Reisetipps Rom

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Benedikt XVI.

Mit Benedikt XVI., dem früheren Kardinal Joseph Ratzinger, kam im April 2005 nach 500 Jahren wieder ein Deutscher auf den Stuhl Petri. „Wir sind Papst!“ betitelte die Bildzeitung euphorisch das Wahlergebnis. Die Italiener, im fast zweitausendjährigen Umgang mit 265 Päpsten geübt, stellten dem Neuen aus Marktl am Inn anfangs wohlwollende Noten aus. Inzwischen ist der Alltag in den Vatikan eingekehrt. Viele Italiener stören sich an den Aussagen des gestrengen Theologieprofessors, etwa zu nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Doch zu Benedikts Mittwochs-Audienzen kommen mehr als doppelt so viele Gläubige wie unter seinem Vorgänger Johannes Paul II., und dass der über 80-jährige Papst gerne modische Accessoires wie Markensonnenbrille und rote Maßschuhe à la Prada trägt, trifft bei den Römern eh auf Sympathie.

La mamma

Hinter jedem Politiker, Richter, Taxifahrer oder Mafioso steht eine mamma, die ihn lebenslänglich betreut: „Wir Italiener sind alle mammoni, Müttersöhnchen“, sagt Romano, Oberst im italienischen Heer, sportlich und grau meliert. Natürlich ist jene Gattung der kinderreichen, traditionellen Mutterglucken auch in Rom selten geworden, doch der Mammakult ist stärker denn je. Besteht er doch nicht wie in Deutschland aus einmal im Jahr Pralinen und Muttertagsherzen, sondern betrachtet mamma als täglichen Fixpunkt. „Die Bindung zwischen Mutter und Sohn ist eine lebenslange Liebesbeziehung, wo die Schwiegertochter nur stört“, behauptet eine römische Familientherapeutin. Sie muss es ja wissen - Ihr Mann Cesare ist natürlich auch ein echter mammone.

Obelisken

Touristen bringen sich Gondeln aus Venedig oder den Eiffelturm aus Paris mit. Zu Zeiten Caesars aber war bei den römischen Feldherrn jener bleistiftspitze, tonnenschwere Stein, den die Ägypter für ihren Sonnenkult aufstellten, der letzte Schrei. Zwölf Obelisken stehen auf den schönsten Plätzen Roms. Den ersten brachte Augustus aus Heliopolis mit, den letzten klaute Benito Mussolini 1937 im äthiopischen Axum; er wurde 2004 in einer spektakulären Aktion zurückgegeben. Viele der schlanken Steinstifte sind „mit nilotischen Rätseln“, also mit Hieroglyphen verziert. Falls Sie auf Schnitzeljagd nach den eleganten Statussymbolen von einst gehen möchten, landen Sie bei den ersten Adressen Roms: vor St. Peter, Parlament und Pantheon, auf der Piazza Navona oder Piazza del Popolo, vor dem Quirinalspalast, Santa Maria Maggiore und Dioklezian-Thermen, hoch über der Spanischen Treppe oder klein und versteckt im Park Villa Celimontana.

Papagalli & Paparazzi

Laut Lexikon hat papagallo drei verschiedene Bedeutungen: a) Papagei, b) Uriniergefäß, c) aufdringlicher Verehrer. Letztere erlangten in den 1960er-Jahren in Rom VIP-Status, denn jedes hübsche, blauäugige Nordlicht wollte es damals in der Praxis wissen, was die Illustrierten genüsslich verbreiteten: dass leidenschaftliche latin lover an der Spanischen Treppe lauerten, unnachahmlich „ciao bella“ und „ti amo“ hauchten und sich als Stadt(ver)führer anböten. Man sollte die Verdienste der papagalli um die europäische Vereinigung nicht zu gering einschätzen: Manch ein blendend aussehender ragazzo steht noch heute zu seiner blonden amore.

Papagalli und paparazzi - also Frauen- und Promijäger - haben eigentlich wenig gemeinsam, außer dass sie beide der Phantasie des genialen Federico Fellini entsprungen sind. Im Film „La Dolce Vita“ erleben der Journalist Marcello (Mastroianni at his best) und sein Fotograf namens Paparazzo auf der Via Veneto ihr blaues Wunder, meistens in Form von Prügeln eines Lex Barker. Danach war das Schimpfwort „Paparazzo“ für Schmeißfliegenfotografen geboren. Paparazzi und papagalli aber jagen noch heute scharfen Bildern und ansehnlichen Touristinnen nach.

Scippatori

Sie sind wenig ruhmvolle Artisten, die jungen scippatori. Zu zweit hocken sie auf der Vespa, der Fahrer gibt Gas, und der Sozius entreißt einem Passanten seine Tasche. So manche Touristin wurde schon am Riemen ihrer Handtasche übers Pflaster geschleift. Am besten, Sie lassen Ihre neue Schweinslederne im Hotel und versenken das Portemonnaie tief in die Hosentasche - es sei denn, Sie sind Weltmeister im Freistil.

Achtung auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Metro und besonders im Bus 64 von der Stazione Termini zum Vatikan. Die jungen Romamädchen mit Babys auf dem Arm, die so treuherzig gucken, sind nicht selten sehr geschicke Diebinnen, die schon so manche fremde Geldbörse oder Armbanduhr haben mitgehen lassen.