Ein Kommentar von Martin Hesse

Der Fall der WestLB sollte Politikern und Sparkassen die Augen öffnen: Eine Vorstellung von der Zukunft des deutschen Bankensystems ist dringend nötig.

Banken unter der Lupe, Collage: SZBild vergrößern

Banken unter der Lupe: Die Bundesbank schaut derzeit genau auf die Bilanzen der deutschen Geldhäuser. Sie schätzt die drohenden Verluste bis Ende 2010 auf 90 Milliarden Euro. Collage: SZ

Die WestLB lebt weiter. Aber die Umstände ihrer Rettung legen den schlechten Zustand des deutschen Finanzsystems offen. Zum dritten Mal binnen eines Jahres ist der Bund bei einer Bank eingestiegen, um ihre Pleite und dramatische Folgen für den Rest der Branche und für die Wirtschaft zu vermeiden.

Erst kaufte der Bund ein Viertel der Commerzbank, dann verstaatlichte er die Hypo Real Estate (HRE), jetzt kontrolliert Berlin erstmals eine Landesbank. In jedem der Fälle gab es zu der Rettung keine Alternative.

Doch wenn Bund, Länder und Sparkassen nicht bald eine Vorstellung davon entwickeln, wie das deutsche Bankensystem in Zukunft aussehen soll, dann hat dieses System trotz aller kurzfristigen Rettungsaktionen keine Zukunft.

Sollte jemand geglaubt haben, die Finanzkrise sei überwunden, so wird er dieser Tage eines Besseren belehrt. Die Bundesbank schätzte am Mittwoch die drohenden Verluste deutscher Banken bis Ende 2010 auf 90 Milliarden Euro. Neben der WestLB überleben auch die HSH Nordbank, die BayernLB und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) nur dank massiver Hilfe der jeweiligen Bundesländer, nur drei der sieben Landesbanken gelten als relativ robust.

Auch die Commerzbank und die HRE schreiben weiter rote Zahlen. Allein die Volksbanken, neben den öffentlichen Banken und privaten Kreditinstituten die dritte Säule des deutschen Geldsystems, stehen solide, wenn auch nicht glänzend da.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt kann sich ein marodes Banksystem nicht leisten. Unternehmen sind stark darauf angewiesen, dass Banken sie mit Krediten versorgen. Doch viele Kreditinstitute werden dazu kaum in der Lage sein, wenn die Konjunktur sich belebt und Firmen wieder investieren wollen. Die Landesbanken haben bei der Versorgung des Mittelstands eine wichtige Rolle gespielt. Werden ihre Probleme nicht rasch gelöst, droht eine Kreditklemme.

Niedergang und Rettung der WestLB machen deutlich, wer für die Probleme deutscher Banken verantwortlich ist, wer in der Lage ist, sie zu lösen - und wer nicht. Die Eigentümer der WestLB - zwei regionale Sparkassenverbände sowie das Land Nordrhein-Westfalen - haben die spekulativen Geschäfte der Landesbank gebilligt, die zu hohen Verlusten führten.

Audio Slideshow: Die Welt nach Lehman
Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Slideshow zu starten:

Mehr zum Thema