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Reiseführer Bulgarien:Auftakt

Entdecken Sie Bulgarien!

Feine Strände und karge Berge, ursprüngliche Bergdörfer und quirlige Großstädte, überschäumendes Temperament und mediterrane Gelassenheit: Bulgarien ist ein Land der Kontraste, eine reizvolle Mischung aus Orient und Okzident! In den Reisekatalogen finden sich Strand und Meer, namentlich die Schwarzmeerküste – ein schöner und wichtiger Teil des Landes. Wer aber nur auf den touristischen Pfaden verharrt, dem wird Sehenswertes entgehen.

Die Natur hat es offensichtlich gut gemeint mit Bulgarien. Das nicht eben übermäßig große Territorium von etwas mehr als 110 000 km2 , also weniger als ein Drittel Deutschlands, ist in reichem Maß mit landschaftlicher Schönheit und Vielfalt beschenkt worden, mit einer 378 km langen Meeresküste, mit Gebirgen, es ist dicht bewaldet und seenreich. So bietet Bulgarien für jeden etwas: für Wasserratten den Badeurlaub am Schwarzen Meer, für Skifahrer die Pisten rund um Bansko, für Wanderer und Radfahrer die grünen Berge der Rila- und Pirin-Gebirge, und wer die Einsamkeit sucht, findet sie an versteckten Gebirgsseen. Hinzu kommt jede Menge Kultur in den weltberühmten Klöstern und den malerischen, restaurierten Dörfern.

Bulgarien ist natur- und kulturgeografisch ein Übergangsland zwischen Orient und Europa. Dies hat auch seine Geschichte und seine Gesellschaft geprägt. So ist es kein Wunder, dass das relativ kleine Bulgarien neun Stätten beherbergt, die von der Unesco in die Liste des Welterbes aufgenommen wurden: das Rila-Kloster, Nessebar, das Grabmal von Kazanlak, das thrakische Grabmal von Sveshtari, der Reiter von Madara, die Kirche von Boyana, das Höhlenkloster bei Ivanovo, der Pirin-Nationalpark und das Naturreservat Srebarna.

Touristisch bekannt wurde das Land vor allem durch die Schwarzmeerküste mit ihrem kargen und felsigen Norden, den großen Seebädern in und um Varna und mit dem feinkörnigen Sand des Goldstrands. In einigen Küstenregionen reichen die Ausläufer des Balkans mit ihren üppigen Weinbergen fast bis ans Meer. Im Landesinneren gibt es viele Nationalparks (z. B. Pirin), in denen Naturschutz und nachhaltiger Tourismus kombiniert werden sollen. Oft jedoch müssen sich die Kommunen zwischen Unweltschutz und Kommerz entscheiden.

Bunt ist das Leben an der Küste, vor allem im Sommer. Ausgiebig feiern Einheimische und Touristen in Kneipen und Bars. Doch trotz aller „Ballermann“-Ähnlichkeiten, die in den großen Hotelburgen durchaus zu finden sind, legen die Bulgaren immer und überall Wert auf ihre Geschichte und Kultur. Besucher erleben wahrscheinlich kaum ein Gespräch mit einem Einheimischen, in dem sie nicht auf das „Joch“, die fast 500-jährige osmanische Fremdherrschaft, hingewiesen werden. Umso größer ist der Stolz auf die bulgarische Kultur, die nicht durch Fremdeinflüsse geprägt wurde. Ihre Wurzeln liegen in der Zeit vor dem 15. und ab Mitte des 19. Jhs. In einer eigenwilligen historischen Interpretation beruft man sich auf die großen Zarenreiche und die Bewegung der Nationalen Wiedergeburt, wobei vor allem Letztere eindrucksvolle kulturelle Denkmäler im Land hinterlassen hat.

Allein eine Reise wert sind die weltberühmten Klöster. Sie sind Ausdruck einer einzigartigen Verbindung von Natur, Kultur, Religion und Geschichte. Ihre Funktion ging schon immer über das Kirchlich-Religiöse hinaus. Nicht nur das slawische Alphabet – Grundlage der kyrillischen Schrift –, auch bedeutende Schulen der Literatur, Architektur und der bildenden Künste haben ihren Ursprung in den Klöstern. So wandern Besucher bei einem Rundgang durch die klerikalen Anlagen en passant durch neun Jahrhunderte geistiger, politischer und kultureller Geschichte Bulgariens. Mehrere Klöster bieten auch Übernachtungsmöglichkeiten an.

