Reisetipps Südengland

Stichworte Südengland

Artus

Gab es König Artus wirklich? Er wird mit verschiedenen südenglischen Orten in Verbindung gebracht, z.B. Tintagel in Cornwall, wo Archäologen Reste eines fürstlichen Hofs aus dem 5.-6. Jh. fanden. In dieser Epoche soll Artus als Anführer der Kelten gegen die angelsächsischen Eindringlinge gekämpft haben. In der Burg von Tintagel lag ein komfortabler Palast, dessen Bewohner Luxusgüter des Mittelmeerraums wie Öl und Wein genossen. Reiche Zinnvorkommen in der Gegend machten es möglich. Auch der mystische Ort Glastonbury galt lange als Sitz des Artus‘. Und in der Großen Aula von Winchester hängt ein der Ritterrunde zugeschriebener round table - doch dieser stammt vermutlich aus dem 14. Jh., als der Artuskult am englischen Hofe gepflegt wurde.

Baustile

Außer bekannten Begriffen wie gotisch hört man in England andere Namen, die teils die Regierungszeiten der Könige bezeichnen. So heißt die romanische Architektur der Insel meist normannisch, Fachwerkbauten aus dem 15. und 16. Jh. werden als Tudor bezeichnet, entsprechend der Regierungszeit der gleichnamigen Dynastie. Jacobean nennt man Bauwerke aus der Regierungszeit von James I. (1603-25). Viele Häuser aus dem 19. Jh. sind dagegen Regency, aus der Regentschaft des späteren Georgs IV. oder viktorianisch, gebaut in der Zeit der Herrschaft von Queen Victoria.

Cheddar

So heißt ein großes Dorf in Somerset, wo man einen reifen, festen, meist zylindrisch geformten Käse herstellt. Der Cheddar cheese ist seit der Zeit der Tudors außerordentlich beliebt und für England ungefähr das, was für Frankreich der Camembert ist.

Cornic

Nach dem Abzug der römischen Legionen im Jahr 407 drängten die Neuankömmlinge (die Angeln) die keltische Bevölkerung nach Westen ab - nach Wales und Cornwall. „Cornic“ wird der Dialekt der nach Cornwall geflüchteten Kelten genannt. Das älteste Manuskript in Cornic stammt aus dem 10. Jh., und der schönste erhaltene Text ist ein Mysterienspiel aus dem 16. Jh., das den Titel Bewnans Meryasek (Das Leben des heiligen Meriasek) trägt. Solche Spiele wurden seinerzeit im Freien aufgeführt. Im östlichen Teil des Herzogtums nahmen die gebildeten Leute sehr schnell die englische Sprache an, während im westlichen Teil der Halbinsel die meisten Familien (vorwiegend Fischer und Bergleute) noch bis ins 17. Jh. ausschließlich „Kernewek“ sprachen. Der letzte Mensch, der diese Sprache praktizierte, war nicht, wie bislang angenommen, Dolly Pentreath aus Mousehole († 1777), sondern John Davey aus Zennor († 1891). Heute wird Cornic wieder unterrichtet, und in Cornwall gibt es auch Rundfunkprogramme in dieser Sprache.

County Show

Typische Sommerereignisse sind die County Shows (auch Agricultural Shows genannt). Nirgendwo hat man einen besseren Einblick in die englische Lebensweise. Ihr Ursprung als Agrarjahrmärkte ist an den Wettbewerben zu erkennen: Prämiert werden die besten Zuchtbullen, die schönsten Himbeeren und die längsten Porreestangen. In Zelten zeigen Imker ihre Honigsorten, Blumenzüchter ihre Rosen. Drum herum gibt es einen großen Rummel mit Clown und Karussell, Blaskapelle und Reitturnier sowie Stände, die alle nur erdenklichen Produkte für das ländliche Leben verkaufen, von Gartenmöbeln und Werkzeug bis zu Wachsjacken und hausgemachtem Senf.

