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Naturerlebnis: Eine Fahrt durch den Lake District

Bei gutem Wetter ist die Rundreise von ca. 120 km ein besonderes Vergnügen. Doch auch an einem trüben Tag sollten Sie sich nicht abhalten lassen. Der Lake District sieht bei jedem Wetter wunderschön aus. Wenn Sie eine Wanderung um den Wast Water vorhaben und vielleicht sogar den höchsten Gipfel der Region, den Scafell Pike (978 m), erklimmen möchten, sollten Sie sich für die Tour mindestens zwei Tage Zeit nehmen.

Ausgangspunkt der Fahrt ist das viktorianische Ambleside im Zentrum des Lake District. Das Marktstädtchen, das im Sommer viele Touristen aufnimmt, ist Treff- und Ausgangspunkt für Wanderer und Kletterer.

Von Ambleside fahren Sie westlich ein Stück auf der A 593, danach auf einem Abzweig weiter westlich durch Little Langdale zum Wrynose Pass. Auf kurvenreichen Straßen geht es an Bächen vorbei zum Hardknott Pass (393 m). Mit 30 Prozent Steigung ist der Weg hinauf der steilste in ganz England. Oben angelangt haben Sie bei gutem Wetter eine hervorragende Sicht auf Tal und Berge. Mit etwas Glück ist in der Ferne sogar die Isle of Man zu erspähen. Bei jedem Wetter zu sehen sind die für den Lake District typischen Herdwickschafe, die sich den rauen Bedingungen in dieser Höhe bestens angepasst haben. Auf dem Weg ins Eskdaletal kommen Sie auf halber Höhe an den römischen Ruinen des Hardknott Forts vorbei. Klettern Sie hinauf, und genießen Sie den Blick übers Land.

Im Tal angelangt, werden Sie rechter Hand die Station der Ravenglass-&-Eskdale-Schmalspur-Dampflokomotive sehen. Die älteste nochin Betrieb befindliche Schmalspurbahn Englands fährt heute vor allem Touristen die 11 km bis nach Ravenglass (www.ravenglass-railway.co.uk). Früher transportierte sie Eisenerz von den Bergen an die Küste. Mit dem Auto geht es weiter in Richtung Meer. Bei einer Weggabelung stoßen Sie direkt auf einen Pub. Dort fahren Sie nördlich in Richtung Santon Bridge und dann nach Nether Wasdale zum Wast Water. Mit 260 m ist er der tiefste See Englands. Am Ufer entlang führt eine schöne Wanderung mit Blick auf die Berge (10 km). Am anderen Ende des Wast Water, in Wasdale Head, beginnt der Aufstieg zum höchsten Berg Englands, dem Scafell Pike (978 m). Auf dem Weg zum Gipfel liegt die Herberge Wasdale Head Inn (Tel. 019467/26229 | Übernachtung | €€€, Restaurant €€ | www.wasdaleheadinn.co.uk).

Diejenigen, die auf die Wanderung verzichten, fahren vom See zurück in Richtung Gosforth und von dort aus auf der A 595 über Calder Bridge auf einer abzweigenden Straße nach Ennerdale Bridge. Herrliche Ausblicke auf jeder Seite: links das Meer, rechts die Täler. Immer wieder sehen Sie die für diese Gegend typischen Schiefermauern, mit denen die Farmer ihr Land abgrenzen. Hinter Lamplugh geht es nach rechts über Loweswater nach Buttermere. Am See gelegen, umgeben von den höchsten Bergen der Region und vielen Wasserfällen, ist der Ort ein beliebter Ausgangspunkt für Bergwanderungen.

Die Fahrt führt weiter über den Honister Pass durch das Borrowdale entlang dem Derwent Water nach Keswick. Falls Sie noch Muße haben, sollten Sie unbedingt ein Stückchen die A 66 nach Osten entlangfahren und sich den Castlerigg Stone Circle ansehen. Die 5000 Jahre alten Steine bringen die vorgeschichtliche Vergangenheit näher, ohne etwas von ihrem Zauber preiszugeben.

Literarische Spurensuche in Brontë-Country

Für diese Wanderung von ca. 15 km sollten Sie einen guten Vormittag einplanen und auf jeden Fall festes Schuhwerk dabeihaben. Der Weg ist leicht, nur auf dem Stück zum Top Withins geht es ein wenig bergauf. Egal welches Wetter Sie erwischen, Sie werden die Tour genießen und die Brontë-Schwestern und ihre Bücher nach der Wanderung durch Brontë-Land sicher besser verstehen.

