Der Raub des Urheberrechts von Dichtern, Musikern, Filmemachern und Journalisten muss aufhören. Der Gastbeitrag eines Künstlervaters.
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Auch sein Geist verflüssigt sich im Netz: Rocksänger Alice Cooper. Foto: dpa
Lauti Lautenfeld war das erste Opfer der Idee vom kostenlosen, universellen Kulturkonsum. Ein Pflasterstein am Kopf des legendären Tourneeleiters verlieh Anfang der 70er Jahre den Sprechchören vor einem Deep-Purple-Konzert in der Ulmer Donauhalle Nachdruck. In Hamburg rammten später Fans die Bühnentür des Audimax mit einem Baumstamm, so erzwang man sich 1971 freien Zugang zu einem ohnehin schon komplett überfüllten Konzert von Pink Floyd. Dies nur mal zwei Beispiele dafür, dass der heute hochaktuelle Gedanke "Kultur ist frei" (ergo: umsonst) aus den blümeranten 60ern des vergangenen Jahrhunderts herüberweht. Blumenkinder fackelten nicht lange, wenn sie nicht bekamen, was ihnen ihrer Meinung nach gratis zustand.
Pink Floyd-Manager Peter Jenner hatte in Cambridge mit Auszeichnung studiert und war schon mit 21 Jahren Dozent an der London School Of Economics - das Kapitel "Psychologische Kriegsführung im Kapitalismus" interpretierte Jenner in genialischer, ja wunderbarer Bigotterie: Er bestand stets auf vorzeitiger Bezahlung, um direkt nach Erhalt der Gage um die Halle herumzuwetzen und dann vor dem Haupteingang für freien Eintritt und gegen Veranstalter zu protestieren. Immerhin Leonard Cohen hielt es mit freier Liebe, nicht aber mit freier Musik. Er rief seinen demonstrierenden Fans zu, ob sie von Sinnen seien, er wolle eine anständige Gage statt Almosen, wie solle er sonst zum Beispiel seine Band bezahlen? Zersplitterte Türen, verletzte Fans und Ordner, Konzertabsagen und haufenweise Hallenverbote. Those were the days . . .
Die Konzertbranche konnte den Sturm auf ihre Barrikaden abwehren, aber für die Tonträgerindustrie ist Gratis für alle schon lange Wirklichkeit. Während man jahrelang Liebhaber-Editonen alternder Künstler als biedermeierliche CD-Boxen herausbrachte, machten andere das Geld im Netz. Legale Downloads der Plattenfirmen können die Defizite bei weitem nicht mehr wettmachen. Und der deutsche Warner-Musikchef Bernd Dopp sagte neulich zu Recht, dass die Musikindustrie als Speerspitze der gesamten Kreativwirtschaft zusätzlich von der Pest der Raub- und Privatkopien heimgesucht werde.
Schallplattenfirmen, Zeitungsverlage, sie alle dealen täglich mit Gegenwart und haben aber erst die Moderne verschlafen, und dann waren sie - Schritt 2 - arrogant genug, diese Moderne bewusst zu ignorieren, weil sie ihre hardware für was Besseres hielten. Es wäre an ihnen allen gewesen, Musik ebenso legal im Netz anzubieten wie die Verlage ihre Rubrikenmärkte für Wohnungen, Autos etc. Selber schuld. Wenn es schlecht läuft, folgt jetzt Schritt 3: die Kapitulation.
Das eigentliche Problem nämlich wiegt noch viel schwerer: Es geht um die Rechte. Wieso erlauben wir hier die flächendeckende Enteignung? Was für ein Gesicht machen wir, die wir mit Kreativen Geschäfte machen und/oder die Schätze ihrer Arbeit lieben, wenn uns die Gratis-Fratze angrinst? Und auf welcher Seite steht die Politik?
Am vergangenen Wochenende haben 160 Autoren, Verleger und Wissenschaftler den "Heidelberger Appell" unterzeichnet, darunter so großartige Leute wie Michael Krüger, Georges-Arthur Goldschmidt und Vittorio Klostermann. Sie lehnen alle Versuche ab, "das für Literatur, Kunst und Wissenschaft fundamentale Urheberrecht, das Grundrecht der Freiheit von Forschung und Lehre sowie die Presse- und Publikationsfreiheit zu untergraben".
Zügelloser Raubbau an kreativen Leistungen
Quer durch alle Branchen muss man sagen: Ohne technischen und rechtlichen Schutz ist der Wettlauf mit der Zeit und gegen den Zeitgeist nicht zu gewinnen. Computerproduzenten und Softwarehersteller profitieren derweil von einem zügellosen Raubbau an kreativen Leistungen. Selbst die Gema hat das Handtuch geworfen, was den Rechte-Raubbau im Internet anbelangt.
Die Monopolverwertungsgesellschaft versucht sich nun an uns Konzertveranstaltern schadlos zu halten, die wir mit Forderungen nach Gebührenerhöhungen von über 500 Prozent konfrontiert werden. Das von den Musiklabels als Ausweg propagierte "360°-Vermarktungsmodell" erweist sich derweil als Irrweg: Kommerziell erfolgreiche Künstler haben vor jede weitere Beteiligung an ihren Konzert- oder Merchandising-Einnahmen die Hürden erhöhter Gagen, Garantien und Risiken gesetzt, die Gewinne in weite Ferne rücken lassen. So gesehen hätten Schallplattenfirmen als Veranstalter weit größere Chancen beim Roulette. Fazit: It's a slap in the face and a kick in the ass . . .
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Das Leben der Anderen
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