1. Oktober 2017, 21:44 Offizielle Einweihung Ein Schlüssel für offene Türen

Der Unterricht an der neuen Schule am Poinger Bergfeld ist bereits im vollen Gang - nun wurde offiziell Eröffnung gefeiert

Von Franca Wittenbrink

"Ich finde vor allem die Tafel cool. Sie sieht aus wie ein Fernseher", antwortete ein Junge auf die Frage, was ihm an seiner neuen Schule besonders gut gefalle. Der Zauber steckt ja bekanntlich im Detail - für die meisten der Anwesenden dürfte es bei der offiziellen Eröffnung der Grundschule am Poinger Bergfeld aber dennoch vor allem um das große Ganze gegangen sein: Die neue Schule steht.

Pünktlich zum ersten Schultag am 12. September konnten die Klassenzimmer bezogen werden. Außerdem gibt es in dem Neubau eine Kita. Am vergangenen Freitag fand die feierliche Schlüsselübergabe statt. "Griaß di, servus, hab' die Ehr'" sangen die Schüler der vierten Klasse zum Auftakt, für die offizielle Begrüßung trat im Anschluss Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) ans Mikrofon. Im besten Fall, so Hingerl, werde eine Schule für Kinder zum zweiten Zuhause. Die Verantwortung, das Umfeld dementsprechend zu gestalten, sei groß. Umso mehr freue er sich daher über das gelungene Projekt in Poing, das neben der Fertigstellung der Kita- und Schulgebäude noch eine weitere Herausforderung erfolgreich gemeistert habe: Für die kommenden zwei Jahren teilt sich die Grundschule am Bergfeld die neuen Räume mit den Kindern der Schule an der Karl-Sittler-Straße, deren eigenes Gebäude momentan abgerissen und dann wiederaufgebaut wird. Mit vier Bussen werden die Schüler in dieser Zeit zur neuen Schule am Bergfeld und wieder nach Hause gefahren, mehrere Lotsen begleiten sie bei der An- und Abfahrt. "Dank der vielen helfenden Hände klappt das bisher ganz hervorragend", lobte Hingerl.

Auch der Frankfurter Architekt Bernd Mey zeigte sich zufrieden über das Ergebnis seiner Arbeit. Sein Büro hatte den europaweit ausgeschrieben Wettbewerb zum Entwurf des Gebäudes im Jahr 2014 gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten "Landschaft Drei" aus Konstanz gewonnen. "Ein Projekt dieser Größenordnung stemmt man natürlich nicht allein", betonte Mey. "Diese Schule war in den letzten Jahren das täglich Brot von etwa 100 Planern."

Den Schlüssel in Form eines über drei Bleche gebackenen Hefezopfes überreiche er daher im Namen aller Beteiligten. Für Hingerl eine passende Symbolik: "Den sollten wir gleich aufessen", scherzte der Bürgermeister, "das zeigt dann den offenen Charakter der Schule: Einen Schlüssel brauchen wir hier gar nicht".

Über die Offenheit der neuen Schule freute sich auch Schulleiterin Karena Schaffer. Der Gedanke, eine neue Schule zu gründen, habe sie von Anfang an sehr gereizt: "Und nun, wo das Gebäude steht, kann ich endlich kreativ loslegen".

"Eine tolle Reiseunterkunft", betonte auch Tanja Markefka, Leiterin der Schule an der Karl-Sittler-Straße, deren Schulkinder das Gebäude ebenfalls bereits bezogen haben. Markefka hatte die Schüler gebeten, ihre ersten Eindrücke auf bunten Kärtchen zu notieren. Die Ergebnisse präsentierte sie nun dem amüsierten Publikum: Neben der "tollen Tafel" und den "automatischen Türen" fanden vor allem die "Toleten" und die "Desenfiktion" Erwähnung auf den bunten, sorgfältig beschriebenen Zettelchen. "Sie sehen: meine Schüler legen großen Wert auf Hygiene", schlussfolgerte die Schulleiterin lachend, "die neue Luxusausstattung ist also ein voller Erfolg!"

Zum Abschluss der Feier wurde das Gebäude von den Pfarrern Christoph Klingan und Michael Simonsen in einem kurzen ökumenischen Gottesdienst gesegnet. Die beiden Geistlichen erschienen dabei nicht weniger gut aufgelegt: "Vor allem hier wissen wir ja mittlerweile, wie wichtig es ist, dass Gebäude gut stehen", scherzten sie in Anspielung auf das kleinere Erdbeben, das sich erst kürzlich wieder in Poing ereignet hatte.