalamáta ist ein Zentrum der griechischen Zigarettenindustrie. In Aegio spielt die Möbel- und Papierherstellung eine gewisse Rolle.

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Der Bremer Reisejournalist Klaus Bötig ist seit 1973 mehrmals jährlich auf dem Peloponnes unterwegs. Ihn fasziniert vor allem das Miteinander von Küstenlandschaften und Hochgebirgen, in denen im Winter sogar Skilifte in Betrieb sind. Meist kommt er nur sehr langsam voran, denn ständig fordern urige Tavernen und gute Hotels, archäologische Stätten, Klöster und Museen sowie erzählfreudige Menschen zum Bleiben auf.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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