Reisetipps Chicago

Stadtspaziergänge Chicago

Blick nach Oben: Wolkenkratzer im und um den Loop

Hans-guck-in-die-Luft geht durch Chicago. Bei dieser Tour wandert der Blick ständig nach oben, zu den Spitzen der legendären Wolkenkratzer, die in der Windy City sozusagen erfunden wurden und die von der architektonischen Entwicklung erzählen (Dauer: ca. 4 Std.).

Vom nostalgischen Skyscraper bis zum futuristischen Glaskasten - dieser Spaziergang führt durch ca. hundert Jahre Wolkenkratzerarchitektur. Weltberühmte Architekten wie Frank Lloyd Wright, Ludwig Mies van der Rohe und Helmut Jahn haben der Stadt ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt, vom Ende des 19. Jhs. bis ins dritte Jahrtausend hinein. Startpunkt ist die Michigan Avenue Bridge, ein idealer Treffpunkt am Chicago River. Über die Michigan Avenue geht es nach Süden zum Carbide and Carbon Building, das wirkt, als würde es aus einem schwarzen Sockel wachsen - zweifellos eines der schönsten Gebäude der Stadt. Die grüne Terrakottaverkleidung hat viel von ihrem Glanz verloren, aber an der Spitze funkeln immer noch verspielte Ornamente aus Blattgold.

Der Spaziergang führt weiter über die Lake Street und an der östlichen Grenze des Loop entlang. Die Michigan Avenue, von den Böen der Windy City sauber gefegt, liegt wie eine prächtige Allee zwischen Grant Park und Loop. Rechts rattert die legendäre El über die hochgelegten Schienen. Zwischen Randolph und Washington Street liegt das Chicago Cultural Center, ein Zentrum für Ausstellungen und Konzerte, das 1897 erbaut wurde und mit seiner Grandezza an die Paläste in Florenz und Venedig erinnern soll. Folgen Sie nun der Madison Street nach Westen, gehen unter der lärmenden El hindurch und in den Loop, das geschäftige Zentrum der Stadt. Auf der State Street, der legendären Geschäftsstraße der Windy City, geht es nach Süden. Der Versuch, diese einstige Verkehrsader in eine Fußgängerzone zu verwandeln, misslang gründlich, und seit einigen Jahren rollen wieder Autos über die State Street. So aber kommt das Großstadtfeeling auch besser an. In Chicago ist fast immer Rushhour.

Zwischen Madison und Monroe Street gehört der Wolkenkratzer des Carson Pirie Scott and Company Store zu den mutigsten Gebäuden des eigenwilligen Architekten Louis H. Sullivan, der die Höhe des Hauses durch dynamische Ornamente und schlanke Säulen im Innern unterstrich. Danach biegen Sie rechts in die Van Buren Street, gehen vorbei an der Chicago Public Library zum Monadnock Building, das zwischen der Van Buren und der Jackson an der Dearborn Street wartet. Es gilt als Paradebeispiel für die Chicago School of Architecture. Alle Formen und Ornamente sollen die Funktion eines Gebäudes unterstreichen, lautete das Credo der damaligen Architekten, und das ist bei diesem nüchternen Backsteingebäude von 1891 auf perfekte Weise gelungen.

Über die Jackson Street geht es zur La Salle Street und zum Chicago Board of Trade, dem schönsten Wolkenkratzer aus der Art-déco-Ära. Am Wacker Drive ragen die schwarzen Quader des Sears Tower in die Wolken, der viele Jahre lang das höchste Gebäude der Welt war. Wer mag, tut sich nun bei Mrs. Levy's an ein paar Schleckereien gütlich.

