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Reiseführer Chiemgau:Auftakt

Entdecken Sie den Chiemgau!

Die beliebteste Ferienregion Deutschlands? Immer wieder Oberbayern, wie unabhängig voneinander – und unter Vorlage beeindruckenden Zahlenmaterials – sowohl der ADAC als auch das oberbayerische Fremdenverkehrsamt festgestellt haben. Keinen anderen Landstrich in Deutschland finden Urlauber so attraktiv wie diesen südlichen Teil Bayerns, zu dessen ganz großen Highlights die Gebiete zählen, die dieser Reiseführer vorstellt.

Chiemgau und Berchtesgadener Land sind der Inbegriff all dessen, was man sich im In- und Ausland gemeinhin unter Bayerischem vorstellt – und gleichzeitig ein veritables Ferienparadies: Saftige Wiesen vor schneebedeckten Bergen laden zu Wanderungen und Klettertouren ein. Bauerngärten strotzen vor Blumen, und über das Blau idyllischer Seen treibt der Föhn, der vom Alpenhaupt herunterwehende Südwind, die weißen Dreiecke der Segelboote. Die sanft gewellte Voralpenlandschaft, wie sie die Moränen der Eiszeit so hinreißend harmonisch geformt haben, beruhigt Auge und Seele. Auch, was der Mensch hier hingestellt hat, kann sich sehen lassen und begeistert Kulturfreunde und Genießer: mächtige Klöster und hübsche Zwiebelturmkirchen, gemütliche Wirtshäuser und Biergärten gibt es hier. Und dann die Bewohner selbst: Schlitzohrig und bauernschlau, derb, durstig und lebensfroh – das sind nicht nur die Klischees, wie sie in den beliebten Voralpenfernsehfilmen gern reproduziert werden. Das ist auch die Wirklichkeit.

Chiemgau und Berchtesgadener Land bilden gemeinsam den südöstlichen Teil Oberbayerns. Dieses bayerische „Eckgebiet“ stößt im Süden und im Osten an die österreichische Grenze und wird im Westen wie auch im Norden vom Inn begrenzt. Zu einem richtigen Eck fehlt ihm jedoch der 90-Grad-Winkel; stattdessen ragt es im äußersten Südosten mit dem Berchtesgadener Land wie mit einem Entenbürzel in die Hochalpenlandschaft Österreichs hinein. Doch die geografischen Grenzen allein sagen nicht viel aus über das Gebiet. Es sind vielmehr seine unterschiedlichen Gesichter, die ihm seinen unverwechselbaren Charakter verleihen. Rein optisch und ohne allzu große Rücksichtnahme auf historische und geophysische Gegebenheiten lässt sich Südostbayern in drei relativ griffige Regionen aufteilen.

Das verzauberte Land: Wie es scheint, verführt kaum eine Gegend in Deutschland so sehr zum Seufzen, zum Dichten und zum Schreiben sehnsüchtiger Elogen wie der Chiemgau. An den Ufern des Chiemsees verfällt der Mensch in romantische Schwärmerei. Ludwig Thoma und Isabella Nadolny sind nur zwei Beispiele für Schriftsteller, denen hier das Herz aufging. Auch Maler zog es von der Mitte des 19. Jhs. an mit Macht an die Ufer des Chiemsees. Dessen Stimmungen suchten zahlreiche Künstler von Eduard Schleich über Max Slevogt bis hin zu Arnold Balwé und Julius Exter einzufangen. Doch was ist dran am Szenario Chiemgau?

Der Chiemgau ist eine uralte Kulturlandschaft zwischen den Flüssen Inn, Alz und Traun, im Süden von den Bergen begrenzt, im Norden irgendwo hinter Trostberg allmählich auslaufend. Sein beherrschender Mittelpunkt ist der See. Dass der Chiemsee mit seinen rund 80 km2 der drittgrößte See Deutschlands ist und ein wunderbares Segelrevier dazu, mag einen Teil seiner großen Anziehungskraft erklären. Der eigentliche Zauber aber beruht auf dem harmonischen Zusammenspiel mit seinem Umland: Das Gewässer liegt in einer weiten, grünen Ebene. Diese Ebene umschließt in größerer Entfernung eine sanfte Hügelkette, die sich halbkreisförmig nach Norden zieht. Mit der zackigen Bergkette aus Hochfelln, Hochgern und Kampenwand, an klaren Tagen überragt vom österreichischen Kaisergebirge, findet der sanfte Chiemgau einen würdigen Abschluss. Dieses Bild lässt in seinem Frieden und seiner ruhigen Heiterkeit vergessen, dass viele Touristen um ganz anderer Eindrücke willen anreisen: Schloss Herrenchiemsee, ein Versailles-Nachbau des bayerischen „Märchenkönigs“ Ludwig II., ist die mit Abstand populärste Sehenswürdigkeit des Chiemgaus.

