Reisetipps San Francisco

Auftakt San Francisco Was für eine Stadt!

Einzigartig ist die Lage von San Francisco zwischen dem Pazifik und einer Hügelkette, die spektakuläre An- und Aussichten bietet: auf die majestätische Golden Gate Bridge, den quirligen Hafen, die mit Hochhäusern vollgepackte Innenstadt und über 300 Park- und Erholungsstätten. Seit 1776 lockt San Francisco vom Goldgräber bis zum Computerprofi Menschen an, die hier oft sesshaft werden, auch wenn sie eigentlich nur auf der Durchreise waren. Nach einem Besuch der vielleicht unamerikanischsten Stadt der USA werden auch Sie wissen, warum Tony Bennett seit 1962 singt: „I left my heart in San Francisco.“

„Wie auch immer du San Francisco nennst, sag bloß nicht Frisco“, lamentierte schon vor Jahrzehnten Herb Caen, der gefeierte Kolumnist des San Francisco Chronicle. San Franciscans, die glücklichen Bewohner der Traumstadt an der Westküste, mögen den harten Klang von „Frisco“ nicht und sagen lieber „San Fran“ oder höchstens noch „The City“ - denn die Bewohner sind mächtig stolz auf ihre Stadt und haben dazu auch allen Grund.

San Francisco ist eine der schönsten Städte der Welt - mit der Golden Gate Bridge als Wahrzeichen, den hügeligen Straßen von San Francisco, bekannt nicht nur durch die gleichnamige Filmserie, und den legendären Cable Cars. Wer einmal ihr Rattern gehört hat, verbindet auch das für ewig mit der Stadt an der Westküste. Hinzu kommt noch die erstklassige geografische Lage von San Francisco am Wasser: westlich der offene Pazifik, nördlich und östlich die Bucht von San Francisco, im Süden eine Hügelkette.

Die Stadt dehnt sich über 122 km² und 43 Hügel, die manchmal so steil sind, dass Autos nur noch quer zum Abhang parken dürfen. Doch jeder Aufstieg wird fast immer mit einer freien Aussicht auf die im weichen kalifornischen Licht dunkelblau schimmernde Bucht belohnt - wenn nicht im Sommer der Nebel in die Stadt kriecht. Einen guten Überblick haben Sie auch vom Coit Tower: Im Süden sehen Sie die sich zusammendrängenden Hochhäuser der Innenstadt, im Westen strahlt die rostrote Golden Gate Bridge im Sonnenlicht und östlich die aus glänzendem Stahl gebaute Bay Bridge, die über die Bucht nach Berkeley und Oakland führt.

San Francisco ist eine einzige Freilichtbühne mit vielen Sehenswürdigkeiten. Doch wer zu Fuß durch die Stadt läuft, merkt sehr schnell, dass hier eine besondere Atmosphäre herrscht. Spazieren Sie mit offenen Augen durch die Stadt, öffnen Sie alle Sinne und lassen Sie das alltägliche Leben und die verschiedenen Charaktere auf sich wirken.

Selbst eine Busfahrt kann schon zu einem einmaligen Erlebnis werden. Das Bussystem, die Muni, ist gut ausgebaut, wenngleich Sie gar nicht erst auf die Fahrpläne schauen sollten. Dort stehen keine exakten Abfahrtszeiten, sondern nur, in welchem Minuten- oder Stundentakt der Bus oder die Bahn kommt. Oftmals wartet man eine halbe Stunde, dann kommen gleich drei Busse auf einmal. Gerade das aber macht den Charme von San Francisco aus: Die Stadt funktioniert nicht perfekt, sondern hat ein gewisses Eigenleben entwickelt, in dem letztendlich doch alles fließt - Sie brauchen nur viel Zeit und Geduld.

Noch immer zehrt die Stadt vom Image der kreativ-politischen Beat Generation um Jack Kerouac und Allen Ginsberg der 1950er-Jahre und vom „Sommer der Liebe“, dessen 40. Jahrestag 2007 gefeiert wurde. 1967 zelebrierten in der Geburtsstunde der Hippie-Bewegung Zehntausende Blumenkinder, Aussteiger und Musiker Liebe, Freiheit und Einigkeit - Drogen- und Sex-Exzesse inklusive. Noch heute wohnen hier viele Freidenker und pflegen alternative Lebensstile. Das Hippieviertel kennen viele Auswärtige als Haight-Ashbury, doch in San Francisco sagt man noch immer The Haight - auch wenn die Straßenkreuzung Haight und Ashbury Street die Magie aus den früheren Jahrzehnten verloren hat. Denn längst hocken keine Blumenkinder mehr auf den Bürgersteigen.

