Wirtschaftsminister Guttenberg übt heftige Kritik an GM: Es gebe keine Vorstellung darüber, wohin der Konzern mit Opel wolle. Unterdessen demonstrieren Tausende für Opel.
Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warf dem US-Autobauer vor, zu wenig Informationen über das Zukunftskonzept für Opel zu liefern. Bisher hätten potentielle Investoren und auch die Bundesregierung nicht einmal ansatzweise eine Ahnung davon, wohin der Konzern überhaupt wolle, kritisierte Guttenberg am Donnerstag in Berlin.
Er forderte rasch die Vorlage eines Sanierungsplans, der die nötige konzeptionelle Tiefe aufweise.
Zu einem möglichen Einstieg von Bund und Ländern bei Opel sagte der Wirtschaftsminister, dass dies bei den Optionen nicht an erster Stelle stehe. Auch andere Maßnahmen wie Bankkredite oder das Engagement von Investoren müssten geprüft werden.
Tiefensee für staatliche Beteiligung
Guttenberg kündigte an, sobald ein Konzept vorliege, noch am Freitag, spätestens am Samstag mit den Spitzen der Opel-Länder Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen zusammenzukommen.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte sich zuvor für einen Einstieg des Staates bei Opel ausgesprochen. "Die Länder, die Opel-Standorte haben, könnten sich an dem Unternehmen beteiligen - zumindest temporär“, sagte Tiefensee dem Hamburger Abendblatt.
Der Bund hat nicht einmal ansatzweise eine Ahnung davon, wohin der Konzern überhaupt wolle Foto: dpa
Er fügte hinzu: "Ich empfehle den Landesregierungen, sich diese Möglichkeit offenzuhalten." Als weitere Möglichkeiten nannte der Verkehrsminister staatliche Kredite und Bürgschaften.
Die SPD-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, beurteilt eine Rettung großer Wirtschaftsunternehmen durch den Staat dagegen skeptisch. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Frankfurter Rundschau und Deutschlandfunk sagte sie, es handele sich um eine "Erpressungssituation, wenn große Konzerne sagen, wenn ihr uns nicht helft, gehen Tausende Arbeitsplätze verloren". Weil sich eine Bundespräsidentin keinem Wahlkampf stellen muss, könnte es ihre Aufgabe sein, "offen zu sagen, welche langfristigen Gefahren und Chancen eine solche Entscheidung birgt".
Großdemo in Rüsselsheim
Opel erwägt eine Abtrennung vom Mutterkonzern, dem die Insolvenz droht, und bemüht sich um Staatshilfen. GM kann derzeit nur durch staatliche Notkredite überleben. Im Ringen um die Zukunft des Unternehmens sind am Donnerstag Tausende Mitarbeiter der GM-Tochter in ganz Europa zusammengekommen, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen Standortschließungen zu demonstrieren.
Mit Trillerpfeifen und Trommeln forderten sie bei der zentralen Kundgebung eines europaweiten Aktionstages lautstark den Erhalt der ums Überleben kämpfenden Traditionsmarke. "Opel muss bleiben, auch ohne GM", hieß es auf Plakaten, die eine Loslösung von der kriselnden Muttergesellschaft General Motors forderten.
"Es ist eine Lumperei, wenn Beschäftigte für strategische Fehlentscheidungen und Missmanagement die Zeche zahlen", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber. Die IG Metall hatte sich bereits zu Zugeständnissen bereiterklärt, wenn es um die Rettung der 25.000 Opel-Arbeitsplätze gehe.
In Schweden macht sich unterdessen wieder Hoffnung breit: Der insolvente schwedische Autohersteller Saab konnte seine Produktion nach eintägiger Unterbrechung wieder in vollem Umfang aufgenommen.
Wie eine Unternehmenssprecherin in Trollhättan mitteilte, seien "Schwierigkeiten mit einem Lieferanten" ausgeräumt worden.
Nach Medienberichten vom Vortag hatte Schwedens Zoll wegen unbezahlter Rechnungen den zeitweiligen Stopp der Produktion herbeigeführt.
Saab gehört wie Opel in Deutschland zum US-Konzern General Motors (GM) und will mit einem neuen Eigner überleben.
Der bisherige Konzernchef Jan-Åke Jonsson sagte in der Zeitung Svenska Dagbladet, es gebe derzeit "sieben bis acht seriöse Kaufinteressenten". Man müsse aber damit rechnen, dass die bisher angepeilte Frist von drei Monaten zur Neustrukturierung nicht ausreichen werde.
(sueddeutsche.de/dpa/Reuters/hgn)












Wirtschaft ist witzig