Danach führt Sie der Spaziergang über die Adams Street nach Osten zurück. Kurz vor der Clark Street geht es ins Rookery Building, das mit einer prächtigen Lobby aus Marmor beeindruckt. Sie wurde von Frank Lloyd Wright zu Beginn des 20. Jhs. entworfen. Folgen Sie der Clark Street nach Norden, und ruhen Sie sich auf der stimmungsvollen Bank One Plaza in der Sonne aus (natürlich nur, wenn das Wetter mitspielt). Stühle sind reichlich vorhanden. Hier können Sie sich auch einen Hotdog schmecken lassen - so wie die vielen Büroangestellten, die hier ihre Mittagspause verbringen.

Bevor es weiter in die Randolph Street nach Osten geht, besuchen Sie auf jeden Fall das futuristische James R. Thompson Center des deutschen Architekten Helmut Jahn, das mit seiner kühnen Glas- und Stahlkonstruktion ein wenig an ein Raumschiff erinnert.

Der Spaziergang führt weiter in die State Street, dann rechts in die Lake Street und über die Wabash und South Street zur Michigan Avenue zurück. Jenseits der Brücke gehört das 1924 erbaute Wrigley Building zu den bekanntesten Wolkenkratzern der Stadt. Gegenüber bildet der Chicago Tribune Tower den Endpunkt des langen Spaziergangs.

Häuser der oberen Zehntausend: die Gold-Coast-Tour

Die Goldene Küste bekam ihren Namen in der Zeit nach dem großen Feuer (1871), als wohlhabende Bürger sich prächtige Villen vor allem an der North Astor Street errichteten. Die Goethe Street und die Schiller Street erinnern an die deutschen Einwanderer, die sich hier niederließen. Dauer des Spaziergangs: ca. 3 Std.

Der Spaziergang beginnt am Oak Street Beach, dem populären und schicken Strand zwischen Lake Shore Drive und Lake Michigan. Auch unter der Woche bevölkern Radfahrer und Inlineskater die asphaltierten Wege, der Sand wird an schönen Tagen zum Tummelplatz für sonnenhungrige Städter, die im See ein Bad nehmen.

Durch die Unterführung, über der der North Lake Shore Drive verläuft, erreichen Sie die Division Street. Biegen Sie kurz darauf nach rechts in die North Astor Street ein, an der die meisten Prachthäuser der einstigen oberen Zehntausend liegen. An der Kreuzung Astor/Goethe Street warten gleich mehrere vornehme Adressen: 1316 und 1322 N. Astor wurden um 1930 von Philip B. Maher gebaut, zwei Paradebeispiele für den modernen und sachlichen Stil nach dem Ersten Weltkrieg. Die James L. Houghteling Houses (1308 und 1312 N. Astor) wurden 1888 fertiggestellt und gehören zu den schönsten Town Houses dieser Zeit.

Von Goethe zu Schiller: An der Kreuzung Astor Street/Schiller Street und nördlich davon liegen das Charnley-Persky House (1365 N. Astor), das von Frank Lloyd Wright und anderen Architekten 1892 entworfen wurde und als erstes modernes Haus Amerikas bezeichnet wird. Nur spärlich dekoriert, besitzt es ein in der Mitte liegendes, lichtdurchflutetes Treppenhaus. Das Joseph T. Ryerson House (1406 N. Astor) wurde 1922 von David Adler erbaut. 1444 N. Astor erinnert an die Art-déco-Wolkenkratzer der Innenstadt, und das Tudor House (1451 N. Astor) fällt mit seinen schmalen Fenstern ins Auge. Am East Burton Place führt der Weg nach links, vorbei am Patterson-McCormick Mansion (20 E. Burton), einem italienischen Palazzo, der auch in Venedig stehen könnte und ein Geburtstagsgeschenk für die Tochter des Verlegers der „Chicago Tribune“ war.

Weiter geht der Spaziergang über die North State Street nach Norden zum North Boulevard, wo der Sitz des römisch-katholischen Erzbischofs, ein rotes Backsteinhaus, an das alte England erinnert. Die Chicago Historical Society, in einem großen Gebäude am Lincoln Park untergebracht, lohnt einen Besuch, allerdings sollten Sie unbedingt eine Extrastunde dafür einplanen, wenn Sie sich für die Geschichte der Stadt interessieren.

