Ein Kommentar von Ch. Hickmann, Lollar

Klares Votum: Die Linke in Hessen ist grundsätzlich bereit, Rot-Grün in Wiesbaden zu tolerieren - und zeigt auf ihrem Parteitag, wie pragmatisch der Landesverband entscheidet.

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Die Linkspartei in Hessen hat mit breiter Mehrheit für eine Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung gestimmt. Foto: dpa

Bis zuletzt hatte man bei SPD und Grünen nicht recht gewusst, was passieren würde im Bürgerhaus von Lollar. Man war besorgt gewesen, hatte diesen Landesparteitag gefürchtet und überlegt, was der hessischen Linken in den Sinn kommen könnte an Beschlüssen oder auch Redebeiträgen, die den rot-grün-roten Traum der Andrea Ypsilanti hätten zum Platzen bringen können. Stattdessen aber war beim Parteitag vor allem eines zu beobachten: die Metarmorphose einer Partei.

Vor einem Jahr noch hatte der damals gerade gegründete Landesverband ein derart chaotisches Bild geboten, dass man SPD und Grüne wohl schlicht für verrückt erklärt hätte, wäre damals schon von einer festen Zusammenarbeit die Rede gewesen. Und auch heute scheint mancher Delegierte die Politsatire der realistischen Auseinandersetzung mit der hessischen Situation vorzuziehen.

Auch heute gibt es lange Debatten, die zu wenig mehr führen als zur Sprengung jeglichen Zeitplans. In einem aber war der Saal in Lollar sich einig: Koch muss weg, ohne uns geht das nicht, und deshalb reißen wir uns jetzt zusammen.

Überraschend daran ist vor allem Letzteres. Jene Bedingungen, die der Parteitag für die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung abgesteckt hat, sind erst einmal sehr weitläufig. Zwar müssen sie in Verhandlungen noch konkretisiert werden, zwar soll es noch einen Mitgliederentscheid über das endgültige Ergebnis geben. Doch zumindest derzeit sind keine unüberwindbaren Hürden in Sicht.

Das liegt zum Teil daran, dass die hessische Linke sich im ersten Jahr ihres Bestehens gefestigt hat. Es liegt aber vor allem daran, dass seit der Landtagswahl sieben Monate vergangen sind und Roland Koch noch immer in der Staatskanzlei sitzt - während seine CDU nicht aufhört, beinahe täglich auf die vermeintlichen Systemfeinde von der Linkspartei einzudreschen. Das schweißt zusammen. Selbst solche Gemeinschaften, deren Lieblingsbeschäftigung es noch vor einem Jahr war, die Öffentlichkeit mit Selbstzerfleischung zu unterhalten.

(sueddeutsche.de/plin)