Alexis Passadakis über die Partnerwahl eines Attac-Aktivisten, Leben von 1000 Euro im Monat und warum er die Kleidung jüngeren Brüder trägt.
Attac-Aktivist Alexis Passadakis verdient etwa 1000 Euro im Monat. Foto: Bloomberg
Berlin-Kreuzberg - um die Ecke fordert ein Plakat: "Macht den Kapitalismus zur Geschichte!" Alexis Passadakis, 31, sitzt im Café von Attac, der Sammelbewegung der Globalisierungskritiker. Der Politologe demonstriert in wechselnden Kontinenten für Klimaschutz und einen gerechteren Welthandel. Bei Attac ist er Teil dessen, was in anderen Organisationen Führungsspitze heißt. Er versteht sich als politischer Aktivist und will entsprechend leben: ökologisch, ethisch und von wenig Geld. Aber wie kriegt das einer ohne Widersprüche hin? Ein Gespräch über Geld, Politik und Essen aus Müllcontainern. Übrigens: Ende des Jahres muss Attac aus den Café-Räumen in Kreuzberg raus. Der Vermieter will mehr Geld verdienen.
SZ: Herr Passadakis, reden wir über Geld. Wie viel verdienen Sie?
Alexis Passadakis: Das wechselt. Für mich steht die Arbeit im Vordergrund, nicht der Lohn. Im Moment arbeite ich bei einer Initiative, die sich für eine Vermögensabgabe Wohlhabender einsetzt. Da bekomme ich 1100 Euro im Monat. Vorher habe ich Seminare ausgerichtet, zur Wirtschaftskrise oder zum Klimaschutz. Da kriegt man mal 100 Euro, mal 200.
SZ: Seit wann arbeiten Sie?
Passadakis: Seit ich vor vier Jahren mein Studium beendete. Seitdem verdiene ich immer so rund um 1000 Euro im Monat.
SZ: Sorgen Sie sich manchmal, dass es nicht reicht?
Passadakis: Klar. Wenn mir zum Beispiel wie neulich das Fahrrad geklaut wird. Das ist ein Schlag, das lässt die Rücklagen verschwinden.
SZ: Sie haben sich trotzdem darauf eingerichtet, mit 1000 Euro auszukommen?
Passadakis: Im Moment ja. Wenn ich Familie hätte, wäre das vielleicht anders. Aber auch dann würde ich versuchen, das anders zu lösen als über einen klassischen Vollzeitjob, der einem nach 40 Stunden gar nicht mehr die Möglichkeit lässt, politisch aktiv zu sein.
SZ: Muss ein Aktivist im Alltag vorleben, was er politisch fordert?
Passadakis: Ich versuche das. Aber natürlich lebe ich mit Adorno: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Ich stoße auf Widersprüche.
SZ: Welche denn?
Passadakis: Wie komme ich in den Urlaub? Früher bin ich öfter geflogen. Dann hab ich entschieden, andere Wege zu finden. Aber ich war damit noch nicht so erfolgreich.
SZ: Warum?
Passadakis: Es ist halt schwierig. Im August war ein Protestcamp auf der griechischen Insel Lesbos, wo in einem Lager 150 Flüchtlinge in einem Raum zusammengepfercht werden. Da wollte ich mit dem Zug hin. Aber das hätte viel zu lang gedauert.
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