Kunsthandwerk, Bücher, Gebäude, ja nicht einmal Regenwolken sind in der Hauptstadt Chinas vor Fälschung sicher: Peking, das größte Potemkinsche Dorf der Welt
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Verbotene Stadt in Peking: Hauptstadt des Fälschens. Foto: dpa
Es muss ein herrliches Gefühl sein, China, also jenes unendliche Reich der Mitte, aus dem schon längst ein Reich der unendlichen Mittel geworden ist, einmal so richtig in die Knie zu zwingen.
Deshalb will man dieses fremde Land, in dem es mittlerweile so sehr ums Geld geht, dass man sich schon wieder so heimisch wie in Liechtenstein oder am Starnberger See fühlt, ordentlich runterhandeln. Man will es niederfeilschen und wegschachern. Man will das Geschäft seines Lebens machen.
Zu diesem Zweck wird in großer Vorfreude ein mehrstöckiger, ziemlich hässlicher Supermarkt namens "Silk Alley" besucht. Womöglich aber hätte man sich vorher darüber informieren sollen, dass die größte Nation der Produktpiraterie China heißt, weshalb das China-Staatskürzel PRC auch nicht People's Republik of China, sondern People's Republik of Cheats heißt - also Republik der Schwindler.
Und vielleicht hätte man ja auch ahnen können, dass die Hauptstadt des Fälschens Peking ist. Und dass das Silk Alley in dieser Hauptstadt wiederum das definitive Raubkopisten-, Produktpiraten-, Uhrenfälscher-, Labeltrickser und Antiquitätennachahmer-Zentrum ist. Es fungiert als Ersatz, erstaunlicherweise ohne Fälschungsabsicht, für die früheren, malerischen, natürlich illegal errichteten Marktstände gleichen Namens. Die wurden vor Jahren vom Bulldozer geplättet.
Der neue Seidenstraßensupermarkt liegt allerdings nicht an der Seidenstraße, sondern an der JianGuoMenWai-Straße - wenn die Visitenkarte vom Peking-Enten-Restaurant im Obergeschoss mal keine Fälschung ist. Dort also wird man der aufstrebenden Supermacht China die Stirn bieten.
Die netten Damen warten ja auch schon - in ihren leicht schummrigen Abteilen voller Plüsch und Plunder. Und tatsächlich ist ihre forcierte Umgänglichkeit ("Look! Mister! Look! Here!") jener aus der Hamburger Herbertstraße bekannten nicht ganz unähnlich, wenngleich das Personal in Peking einen angenehm textilen Umgang pflegt.
Im Silk Alley preisen sie einem allerlei Seidenhaftes an: Seidenpyjamas, Seidenkrawatten und Seidensakkos. Aber es gibt auch eine Rolex für 50 Euro, ein iPhone für 50 Euro oder eine Perlenkette für 50 Euro.
Und ein antikes Schachspiel, eine bezaubernde Elfenbeinarbeit in einem von edlen Messingbeschlägen, reichen Intarsien und dickem Leder verzierten Holzschächtelchen - das gibt es auch. Es ist 24 Zentimeter lang, elf Zentimeter breit und sieben Zentimeter hoch. Man kann es aufklappen. Es ist phantastisch. Liegt schwer in der Hand, muss also schwer wertvoll sein. Das findet die Verkäuferin auch: 250 Euro. Sagt sie.
Das Spiel der west-östlichen Handels-Supermächte beginnt.
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