Derby

So nennt sich ein berühmtes Pferderennen, das gegen Frühjahrsende in Epsom stattfindet. Derby ist zugleich der Name des Lords, der dieses Wettrennen 1780 ins Leben rief und mit einem großzügigen Preis dotierte. Das Derbyrennen vollzieht sich auf flachem Gelände über 2400m. Es lockt jedes Jahr Zocker, Pferdezüchter, Jockeys, Neugierige, Abenteurer und die gehobene britische Gesellschaft gleichermaßen an. Trotzdem wäre es falsch zu behaupten, jene würden sich mit Letzterer mischen. Hier bleibt ein jeder in seiner Box!

Dickens, Hardy und die anderen

Charles Dickens, dem wir „David Copperfield“, „Oliver Twist“ und „Die Pickwickier“ verdanken, wurde 1812 in Portsmouth geboren, verbrachte aber seine Kindheit vor allem in Chatham bei Rochester. Es gibt heute ein Dickens Birthplace Museum in Portsmouth. Thomas Hardy, der Verfasser von „Tess von d'Urbervilles“, wurde 1840 in Upper Bockhampton (nahe Dorchester) geboren, in einem Cottage, das man besichtigen kann. In seiner Geburtsgegend ist er so berühmt, dass man ein Bier nach ihm benannt hat. Eine weitere Schriftstellerin des Südens ist Jane Austen (1775-1817). Geboren in Hampshire, lebte sie später in Southampton, wo sie sich auf die Beschreibung der bürgerlichen Gesellschaft ihrer Heimat verlegte. Sie wurde in der Kathedrale von Winchester bestattet. Unserer Zeit näher sind William Golding („Herr der Fliegen“), geboren in Cornwall, und der aus Dorset stammende John Le Carré („Der Spion, der aus der Kälte kam“).

Gärten

Die Briten haben sich zu wahren Meistern der Gartenkunst und des Anlegens von Irrgärten, sogenannten mazes, entwickelt. Um 1720 erfanden sie die pittoresken englischen Landschaftsgärten. Die Gartenarchitekten vermieden alles, was zur Gestaltung klassischer „französischer“ Gärten gehört. Lieber kultivierten sie Asymmetrie, scheinbare Unordnung und launische Ideen. Auf diese Weise sind zauberhafte Wandelgänge entstanden, Baumserpentinen, überraschende Einfriedungen, begrünte Nischen, Wasserbecken, Seen und sanfte Talmulden als Übergang in die umgebende Landschaft. Das maze ist ebenso Bestandteil des englischen Gartens wie die Tempelchen, Gartenlauben und Grotten.

Solche Irrgärten oder Gartenlabyrinthe gibt es noch in Hampton Court (bei London) und in Longleat House unweit von Bath. Hever Castle (nahe Tunbridge Wells) bietet sicherlich das schönste und besterhaltene maze Englands. Großer Beliebtheit erfreuen sich die im Spätsommer kurzfristig angelegten Labyrinthe in Maisfeldern. „Maize maze“ nennt mann die Attraktion, die zur Erntezeit wieder verschwindet.

Kricket

Der Sommersport der Briten seit 1728. Kricket wird in flachem Gelände gespielt. Die in makelloses Weiß gekleideten Spieler bedienen sich eines 95cm langen Holzschlegels sowie eines kleinen, lederbezogenen Balls. Die hoch entwickelten Spielregeln sind außerordentlich kompliziert. In groben Zügen verläuft das Spiel folgendermaßen: Ein bowler wirft den Ball und versucht, das gegnerische wicket, ein Gerüst aus drei stumps (Pfosten) und zwei bails (Stangen), zu treffen und zum Einsturz zu bringen. Dazu benötigt er die Hilfe von neun fielders (die hinter dem verlorenen Ball herlaufen) und einem wicketkeeper (Torhüter), den man gleich an seiner Ausstaffierung erkennt. Dieser Mannschaft von elf Spielern stehen aus der elfköpfigen gegnerischen Mannschaft vor allem zwei batsmen (Schläger) mit Beinschützern gegenüber, deren Aufgabe es ist, den geworfenen Ball abzuwehren und möglichst weit wegzuschlagen. Während der Gegner schnellstens hinter diesem Ball herläuft, legt der Schläger eine möglichst große Strecke zwischen den beiden Toren zurück. Zu Länderspielen, die bei einer täglichen Spieldauer von 6 Stunden sich über 5 ganze Tage erstrecken, nimmt man gerne ein Picknick und die Zeitung mit. Für Mittagessen und Afternoon Tea unterbrechen die Spieler das Geschehen.