Trotzdem konnte San Francisco ein Stück Lebensstil dieser Generation herüberretten: das Gefühl, dass man in San Francisco immer tolerant und progressiv ist. Jeder Zehnte ist ein offen bekennender Homosexueller. So erlaubte Bürgermeister Gavin Newsom im Frühjahr 2004 gesetzeswidrig mehr als 4000 schwulen und lesbischen Paaren die Heirat. Das kalifornische Verfassungsgericht annullierte die Verbindungen allerdings erwartungsgemäß schon im August desselben Jahres.

Anything goes: In San Francisco geht alles. Veränderungen werden schnell akzeptiert und Schwierigkeiten mühelos in Herausforderungen umgewandelt. Diese Haltung hat ihren Ursprung in den Goldgräbertagen des 19. Jhs. Und auch das Erdbebenrisiko hat die kollektive Psyche des Neuerfindens geprägt. 1906 und 1989 rumpelte es besonders gewaltig, die Stadt musste in Teilen neu aufgebaut werden. Zurzeit geht man davon aus, dass mit einer rund 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit bis zum Jahr 2030 wieder ein big one kommt.

Pro Kopf hat San Francisco die meisten Restaurants in den USA. Hier versammeln sich etwa 1000 verschiedene Volksgruppen, die alle authentisch essen und leben wollen. Jeder Stadtteil steht daher für eine bestimmte Volksgruppe: In Chinatown, das sich in Teilen über die drei Hügel Telegraph Hill, Russian Hill und Nob Hill erstreckt, ist alles in Chinesisch ausgeschildert; nur einen Block weiter nördlich, im italienischen North-Beach-Viertel, finden Sie die köstlichste Pizza der Stadt; der Mission District im Nordwesten wird von den Latinos dominiert, und im Castro wehen stolz die Regenbogenfahnen der Schwulen.

Der Geist der ständigen Veränderung zeigt sich auch im Stadtbild: Noch 1960 war San Francisco hauptsächlich eine Hafenstadt, bewohnt zu rund 70 Prozent von weißen Mittelklassearbeitern. 20 Jahre später waren die Hafenanlagen halb verfallen, in der Innenstadt schossen Wolkenkratzer von Banken und Dienstleistungsunternehmen empor. Günstige Arbeiterhotels im Zentrum wurden dem Erdboden gleich gemacht und an deren Stelle die Messe- und Kulturtempel Moscone und Yerba Buena Center errichtet. Auch die nach dem Erdbeben von 1989 stark lädierten Stadtautobahnen wurden nach heftigen Debatten größtenteils abgerissen. Kein Verlust: Einheimische wie Touristen joggen und flanieren jetzt vom Fisherman's Wharf zum Ferry Building und genießen die spektakuläre Aussicht auf Stadt und Bucht.

Der Wandel geht weiter: Die Börse von San Francisco beherbergt heute ein Fitnessstudio, in der Mission Police Station wohnt und arbeitet ein Architekt, der mithalf, die einst artig weiße Außenwand der Station in ein buntes Sammelsurium aus politischen Protestplakaten zu verwandeln.

Und Mitte der 1990er-Jahre entwickelte sich South of Market (SoMa) zum das Epizentrum der Dot-Com-Revolution. Vorher wagten sich nur wenige in das Viertel südlich der Market Street. Der Dot-Com-Boom krempelte die gesamte San Francisco Bay Area völlig um. Ein andere Menschenschlag zog ein: Zielstrebige, vom schnellen Geld träumende Jungunternehmer aus Boston, Texas oder New York residierten nun in den schönen viktorianischen Häusern, die zuvor mexikanische Familien, Rentner und Althippies bewohnten. Auch wenn 2001 der große wirtschaftliche Crash kam, und nach den Terrorattacken vom 11. September auch der Tourismus bedrohlich einbrach, geht es nun langsam wieder aufwärts: Die touristische Branche boomt erneut, und kaum eine Woche vergeht, in der nicht TV-Serien und Filme in San Francisco gedreht werden. Auf der anderen Seite der Bucht entstehen in den Animationsstudios von Pixar Filmhits wie „Ratatouille“. In Silicon Valley tüfteln Firmen wie Google, Yahoo und Facebook am Web 2.0, während Apple immer schneller immer neue iPods und Macs entwickelt.

Klar, dass die Preise steigen, die Parkplätze noch knapper und die Schlangen vor den In-Restaurants noch länger werden. Doch San Francisco ist einfach eine der schönsten Städte der Welt: mit ihrer Mischung aus Tradition und Bildersturm, mit Stadtvierteln, die nicht auf dem Reißbrett geplant, sondern organisch gewachsen sind, mit schrägen Charakteren wie Frank Chu, der auf seinem Protestplakat täglich neu sinnlose Worte aneinander reiht - und natürlich mit den klassischen Sehenswürdigkeiten wie der Golden Gate Bridge, dem Gefängnis auf Alcatraz und dem Haight-Aussteigerviertel.