Stratford-upon-Avon ist unbestritten der meistbesuchte literarische Ort auf den Britischen Inseln. Doch gleich danach folgt Haworth, ein kleiner, hügeliger Ort im Norden Englands, in den Mooren von West-yorkshire. Hier lebten in der Mitte des 19. Jhs. die Brontës, Englands berühmteste Literatenfamilie. Die Bücher der Pfarrerstöchter Charlotte, Emily und Anne sowie ihr früher Tod machten den Ort zur literarischen Pilgerstätte. Auf einer Wanderung durch das im Herbst mit Heidekraut bedeckte Moor von Haworth nach Top Withins lernen Sie die Landschaft kennen, die so bildhaft in den Romanen beschrieben ist. Ausgangspunkt ist das Brontë-Museum in Haworth. Ortsauswärts ist der Weg nach Peninstone Hill (1 km) ausgewiesen. Von dort geht es - ebenfalls gut ausgeschildert - zu den Brontë-Wasserfällen. Die drei Schwestern bezeichneten den schönen Platz als den „Treffpunkt des Wassers“, das hier von drei Seiten herabströmt und sich in einem Fluss zusammenfindet. Übersehen Sie nicht den Stein, der an einen Sessel ohne Lehne erinnert und von den Leuten im Ort „Charlottes Stein“ getauft wurde. Danach wird die Tour etwas anstrengender. Um zu den „Sturmhöhen“ zu kommen, müssen Sie die Brontë-Brücke überqueren und dann leicht bergauf gehen. In der Ferne verspricht das Gehöft von Top Withins die baldige Ankunft. Nach gut 6 km Fußmarsch oben angelangt, können die Wanderer den frischen Wind und an schönen Tagen den Ausblick weit über das Haworth Moor genießen. Die Anhöhe Top Withins soll übrigens Emily Brontë zu ihrem Buch „Sturmhöhen“ inspiriert haben.

Zurück geht es immer abwärts nach Haworth. Viele Sehenswürdigkeiten des Ortes stehen in enger Verbindung mit den Brontës, z.B. das Pfarrhaus, das die Brontë-Gesellschaft den überlieferten Beschreibungen nach restauriert hat (tgl. 10 bis 17.30, Okt.-März 11-17 Uhr | Eintritt £ 5,50 | Tel. 01535/642323 | www.bronte.org.uk). Zwischen dem Pfarrhaus und der Kirche, in der es eine kleine Gedenkstätte für die Familie gibt, befindet sich der Friedhof. Die Grabstätten zeigen, dass nicht allein die Brontë-Familie den viel zu frühen Tod vieler Angehöriger zu beklagen hatte. Allein mit Alkohol konnte der Kummer betäubt werden. Pubs gab es genügend im Ort. Sie florieren bis heute. Es heißt, dass Branwell, der einzige, talentierte, doch erfolglose Sohn der Familie, im Black Bull so manches Glas zu viel getrunken hat. Entlang der kopfsteingepflasterten Straße wird mit den Schwestern Kasse gemacht: Brontë-Bücher, Brontë-Tassen, Brontë-Dufttücher. Gutes Essen und Unterkunft bietet Weavers Restaurant (3 Zi. Bed & Breakfast | 15 West Lane | Tel. 01535/643822 | Fax 644832 | www.weaversmallhotel.co.uk). Infos unter www.bronte-country.com

East Anglia: Kulinarische Küstentour

East Anglia ist unter Ausländern trotz seiner schönen Küste, der idyllischen Dörfer und kleinen Städtchen mit den typischen Fachwerkhäusern wenig bekannt. Genießen Sie die Tagestour von etwa 60 km, die meist auf einsamen Nebenstraßen verläuft. Probieren Sie köstlichen Fisch und frische Austern, und lassen Sie sich in vergangene Zeiten zurückversetzen.