National Trust

Herrenhäuser gibt es in England viele. Oft wohnen die Nachfahren der Herzöge und Grafen in den alten Gemäuern, was diesen Häusern einen ganz besonderen Reiz gibt. Die Häuser leben: Es riecht nach gebackenem Kuchen, in den Vasen sind frische Blumen arrangiert, und auf dem Schreibtisch sind garantiert Familienfotos zu bewundern.

Diese seltsame Konstruktion - privates Wohnhaus und dennoch geöffnet für jedermann - ist einem Gesetz aus den 30er-Jahren des 20. Jhs. zu verdanken. Darin wurde festgelegt, dass die Erben dieser Anwesen ihren Besitz dem 1895 gegründeten National Trust schenken, der im Gegenzug für die enorm angestiegenen Steuern und den Erhalt der Gebäude aufkommt. Dafür bekommen die Nachfahren das Recht, lebenslang in den Häusern zu wohnen. Mit dem Deal geben die ehemaligen Besitzer gleichzeitig ihre Zustimmung, dass zu festgesetzten Zeiten das Publikum durch ihre Häuser, Parks und Gärten flanieren darf. Das „Country House Scheme“ hat sich bewährt. Heute ist der National Trust der größte private Grundbesitzer in Großbritannien. Über 200 Schlösser und Burgen, 50 Dörfer, über 100 Parks und bedeutende geschützte Landschaftsgebiete sind im Besitz der gemeinnützigen Stiftung.

Piers

Im 19. Jh. entstanden in englischen Seebädern über 100 Piers, lange gusseiserne Stege mit Holzdeck, die teils als Schiffslandebrücken benutzt wurden, aber hauptsächlich dem Urlaubsvergnügen dienten. Man flanierte in der frischen Brise, aß Eis oder Zuckerwatte, ließ sein Geld in Spielautomaten oder besuchte das über Sand und Wellen erbaute Varietétheater. Durch Stürme, Brände und die salzhaltige Luft verfielen zahlreiche Piers. Der vielleicht schönste, der West Pier von Brighton, ist vom Einsturz bedroht und zur Zeit geschlossen, doch werden landesweit noch 55 gezählt, davon mehr als 20 an der Südküste, darunter Brightons zweiter, der Palace Pier. Manche sind herrlich verzierte Denkmäler. Für Seebäder, die wie Bournemouth oder Eastbourne etwas auf sich halten, ist der Pier das unerlässliche Zentrum des Urlaubsvergnügens.

Pub

Der Pub ist wohl neben der Monarchie die bekannteste britische Institution. Das Wort ist die Kurzform von public house und bezeichnet ein zumeist gemütliches Etablissement, in dem Bier und andere alkoholische Getränke ausgeschenkt werden. Doch geht es um mehr als den bloßen Getränkeumsatz: Im Pub schlägt das Herz des britischen Gesellschaftslebens, er ist ein Ort der Geselligkeit, an dem die regulars (Stammgäste) des Viertels auf ein Gläschen zusammenkommen und ihre Neuigkeiten austauschen. In einigen Pubs vertreiben sich die Gäste ihre Zeit auch mit Domino, Darts oder Snooker-Billard.

Seit 2005 müssen Pubs nicht mehr um 23 Uhr schließen. Diese Liberalisierung hat nicht dazu geführt, dass man nun allerorts bis tief in die Nacht trinken kann, aber viele Lokale haben bis Mitternacht geöffnet.