Von Helmut Martin-Jung

Wie viel CO2 produziert eine Suchanfrage bei Google? Die vor ein paar Tagen veröffentlichte Sieben-Gramm-These ist offenbar nicht haltbar.

Google, ddpGrossbild

(Foto: ddp)

Die Ausdehnung des Internets hat auch den Stromverbrauch der damit beschäftigten Rechner zum Thema gemacht. Ein kürzlich erschienener Bericht über den Einfluss, den das Datennetz auf den Ausstoß des Treibhausgases CO2 ausübt, hat daher großes Echo hervorgerufen. Vor allem ging es dabei um die Frage, wie viel CO2 Anfragen bei Suchmaschinen produzieren.

Auslöser dafür waren Artikel in der britischen Times on Sunday. Die Zeitung hatte den amerikanischen Physiker Alexander Wissner-Gross von der Harvard University um einen Meinungsbeitrag zu dem Thema gebeten. In einem zweiten Artikel berichtete das Blatt über die Folgen für die CO2-Bilanz, die entstehen, wenn man Suchmaschinen nutzt.

Zweifel an der Zahl

Im Nachhinein entstanden aber Zweifel an einer der wichtigsten Zahlen in dem Bericht, dass nämlich eine Suche via Google sieben Gramm CO2 freisetze. Wissner-Gross wirft der Times vor, den Bericht so formuliert zu haben, dass der Anschein erweckt worden sei, die Aussage mit den sieben Gramm basiere auf seinen Forschungen. Auch in seinem Meinungstext seien "die Worte verdreht worden", sagte er der Süddeutschen Zeitung.

Bei der Times wiederum bestreitet man diese Vorwürfe. Richtig sei, so Wissner-Gross, dass seiner Forschung zufolge der Besuch einer Internetseite im Schnitt 20 Milligramm CO2 pro Sekunde freisetze. Diese entstünden hauptsächlich durch den Energieverbrauch des anfragenden Rechners sowie durch Computer, die für die Infrastruktur nötig seien.

Quelle für die Sieben-Gramm-These ist offenbar das Blog eines Computerexperten. Dieser hat seine aus dem Jahr 2007 stammende Zahl inzwischen nach unten korrigiert, auf 0,2 Gramm, also 200 Milligramm CO2 pro Google-Anfrage. Diese Zahl nennt auch der Suchmaschinenbetreiber im offiziellen Google-Blog. Dabei seien Vorarbeiten wie das Aufbauen des Suchindex inbegriffen.

Die Firma Google, die wie andere Unternehmen riesige Datenzentren unterhält, achtet schon im eigenen Interesse darauf, diese so effizient wie möglich zu betreiben. Fachleute bescheinigen dem Konzern sogar große Expertise. Dennoch verbrauchen Rechenzentren viel Strom und werden oft neben Kraftwerken errichtet. Eines von Googles neueren Datenzentren beispielsweise liegt am Columbia River nahe einem Wasserkraftwerk.

(SZ vom 17.01.2009/mri)

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