Erstes Ziel ist das hinter einem Aufforstungsgebiet versteckte Orford (von der A 12 über Woodbridge in Richtung Küste). Genießen Sie gleich dort Austern und Lachs. Die Pinney-Familie führt die Butley Orford Oysterage seit über 50 Jahren (tgl. 12-14.15, abends nur April-Okt. Mi-Sa 18.30 bis 21 Uhr | Tel. 01394/450277 | €€). Der Fluss Alde ist reich an Plankton, sodass gute, dicke Austern wachsen. Oder Sie besorgen sich Forelle, Brot und Wein und picknicken am Fluss. Wie wär's nach dem Essen mit einer Segeltour? Vom Hafen aus werden u.a. Touren zum Orford Ness, einer als Naturschutzgebiet bedeutenden Kiesbank (16 km lang), durchgeführt. Zurück im Dorf besichtigen Sie die 30 m hohe Burg aus dem 12. Jh. (tgl. 10-18 Uhr | Eintritt £ 4,70). Die beste Adresse zum Übernachten ist das Crown and Castle (18 Zi. | Tel. 01394/450205 | www.crownandcastle.co.uk | €€€).

Von Orford geht die Fahrt auf der B 1084 in Richtung Snape Street. Nach Feldern und einsamen Bauernhöfen sehen Sie rechter Hand Snape Maltings, eine umgebaute viktorianische Mälzerei mit modern designten Geschäften, dem Pub-Restaurant Plough and Sail und Ferienwohnungen (Restaurant €-€€ | Tel. 01728/688413 | www.snapemaltings.co.uk). Auf dem Gelände befindet sich außerdem eine Konzerthalle, die europaweit für ihre hervorragende Akustik bekannt ist. Alljährlicher Höhepunkt ist das im Juni stattfindende internationale Aldeburgh-Musikfestival. Benjamin Britten, berühmtester Sohn der Stadt, hat die Konzertreihe 1948 begründet.

Von Snape Maltings sind es auf der A 1094 nur wenige Minuten bis Aldeburgh. Das charmante Seebad mit seinem Kieselsteinstrand ist ein beliebter Urlaubsort. Nach übereinstimmender Meinung gibt es in Aldeburgh den besten Fish & Chips in ganz Ostengland. Britten-Verehrer werden das Grab des Komponisten auf dem Friedhof der Aldeburgh Church besuchen.

Von Aldeburgh führt ein Weg in Richtung Norden nach Thorpeness. Der Ort ist ein Modelldorf aus der Edwardian-Zeit (1901-1914). Besonders bekannt ist das „Haus in den Wolken“, ein Wasserturm mit Ferienwohnungen auf der Spitze.

Die nächste Etappe in Richtung Dunwich führt auf der B 1122 über Westleton. Das Westleton-Minsmere-Reservat, eines der größten Vogelschutzgebiete des Landes, ist einen Stopp wert. Ein Spaziergang durch das Heideland, den Wald und die Lagunen ist eine gute Abwechslung zum Autofahren. Hinter Westleton führt eine kleine Nebenstraße (ohne Nummerierung) rechts ans Meer nach Dunwich. Der Ort ist eigentlich ein Paradox. Denn die Leute kommen, um zu sehen, was es nicht (mehr) gibt. Zu Zeiten der Angelsachsen war Dunwich die größte Stadt der Region. Heute liegen sechs Kirchen, drei Kapellen, ein Kloster und viele Häuser auf dem Meeresgrund. Zentimeter um Zentimeter frisst sich das Meer in die Küste. Im Museum von Dunwich (St. James Street | tgl. 11.30-16.30 Uhr | Eintritt frei) wird die Chronik des Verschwindens erzählt. Die letzte Kirche versank in den 1930er-Jahren im Meer. Die Engländer, die Spukgeschichten lieben, meinen, dass man bis heute die Glocken der versunkenen Kirchen hören kann. Ein hervorragendes Motiv für Schriftsteller. Kein Wunder also, dass Dunwich Handlungsort vieler Krimis ist.

Southwold ist das letzte Ziel der Tour. Wer zu Fuß laufen möchte, geht von Dunwich am Strand entlang, Autofahrer und Radler gelangen über die A 12 und die A 1095 in den eleganten Badeort. Southwold ist eine Art Mini-Bath mit Regency-Villen und kleinen Greens, um die sichdie Häuser wohlhabender Bürger gruppieren. Die Stadt hat mit Seebrücke und Leuchtturm alles, was einen Badeort ausmacht. Außerdem finden Sie hier gute Hotels mit Restaurants wie The Swan (High Street | Tel. 01502/722186 | €€€) und The Crown (High Street | Tel. 01502/722275 | €€€); bester Pub: The Lord Nelson.