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23.06.2008    7:04 Uhr Drucken  |  Versenden  |  Kontakt
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Süchtig nach Öl

Ölförderer und -konsumenten pflegen ein Verhältnis wie Dealer und Kunde: Droht Versorgungsknappheit, erfasst die Beteiligten Panik. Doch der hohe Ölpreis hat auch ein Gutes.
Ein Kommentar von Andreas Oldag

Öl-Krisengipfel in Saudi-Arabien; dpa
Die Ankündigung Saudi-Arabiens und Kuwaits, mehr Öl zu produzieren, wird den Anstieg des Ölpreises nicht stoppen.
Foto: dpa
 

Nur wenige Stunden dauerte der Öl-Krisengipfel im saudi-arabischen Dschidda - die Rezitation von Suren des Korans eingeschlossen. Dass innerhalb dieser kurzen Zeit eines der drängendsten Probleme der Weltwirtschaft gelöst werden könnte, war von vornherein eine Illusion.

Am Ende einigten sich die Vertreter der Ölproduzenten und -verbraucher auf eine wohlklingende, aber substanzlose Erklärung. Auch die Ankündigung Saudi-Arabiens und Kuwaits, die Tagesproduktion um ein paar hunderttausend Fass zu erhöhen, wird den Anstieg des Ölpreises nicht nachhaltig stoppen. Es handelt sich um eine zu geringe Menge. Angesichts des Öldurstes der Industriestaaten und des steil ansteigenden Verbrauchs in Schwellenländern wie China und Indien hat das nur symbolische Bedeutung.

Die Litanei vom Wirken der Spekulanten

Das Problem ist einfach - aber schwer zu lösen: Die Nachfrage wird voraussichtlich auch in Zukunft stärker steigen als das Angebot. An den internationalen Rohstoffbörsen kursiert die Angst vor langfristigen Lieferengpässen. Zu Recht ist das Misstrauen gegenüber der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) groß. Das Förderkartell hat in den vergangenen Monaten kaum etwas unternommen, um die Situation zu entspannen.

Stattdessen stimmten die Erdölminister in Dschidda die Litanei vom angeblich unheilvollen Wirken der Spekulanten an. Die Opec verbreitet diese These wider besseres Wissen: Im Gegensatz zu Gold und Silber ist die massenhafte Lagerung von Öl viel zu teuer. Ein sehr kostspieliges Unterfangen wäre es beispielsweise auch, Öl wochenlang auf Tankschiffen über die Weltmeere zu kutschieren, nur um es aus spekulativen Interessen vom Markt fernzuhalten.

Bezeichnenderweise ist die hektische Suche der Opec nach einem Sündenbock für den rasanten Preisanstieg ebenso von Angst getrieben wie die nervöse Politik der Abnehmerstaaten. Ihnen sitzt die Furcht im Nacken, dass die Ölvorkommen rascher zur Neige gehen könnten als erwartet.

Ölförderer und Konsumenten pflegen ein Verhältnis wie ein Dealer zu seinem Kunden: Der Rauschgiftverkäufer unternimmt alles, damit der Abnehmer seiner Ware weiterhin an der Nadel hängt. Droht die Versorgung an einer Stelle zu unterbrechen, erfasst die Beteiligten Panik.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie die Lösung für die Industriestaaten aus dem Ölpreis-Dilemma aussieht ...


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Leserkommentare (4)



24.06.2008 18:25:05

Florian Kraus: Ölproduzenten

Auch auf die Gefahr hin, Wortklauberei zu betreiben, liegt m.E. ein Problem auch in der Wortwahl und damit einem falschen Denkmuster: Öl kann eben nicht - wie der Begriff "Produktion" suggeriert - hergestellt sondern nur gefördert werden. Öl ist selbst Rohstoff und als solcher endlich. Hier scheint die Wahl des Begriffs gerade bei den Verbrauchern die fatal-falsche Vorstellung zu erzeugen, dass das Problem durch Mehr"produktion" (die aber nur eine Mehrförderung ist), behoben werden könne. Der Blick und die resultierenden Aktivitäten gehen daher in die falsche Richtung, wie die Reaktionen in den USA, aber auch in Europa zeigen. Und solange Benzin und Heizöl nicht deutlich teurer sind, werden Politik, Wirtschaft und Verbraucher in den Industriegesellschaften auch nicht umdenken und weiter schlecht isolierte Häuser und PS-starke SUV bauen und mit Billigfliegern nach Malle düsen und so den Schwellenländern ein denkbar schlechtes Vorbild geben.


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