Das zweite Prunkstück im Kulturangebot des Landes führt in die Zeit der Nationalen Wiedergeburt. Fast überall im Land stößt man auf restaurierte Häuser des 19. Jhs. In einigen Regionen stehen ganze Ortschaften unter Denkmalschutz, vor allem in Zentralbulgarien. In der Gegend um Veliko Tarnovo beispielsweise, wo vor allem das Händlerdorf Arbanasi (17. Jh.) hervorzuheben ist, oder Koprivshtitsa, ein malerisches Dorf zwischen Sofia und Plovdiv, bis hin zu wahren Perlen der Holzbaukunst der Wiedergeburtsarchitektur in Nessebar und Sozopol am Schwarzen Meer.

Das dritte Highlight ist die Landschaft. Schließlich gibt der Balkan – das Wort stammt aus dem Türkischen und bedeutet „bewaldeter Berg“ – einer ganzen Region seinen Namen. Neben dessen Höhenzügen, die das Land von West nach Ost durchziehen, bieten sich vor allem die hohen Gipfel des Rila-Gebirges im Südwesten sowie die Rhodopen im Süden für ausgedehnte Wanderungen, aber auch Klettertouren an.

All diese Schätze können jedoch die Probleme des Landes nicht verbergen. Wie viele osteuropäische Länder hat auch Bulgarien mit hohen Arbeitslosenzahlen, fehlenden Absatzmärkten, erheblichen Umweltbelastungen und einer riesigen Schattenwirtschaft zu kämpfen. Die Menschen behelfen sich, indem sie die Familienbande noch stärker festigen, und mit phantasievoller Improvisation, dem Zauberwort auf dem Balkan: Da wird dann die Garage für die Champignonzucht genutzt oder zum Hühnerstall umfunktioniert; manch einer setzt sich zum Wahrsagen an den Straßenrand oder bietet die Dienste einer alten Waage zur Gewichtskontrolle an. Allerdings kann dies die ökonomische Lage vieler Menschen weder nachhaltig noch dauerhaft verbessern. Viele jüngere der rund 7,5 Mio. Bürger wollen deshalb Bulgarien verlassen, um sich irgendwo im Westen Europas oder in Übersee niederzulassen. Von den Politikern aller Richtungen sind die meisten Bulgaren früher oder später enttäuscht, was die regelmäßigen Regierungswechsel bezeugen. Kein Wunder, wenn die Nöte der meisten nicht geringer werden, während die Korruption blüht – egal, welche Regierung gerade an der Macht ist. Die Bulgaren haben immer Wert auf ihre Zugehörigkeit zum europäischen Kulturkreis gelegt. Seit 2007 ist das Land Mitglied in der EU, zur Freude der Einwohner – auch über die finanziellen Hilfen, die nun aus Brüssel fließen.

Doch allen widrigen Umständen zum Trotz – sobald der Winter dem Land den Rücken kehrt, blühen das Land und seine Menschen regelrecht auf. Die Sonne verbreitet spürbaren Optimismus. Die hochgerühmte bulgarische Geselligkeit kriecht aus den Wohnzimmern auf die Straßen und in die zahlreichen Lokale. Und die Gastfreundschaft scheint in diesem schönen Land sowieso schier unerschöpflich zu sein. Entdecken auch Sie sie!

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Galina Diran wurde in Sofia geboren und hat dort studiert. Sie lebt als freie Fernsehjournalistin in Rostock und reist oft nach Bulgarien, am liebsten nach Sofia, Rila, in das Pirin-Gebirge und an die Schwarzmeerküste. Dort genießt sie nicht nur den Reichtum der Natur, sondern vor allem auch die lauen Sommerabende, die Volksmusik und das leckere Essen.

Der SZ.de-Reiseführer wird Ihnen in Kooperation mit Marco Polo präsentiert. Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Information. Die Verantwortung für die präsentierten Inhalte und Rechte liegt ausschließlich bei Marco Polo.

Quelle: www.marcopolo.de

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