Manche Muslime empfinden eine Strophe des Liedes als Verhöhnung Mohammeds. Doch laut Gutachten ist der Text nicht islamfeindlich. Ein deutscher Trainer rät, die Zeilen zu ändern.
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Der FC Schalke will sein Vereinslied nicht ändern. Foto: ddp
Gelsenkirchen - Der Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 wird an seinem von Muslimen als Verhöhnung ihres Propheten Mohammed empfundenen Vereinslied "Blau und Weiß wie lieb' ich Dich" festhalten und den traditionsreichen Liedtext nicht verändern. Dies hat die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch zuverlässig aus Kreisen der Schalker Vereins-Führung erfahren.
Der Vorstand des Fußball-Bundesligisten stützt sich bei seiner Entscheidung offenbar auf ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten des Osnabrücker Islamwissenschaftlers Bülent Ucar sowie weitere wissenschaftliche Expertisen. Diese kommen im wesentlichen zu dem Ergebnis, dass in der Schalker Vereins-Hymne "keine islamfeindliche Gesinnung zu erkennen" sei.
Wie die SZ berichtet hatte, fühlen sich strenggläubige Muslime durch die dritte Strophe des Schalke-Liedes beleidigt, in der es heißt, "Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht." Seit etwa einer Woche wird die Geschäftsstelle des Gelsenkirchener Fußball-Bundesligisten mit Hunderten Protest-E-Mails und Boykottdrohungen überhäuft. Inzwischen hat sich der Staatsschutz der Polizei eingeschaltet. Die Drohungen würden "sehr ernst" genommen, es liege derzeit aber "keine aktuelle Bedrohungslage" vor, sagte ein Sprecher der Gelsenkirchener Polizei.
Der Islam-Wissenschaftler Ucar kommt in seinem sechsseitigen Gutachten, das der SZ vorliegt, zu dem Befund, die Wahrnehmung der protestierenden Muslime, der Prophet Mohammed werde in dem Schalke-Lied verhöhnt und diffamiert, sei "nicht zu rechtfertigen". Zwar klinge die Formulierung "etwas salopp", könne jedoch "bei einem Sportereignis durchaus vertreten" werden, urteilt Ucar und fährt wörtlich fort: "Schließlich ist ein Fußballspiel keine Unterweisung in islamischer Katechese und keine Einführung in die Benimmregeln des Islam."
Der Islam-Wissenschaftler rät in diesem Religionsstreit zu "etwas mehr Humor und Entspannung" und mahnt zu "Toleranz und gegenseitigem Respekt". Schließlich sei der Prophet Mohammed nach einhelliger Überzeugung aller Muslime "nur ein Mensch, der nicht in die Zukunft gucken und damit kein Fußballexperte sein konnte".
Dagegen riet der in der Türkei tätige Fußball-Trainer Christoph Daum der Führung von Schalke 04, die strittigen Textzeilen zu streichen. "Wenn sich herausstellen sollte, dass sich Muslime verletzt, verunglimpft und angegriffen fühlen, sollte es für Schalke kein Problem sein, bestimmte Textpassagen zu ändern."
Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazey, hält indes nichts von Korrekturen am Schalke-Lied: "Lassen wir doch die Moschee im Dorf und versuchen, das mit Humor zu nehmen."
(SZ vom 06.08.2009)
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