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Österreich Polizei zieht in Hitlers Geburtshaus

Das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn sorgt seit Jahren für Streit.

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)
Von Peter Münch, Wien

In das Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau am Inn soll die Polizei einziehen. Dies hat nun das österreichische Innenministerium nach jahrelangen Kontroversen um die Nutzung entschieden. So soll "ein unmissverständliches Zeichen dafür gesetzt werden, dass dieses Gebäude für immer einer Erinnerung an den Nationalsozialismus entzogen ist", teilte Innenminister Wolfgang Peschorn mit. Konkret heißt dies, dass das Anwesen nicht mehr länger als Pilgerort für Neonazis dienen, aber auch nicht zum Gedenkort an die Verbrechen der Nationalsozialisten umgestaltet werden soll. Vor dem Einzug des Bezirkspolizeikommandos und einer Polizeiinspektion muss nun noch gründlich umgebaut werden. Dazu wird ein EU-weiter Architektenwettbewerb ausgeschrieben.

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Die Entscheidung für den Einzug der Ordnungskräfte setzt einen Schlusspunkt in einer fast unendlichen Geschichte um die Ausrichtung dieses dreigeschossigen Gebäudes, in dem Hitler 1889 geboren wurde, aber nur als Säugling und Kleinkind lebte. Hitlers Privatsekretär Martin Bormann hatte das Haus 1938 im Auftrag der NSDAP gekauft.

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Nach dem Krieg ging es zurück an die Vorbesitzer-Familie. Um die Nutzung kontrollieren zu können, hatte das Innenministerium das Gebäude bereits seit 1972 zu einem relativ hohen Preis angemietet. Zuletzt war darin eine Behinderteneinrichtung der Organisation Lebenshilfe untergebracht, die jedoch 2011 auszog. Seither stand das Haus leer, und die Besitzerin und der österreichische Staat verstrickten sich in hefige Streitigkeiten. 2016 beschloss die Regierung Wien die Enteignung, der Streit um die fällige Entschädigung wurde erst in diesem Sommer vom Obersten Gerichtshof mit der Bestätigung einer Zahlung in Höhe von 812 000 Euro beigelegt.

Parallel wurde seit Jahren darum gestritten, was mit dem Haus gemacht werden soll. Die Vorschläge reichten von einer Jugendbegegnungsstätte ("Haus der Verantwortung") oder einem Museum über Künstlerateliers bis zur Wiedereröffnung als Behinderteneinrichtung.

Empfohlen wurde eine "tief greifende architektonische Umgestaltung"

Der damalige Innenminister Wolfgang Sobotka bezeichnete 2016 einen Abriss als "sauberste Lösung" - und setzte sich damit dem Vorwurf aus, die deutsch-österreichische Geschichte säubern zu wollen. Eine eigens einberufene 13-köpfige Expertenkommission sprach sich gegen den Abriss aus, empfahl aber eine "tief greifende architektonische Umgestaltung", mit dem jeder "Wiedererkennungswert" beseitigt werden soll. Vorgeschlagen wurde zudem, eine "lebensbejahende Organisation" in dem Gebäude unterzubringen und jenseits des vor dem Haus platzierten Gedenksteins keinen Erinnerungsort einzurichten.

Eine Polizeiwache kann nun nicht unmittelbar als "lebensbejahende Organisation" gelten. Oliver Rathkolb, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Wien, zeigt sich als Mitglied der Expertenkommission jedoch zufrieden mit der jetzigen Entscheidung. Dies sei "eine späte, aber gute Lösung", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Eine Polizeistation sei "eine Variante, die in Richtung Dekonstruktion" gehe und zudem gewiss geeignet, Wallfahrten von Neonazis zu verhindern. Ein Vorbild für die Entscheidung zu Braunau gibt es auch: In jenem Haus am Münchner Prinzregentenplatz, in das Hitler 1929 eingezogen und bis 1945 gemeldet war, residiert bereits seit 1949 die Polizei.

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