Erholung ist auf der North Wells Street angesagt, die zwei Blocks weiter nach Süden abzweigt. Sie führt durch Old Town, eines der Vergnügungsviertel der Stadt, und lockt mit zahlreichen Restaurants, Straßencafés und Shops. Über die East Goethe, North Astor und East Division Street geht es dann zum Strand zurück.

Kunst unter freiem Himmel: die Loop-Sculpture-Tour

Wie in einem riesigen Freilichtmuseum sind die Skulpturen weltberühmter Künstler auf den Loop verteilt. Ein Spaziergang durch dieses Open-Air-Museum kostet keinen Cent und führt durch die belebte Innenstadt der Windy City (Dauer: 2 Std.).

Dieser Rundgang beginnt im Loop an der Ecke Dearborn und Jackson Street, an der U-Bahn-Station Jackson der Linien Red und Blue, auf den belebtesten Straßen der Riesenstadt. Wer dem U-Bahnhof entstiegen ist, sieht sich vier Skulpturen gegenüber: „The Town-Ho's Story“ von Frank Stella im Metcalf Federal Building, „Ruins III“ von Nita K. Sutherland, „Lines in Four Directions“ von Sol Lewitt und einer der schönsten Plastiken im Loop, dem orangefarbenen „Flamingo“ von Alexander Calder vor dem Federal Center, eine elegante Stahlkonstruktion mit kühnen Schwingen, die den Künstler an einen Flamingo erinnerte.

Über die Clark Street geht es nach Süden und über die Van Buren Street nach Westen. Zwischen La Salle und Sherman Street steht „San Marco II“, 1986 von Ludovico de Luigi geschaffen. Nach rechts folgen Sie dem Wacker Drive bis zur Adams Street. „Gem of the Lakes“ wurde 1990 von Raymond Kaskey gestaltet. In der Lobby des Sears Tower steht eine zweite Plastik von Alexander Calder, „The Universe“. Über die Adams Street gehen Sie nun nach Osten und über die Wells Street nach Norden. Zwischen Monroe und Madison Street ist Frank Stella mit „Loomings“ und „Knights and Squires“ vertreten, zwischen Madison und Washington Street steht „Down Shadows“ von Louise Nevelson. Die Skulpturen ragen wie selbstverständlich aus der steinernen Wüste und wirken wie fantasievolle Farbtupfer in einer Landschaft aus Wolkenkratzern und gläsernen Palästen.

Über die Randolph Street geht es nun nach Osten. An der North La Salle Street erhebt sich die erfindungsreiche „Freeform“ von Richard Hunt, und der „Flight of Daedalus and Ikarus“ von Roger Brown symbolisiert die ersten Flugversuche der Menschen. „The Monument with Standing Beast“, eine Plastik von Jean Dubuffet, die 1985 zu seinem 84. Geburtstag enthüllt wurde, versucht, mit dem auffälligen James R. Thompson Center von Helmut Jahn zu konkurrieren. Im Daley Center in der Dearborn Street finden Gerichtsverhandlungen statt, aber der vollen Aufmerksamkeit der Besucher darf sich eher die Plastik von Pablo Picasso erfreuen. Seit 1967 steht die 160-t-Skulptur an dieser Stelle, ein abstraktes Wesen, teils Frau, teils Schmetterling, teils Raubtier, von den Chicagoern eher geduldet als geliebt. Von der Dearborn Street gehen Sie in die Washington Street, zu „Miró's Chicago“, einer abstrakten Frau mit ausgestreckten Armen, die 1981 an Mirós 88. Geburtstag enthüllt wurde. Das letzte Kunstwerk in dem „Museum ohne Wände“ ist das 13 m breite Mosaik „Die vier Jahreszeiten“, das Marc Chagall 1975 schuf und Chicago zum Geschenk machte. Hier, auf der Bank One Plaza, endet dieser Rundgang durch den Loop.