Angenommen, es gäbe weder das goldglänzende Herrenchiemsee noch das heiter-besinnliche Landschaftsbild: Der Chiemgau hätte selbst dann noch alle Chancen, zu einem touristischen Ziel der Sonderklasse zu avancieren. Jede Menge Gewässer zum Segeln und Schwimmen, Kletterfelsen, Skiberge und föhnbedingte Sonnentage – Herz, was begehrst du mehr für schöne Ferien? Die Kunst? Davon ist reichlich zwischen Inn und Alz vorhanden. Nahezu jede Dorfkirche lohnt einen Besuch. Die Kirchenkunst blüht im Chiemgau seit über 1000 Jahren, seit die Benediktiner die beiden Inselklöster auf dem Chiemsee gründeten und so mit der geistlichen, geistigen und kulturellen Befruchtung der Gegend begannen.

Das dramatische Land: Eine Bühne für Gefühlsregungen extremer Natur ist das Berchtesgadener Land. Der Anblick des Watzmanns, wie er sich, einer versteinerten Riesenschere gleich, über den Doppeltürmen der Berchtesgadener Stiftskirche erhebt, kann einem selbst nach Jahren einvernehmlicher Nachbarschaft noch Schauer über den Rücken jagen.

Das Berchtesgadener Land ist das Land der Berge und Wälder, der Steine und des Salzes. Den Mönchen, die sich Anfang des 12. Jhs. an die Kultivierung des abgelegenen Gebirgswinkels machten, stellte sich eine unwegsame Natur entgegen. Heute ist das Gebiet ein überaus ertragreiches Stück Erde. Das Salzgeschäft bringt nicht mehr die astronomischen Gewinnspannen, die vom späten Mittelalter an die geistlichen Landesherren, die Fürstpröpste, reich und mächtig machten – an seine Stelle ist der Tourismus getreten.

Klare Luft, wunderlich frei stehende Tafelberge, jäh abfallende Felswände und waldreiche Täler schaffen eine aufregende Szenerie. Wild, stark und dunkel erscheint die einzigartige Landschaft. Das Berchtesgadener Land beflügelt die Fantasie – dagegen können selbst die gut ausgebauten Bundesstraßen und der McDonald’s in Freilassing nichts ausrichten.

Das stille Land: Wenn in den Städten des Rupertiwinkels, in Laufen und in Tittmoning, auch im urbayerischen Burghausen, die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, dann rührt dieser Eindruck nicht zuletzt von der nahezu perfekt erhaltenen Inn-Salzach-Bauweise her, einer aus dem Süden inspirierten Stadtarchitektur gotischen Ursprungs. Lang gestreckte Straßenplätze, an denen sich stolze Bürgerhäuser aneinanderreihen, Arkadengänge, Kopfsteinpflaster – der Zeitensprung in längst vergangene Jahrhunderte ist fast perfekt.

Fast. Denn natürlich ist im Rupertiwinkel so wie überall im südöstlichen Oberbayern hinter den Fassaden der Patrizierhäuser, der prächtigen Bauernhöfe, der urigen Berghütten längst der Fortschritt eingekehrt, W-LAN und Piercingstudios inbegriffen. In der Wirtschaft florieren neben viel Landwirtschaft und mittelständischem Handwerk Hightechunternehmen wie die Rimstinger Hightex, deren Kunststofffolien für Dächer und Fassaden auch in Dubai, Johannesburg und Südkorea verlegt werden. Doch das sind nur scheinbar Widersprüche. In Wirklichkeit sind Chiemgau und Berchtesgadener Land einfach eine runde Sache: Lederhosen und Reggaekonzerte, Biergärten und Biofood, Canyoning und Trachtenwallfahrten verbinden sich hier zur besten nur möglichen Ferienwelt.

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Die Reisejournalistin wohnte lange in ihrer Geburtsstadt München, doch am Wochenende zog es sie stets hinaus aufs Land zum Baden im Waginger See oder zum Bergsteigen in den Chiemgauer Alpen. Mittlerweile lebt Annette Rübesamen in Italien. Ihre Sehnsucht nach der alten Heimat ist umso größer – und wird jedes Jahr in den Sommerferien ausgiebig gestillt.

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Quelle: www.marcopolo.de